HUK-E-Barometer: Die Lust am Elektroauto kehrt zurück

HUK-E-Barometer: Die Lust am Elektroauto kehrt zurück
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Wolfgang Gomoll
Wolfgang Gomoll
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Das aktuelle E-Barometer des Autoversicherers HUK-Coburg zeigt, wie viele Autofahrer vom Verbrennungsmotor auf ein Elektroauto umsteigen. Während die Wechselquote steigt, stürzt Tesla in der Gunst der deutschen Autokäufer ab. Chinesische Autos schaffen es nicht einmal in die Top-15-Rangliste der gefragtesten Stromer.

Nach der Flaute wächst bei privaten Autokäufern wieder die Bereitschaft, sich von Benzin- und Dieselmotoren zu verabschieden. Das zeigt das HUK-E-Barometer für das dritte Quartal des Jahres 2025. Die Kennzahlen aus dem Versicherungsbestand der HUK-Coburg und eine parallel laufende Befragung des internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov belegen, dass die Deutschen zunehmend Lust aufs Stromern bekommen: 6,2 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel führten im Sommer 2025 vom Verbrenner zum reinen Elektroauto. Das ist der höchste Wert seit zwei Jahren. Gegenüber dem Tief zu Jahresbeginn 2024, als nach dem Ende der staatlichen Kaufprämie kaum noch jemand ein E-Auto bestellte, hat sich die Wechselquote damit mehr als verdoppelt.

„Ein neuer Schub bei der Verbreitung von Elektroautos in Deutschland scheint jetzt da zu sein“, analysiert Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand der HUK-Coburg. Doch nicht alle Automobilhersteller profitieren vom Gesinnungswandel der Deutschen. Tesla stürzt vom In-Auto zur Randerscheinung ab. Wie die Untersuchung der HUK-Coburg zeigt, fällt das Model Y von der absoluten Spitzenposition der Neuwagen aus dem Jahr 2024 mit einem E-Umsteiger-Anteil von 13,5 Prozent im Jahr 2025 auf den achten Platz der Neuwagenkauf-Rangliste mit mageren 3,6 Prozent zurück. Das entspricht nur noch etwa einem Viertel des damaligen Wertes.

Die Frage ist, was die Gründe für diesen Absturz sind. Grundsätzlich sind zum einen die Tesla-Modelle etwas in die Jahre gekommen. Das hat auch der amerikanische Autobauer erkannt und bessert jetzt zumindest optisch mit Modellpflegen nach. Andererseits haben die anderen Automarken stark zugelegt, an Quantität wie auch Qualität. Und schließlich dürften auch Elon Musks politische Aktivitäten eine große Rolle spielen. Die chinesischen Automarken stehen ebenfalls noch nur an der Seitenlinie. Keines der Modelle aus China schafft es in die Wertung der 15 gefragtesten E-Autos.

Interessant ist, welche Fahrzeuge in die Lücke stoßen, die Tesla hinterlassen hat. Beim Kauf eines neuen E-Autos wählen Privatkunden laut der HUK-Coburg-Analyse am häufigsten den Škoda Elroq (9,6 Prozent). Das ist bemerkenswert, da das Kompakt-SUV erst seit Januar auf dem Markt ist. Danach folgen der Cupra Born (6,5 Prozent) und der BMW iX1 (5,6 Prozent). Dies deutet darauf hin, dass das Škoda-Geschäftsmodell „viel Auto fürs Geld“ auch bei Elektroautos zieht. Was man in Wolfsburg nicht so gerne sehen wird, ist die Tatsache, dass der VW ID.3 mit einem Anteil von 5,5 Prozent erst auf Rang vier folgt. Dahinter lauert mit 4,2 Prozent schon der nächste Škoda, der Enyaq, ehe das neue koreanische Duo Hyundai Inster (4,2 Prozent) und Kia EV3 (3,8 Prozent) die Ränge sechs und sieben einnehmen, vor einem bunten SUV-Trio aus Ford Explorer, Toyota bZ4X und Cupra Tavascan. Der französische Sympathieträger Renault 5 E-Tech schafft es mit 2,1 Prozent kurz nach seiner Markteinführung auf Anhieb auf den 14. Platz.

HUK-Coburg

Beim Wechsel von Verbrennern zu gebrauchten Elektroautos zeigt sich ein anderes Bild. Hier dominiert der VW ID.3 mit 5,9 Prozent. Auch die Plätze zwei und drei sind mit dem Opel Corsa-e (5,1 Prozent) und dem Mercedes EQA (4,9 Prozent) in deutscher Hand. Das lässt darauf schließen, dass die Käufer bei Gebrauchtwagen nach wie vor eher auf „Made in Germany“ vertrauen. Bemerkenswert ist, dass die 2024 noch sehr gefragten Modelle Smart Fortwo (2,6 Prozent / 12. Platz), Hyundai Kona (9. Platz mit 3,3 Prozent) oder Renault Zoe (vierter Platz mit 4,2 Prozent / Vorjahr 6 Prozent) in der Käufergunst abgerutscht sind. Der frühere Spitzenreiter BMW i3 findet sich 2025 nur noch auf Rang 17 wieder – sein Anteil sank laut dem HUK-E-Barometer von 6,1 auf 1,9 Prozent.

HUK

Gebrauchte Elektroautos liegen im Trend

Die Analyse des Käuferverhaltens zeigt zudem, dass gebrauchte E-Fahrzeuge mittlerweile wichtiger sind als fabrikneue: Mehr als die Hälfte der Privatkunden, die in diesem Jahr auf ein Elektroauto umgestiegen sind, haben sich für einen Gebrauchtwagen entschieden. Im Jahr 2020 lag der Anteil noch bei gut zehn Prozent. Diese Entwicklung lässt aufhorchen, weil Gebrauchtwagenkäufe den breiten Markt viel stärker prägen als Neuzulassungen. Das zeigt auch, dass sich viele Privatkunden ein neues Elektromobil nicht leisten können oder wollen. Außerdem scheint die – ohnehin weitestgehend unbegründete – Angst vor der Alterung der Akkus zu verschwinden.

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Ein weiterer interessanter Punkt ist, wer die Umsteiger eigentlich sind. Hier zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Worten und Taten. Laut der YouGov-Umfrage des Barometers finden 62 Prozent der Unter-40-Jährigen reine Elektroautos „sehr gut“ oder „gut“. In der Altersgruppe der über 40-Jährigen waren es lediglich 40 Prozent. Trotz der geäußerten Skepsis steigen jedoch ältere Autofahrer bislang deutlich häufiger auf einen Stromer um. Auffällig: Bei den Jüngeren ist die Umstiegsquote fast halb so hoch – offenbar schrecken die hohen Anschaffungspreise diese Käuferschicht ab. Genau hier sieht Jörg Rheinländer einen wichtigen Hebel, um die Elektromobilität weiter anzuschieben. Der HUK-Vorstand schlägt ein staatliches Förderprogramm vor, um den Erwerb erschwinglicher Elektroautos zu unterstützen.

Damit rennt der Manager offene Türen ein. Offenbar arbeitet die Bundesregierung derzeit an einer neuen Förderung, die 2026 starten soll. Anders als bisher sollen dann auch gebrauchte E-Autos bezuschusst werden. Zusätzlich plädiert Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) für ein „Social Leasing“. Dieses Modell orientiert sich am französischen Vorbild und soll einkommensschwachen Haushalten den Einstieg ins Elektroauto über günstige Leasingraten erleichtern. In Frankreich übernimmt der Staat rund 27 Prozent des Fahrzeugpreises, während die Monatsraten bei maximal 200 Euro liegen. Schnieder sieht dies als „zusätzliche Option“ und verweist darauf, dass neben der geplanten Kfz-Steuerbefreiung bis 2035 auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur und weitere Kaufanreize diskutiert werden.

Plug-in-Hybride als Steigbügelhalter fürs Batterie-Elektroauto

Wie sieht es eigentlich mit den Teilzeitstromern aus? Hybridfahrzeuge gelten bei vielen nach wie vor als Brückentechnologie. Die Daten zeigen, dass vor allem der Plug-in-Hybrid seine Aufgabe als Steigbügelhalter für die E-Mobilität erfüllt. Wer einen solchen Antrieb fährt, steigt beim nächsten Fahrzeug mehr als dreimal so häufig auf ein reines Elektroauto um wie Fahrer von Mild- oder Voll-Hybriden. Letztere verhalten sich ähnlich wie reine Benzin- oder Dieselfahrer. Die geplante Einbeziehung von Hybriden in die neue Förderung könnte somit vor allem bei Plug-in-Hybriden wirken. Bei Mild- oder Voll-Hybriden droht hingegen ein teurer Mitnahmeeffekt ohne großen Nutzen.

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Bei den wechselwilligen Autofahrern gibt es nach wie vor deutliche regionale Unterschiede. In Bayern und Niedersachsen tauschten die meisten Kunden im dritten Quartal 2025 einen Verbrenner gegen ein Elektroauto. Entsprechend sind hier auch die Bestandsquoten am höchsten. Im Versicherungsbestand der HUK liegt der Anteil reiner Stromer in Bayern bei rund 3,9 Prozent und in Niedersachsen bei 3,8 Prozent. Die ostdeutschen Flächenländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bilden dagegen das Schlusslicht. Dort sind sowohl die Umstiegsquoten als auch die Bestandsanteile nur etwa halb so hoch wie in den „Autoländern“ Bayern und Niedersachsen.

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Wolfgang Gomoll

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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