BMV fördert E-Fuel-Anlage in Leuna mit 157 Millionen Euro

BMV fördert E-Fuel-Anlage in Leuna mit 157 Millionen Euro
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Deutschland investiert weiter in synthetische Kraftstoffe: Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) stärkt die Entwicklung von E-Fuels und unterstützt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit weiteren rund 157 Millionen Euro. Der neue Förderbescheid sichere die Betriebsphase der Technologieplattform Power-to-Liquid-Kraftstoffe (TPP) in Leuna bis 2035, so das BMV in einer aktuellen Mitteilung. In der Anlage im Saalekreis werden strombasierte Kraftstoffe optimiert sowie Technologien und Verfahren für deren Produktion in einem industriellen Maßstab weiterentwickelt.

Power-to-Liquid ist ein Verfahren, bei dem künstliche Kraftstoffe (E-Fuels) erzeugt werden. Dazu wird mit Strom zunächst Wasserstoff erzeugt, der anschließend mit Kohlendioxid zu synthetischem Kraftstoff weiterverarbeitet wird. Das ganze klingt nicht nur aufwendig, es ist aufgrund des hohen Energieeinsatzes recht teuer und ineffizient. Rechnet man die benötigte Energie auf damit erzielbare Strecke um, kommt ein Elektroauto mit der gleichen Menge Strom rund sechs Mal so weit wie ein mit E-Fuels betanktes Fahrzeug. E-Fuels gelten daher allenfalls als Nischenlösung sowie als Möglichkeit, auch die Bestandsflotte klimafreundlicher zu betanken. Die Kosten dafür werden Prognosen zufolge allerdings deutlich höher liegen als rein elektrische Batterie-Mobilität. Die größten Chancen für E-Fuels ergeben sich in Bereichen wie Schiff- und Luftfahrt, da hier Batterie-Antriebe schnell an ihre Grenzen stoßen.

„Mit der Förderung der Betriebsphase setzen wir den nächsten großen Schritt für strombasierten, klimafreundlichen Kraftstoff. In Leuna entsteht mit unserer Unterstützung die weltweit erste vollintegrierte Forschungsanlage, in der strombasierte Kraftstoffe über die gesamte Prozesskette hinweg und im semi-industriellen Maßstab erprobt werden“, erklärt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. „Die Technologieplattform schafft damit den entscheidenden Schritt zwischen Labor und Praxis – ein Meilenstein für strombasierte Kraftstoffe und ein starkes Signal für Sachsen-Anhalt als Innovationsstandort.“

„Heute ist ein guter Tag für Sachsen-Anhalt“, ergänzt Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. „Leuna steht seit über 100 Jahren für chemische Innovation. Was einst mit der industriellen Herstellung von Treibstoffen begann, wird jetzt in die nächste Generation geführt. Das zeigt: Sachsen-Anhalt ist nicht nur ein Land mit großer industrieller Tradition, sondern auch ein Standort für Zukunftstechnologien.“

Die TPP in Leuna ist zentraler Baustein einer PtL-Technologieentwicklung in Deutschland. Das DLR wurde 2023 in einem wettbewerblichen Verfahren ausgewählt, die Anlage zu planen; hierfür stellte das Bundesministerium bereits knapp 5,5 Millionen Euro bereit. Im Jahr 2024 folgten 130 Millionen Euro für den Bau. Mit den jetzt bewilligten Mitteln ist der Forschungs- und Testbetrieb für den Zeitraum 2028 bis 2035 gesichert.

„Das DLR leistet mit der TPP einen wichtigen Beitrag, um den tiefgreifenden Wandel der Sektoren Energie, Mobilität und Industrie zu gestalten und den Wirtschaftsstandort Deutschland in herausfordernden Zeiten mit zukunftsweisenden Technologien zu stärken“, erklärt Professorin Meike Jipp, DLR-Bereichsvorständin Energie und Verkehr und ordnet das übergreifende Ziel der Anlage ein: „Strombasierte Kraftstoffe ermöglichen es, die Luftfahrt, den Schiffsverkehr und den Schwerlastverkehr auf der Straße klima- und umweltverträglicher zu gestalten. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, die deutsche Versorgungslage resilienter und weniger abhängig von fossilen Rohstoffen zu machen.“

Die Technologieplattform arbeitet im sogenannten Kampagnenbetrieb: Einzelne Prozessschritte werden unter realen industriellen Bedingungen getestet, wissenschaftlich ausgewertet und weiter optimiert. Mit einer jährlichen Kapazität von 2000 bis 3000 Tonnen PtL-Kraftstoff wird Leuna zur derzeit größten Forschungsanlage für strombasierten Kraftstoff weltweit. Zur Einordnung: Die in Leuna produzierte Menge an Kraftstoff würde im Flugverkehr für etwa 15 Langstreckenflüge reichen.

Für den breiten Einsatz von E-Fuels ist die Anlage also nicht geeignet, die TPP soll vielmehr wichtige Impulse für den künftigen Markthochlauf strombasierter erneuerbarer Kraftstoffe liefern – insbesondere in der Luft- und Schifffahrt und in weiteren Bereichen, in denen klimafreundlichere Alternativen dringend benötigt werden.

Quelle: BMV – Pressemitteilung vom 25.11.2025 / MDR – 160 Millionen Euro für neues Forschungslabor in Leuna

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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