BYD verhandelt derzeit mit Autoherstellern über die Übernahme ungenutzter Fabriken in Europa. Man spreche dabei nicht nur mit Stellantis, sondern auch mit anderen Unternehmen, wie die BYD-Vizepräsidentin Stella Li mitteilte. „Wir halten Ausschau nach allen verfügbaren Werken in Europa, da wir diese Art von Kapazitätsreserven nutzen möchten“, so Li. BYD würde es dabei vorziehen, die Werke selbst zu betreiben, anstatt dies über Joint Ventures zu tun, so Li.
Damit würde das chinesische Unternehmen, das bereits Fabriken in Ungarn und der Türkei aufbaut hat, als weltweit größter Anbieter von Elektroautos seine Expansion in Europa weiter vorantreiben. Konkret sind Länder wie Italien im Gespräch. Langfristig seien auch Länder wie Frankreich aufgrund niedriger Strompreise interessant, so Li. In Szeged im Süden Ungarns ist die Produktion des Kleinwagens Dolphin Surf und des Atto 2 sowie zwei weiterer Modelle mit einer Jahresproduktion von bis zu 300.000 Fahrzeugen angedacht.
Expansion chinesischer Hersteller
Damit zeichnet sich ein Trend ab: Immer mehr chinesische Hersteller suchen ungenutzte Produktionskapazitäten in Europa von anderen Unternehmen. Erst im vergangenen Monat wurde beispielsweise bekannt, dass Nissan mit dem chinesischen Unternehmen Chery im Gespräch ist, um das Werk im britischen Sunderland gemeinsam zu nutzen. Auch der Konzern Volkswagen, der seit einigen Jahren strauchelt, zeigte offen für ähnliche Gespräche, während Stellantis künftig mehrere Vereinbarungen mit verschiedenen chinesischen Herstellern abschließen könnte. So stellte der Konzern Anfang Mai einen Plan vor, um in Europa noch enger mit dem Partner Leapmotor zusammenzuarbeiten. Dabei sollen zwei der spanischen Werke des Konzerns auch Elektroautos für das chinesische Unternehmen produzieren. Da Stellantis Anteile an Leapmotor hält, arbeiten die Unternehmen eng zusammen. Inzwischen trägt Leapmotor maßgeblich zum Gewinn des Konzerns bei.
Für die Autohersteller, die bei diesen Deals ihre Produktionskapazitäten abgeben, kann Druck ausgeglichen werden, der durch hohe Kosten und intensiven Wettbewerb entsteht. Für chinesische Unternehmen besteht wiederum mit diesem Geschäftsmodell die Möglichkeit, bestehende Strukturen für ihre Produktion zu nutzen. Nicht zuletzt aufgrund der erhöhten EU-Importzölle für Elektroautos aus China suchen die Unternehmen günstigere Wege für ihre Fahrzeuge auf den europäischen Markt. Außerdem führt der mitunter aggressiv geführte Wettbewerb um Billigpreise in China dazu, dass die Hersteller ins Ausland expandieren, wo höhere Margen erzielt werden können.
BYDs Europa-Strategie
Derzeit profitiert BYD als Elektroautohersteller stark von der geopolitischen Lage, da die Kraftstoffpreise infolge des Nahostkonflikts in die Höhe geschossen sind und den Markt für Elektroautos beleben. Es hat sich gezeigt, dass der Irankonflikt Benziner finanziell deutlich stärker belastet, als Elektroautos. Daher prüft BYD auch die Übernahme traditionsreicher Marken der Region, die möglicherweise in Schwierigkeiten stecken. Marken wie Maserati seien sehr interessant, so Li. Konkrete Maßnahmen seien jedoch noch nicht ergriffen worden.
Auch an Personal ist BYD interessiert. „Wir stellen viele lokale Mitarbeitende in der Forschung und Entwicklung ein“, sagte Li. „Selbst in Großbritannien, in Frankreich, in jeder Region brauchen wir eine lokale Forschungs- und Entwicklungsabteilung.“ Wie im letzten Monat bekannt wurde, wirbt das Unternehmen um Personal bei Porsche, das Denza in Europa stärken soll. Diese Premiummarke von BYD bringt derzeit den hybriden Minivan D9 DM-i auch in Deutschland auf den Markt.
Quelle: Automotive News Europe – BYD in talks with Stellantis, other European automakers to take over underused factories









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