Sunderland: Nissan und Chery erwägen Zusammenarbeit

Sunderland: Nissan und Chery erwägen Zusammenarbeit
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Vanessa Lisa Oelmann

Maria Glaser
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Der japanische Autohersteller Nissan führt einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge Gespräche mit dem chinesischen Unternehmen Chery. Die Hersteller erwägen demnach eine Zusammenarbeit bei der Produktion in Großbritannien, um die Auslastung des Werks in Sunderland zu steigern. Die FT bezieht sich dabei auf Personen, die über die Gespräche informiert seien, Nissan selbst äußerte sich jedoch nicht dazu.

Grundsätzlich überlegen immer mehr traditionelle Hersteller, die mit schwacher Nachfrage und hohen Produktionskosten konfrontiert sind, Partnerschaften mit konkurrierenden Unternehmen, um ihre europäischen Werke besser auszulasten und die entsprechenden Arbeitsplätze zu erhalten. Dazu gehören auch Ford, Stellantis und Volkswagen, die im vergangenen Jahr Gespräche mit chinesischen Konzernen wie Geely und BYD über die Nutzung freier Kapazitäten in europäischen Werken geführt haben.

Potenzielle Kooperation in Sunderland

Nissan ist mit rund 6000 Beschäftigten in Sunderland einer der größten Arbeitgeber der Automobilbranche im Vereinigten Königreich. Zwar hat die Einführung der neuesten Generation des beliebten Elektroautos Nissan Leaf die Auslastung in Sunderland zuletzt wieder verbessert, die aktuelle Auslastung des Nissan-Werks liegt jedoch lediglich bei 50 Prozent. Der Einfluss des elektrischen Modells Juke, der voraussichtlich 2027 in den Verkauf kommen soll, bleibt abzuwarten.

Daher habe der japanische Hersteller, wie die FT berichtet, mit zahlreichen Unternehmen über die Nutzung von Sunderland verhandelt, darunter neben Chery auch Dongfeng. Entschieden sei dabei noch nichts. Der Standort Sunderland verfügt über separate Produktionslinien in verschiedenen Gebäuden, wodurch eine gemeinsame Nutzung mit anderen Automobilherstellern möglich wäre.

Zuletzt gab es Unsicherheiten, was die Zukunft des Werks angeht. Das lag einerseits an dem umfangreichen Umstrukturierungsprogramm bei Nissan, das Werksschließungen und den Abbau von 20.000 Arbeitsplätzen weltweit vorsah. Andererseits warnte Nissan, dass Sunderland geschlossen werden könnte, wenn die EU Produktionsziele Made in Europe durchsetzt, die Großbritannien ausschließen.

Kooperationen statt Stilllegung

Das chinesische Unternehmen Chery gehört zu den am schnellsten wachsenden chinesischen Konzernen in Großbritannien. Der Marktanteil stieg innerhalb eines Jahres von einem Prozent auf 6 Prozent im März. Die britische Regierung hat aktiv um chinesische Autohersteller geworben, damit diese im Land produzieren. Aufgrund der hohen Energie- und Arbeitskosten seien die Hersteller jedoch zögerlich, neue Anlagen zu errichten, so der FT-Bericht.

Bei der Kooperation zwischen Nissan und Chery würde es sich nicht um die erste Zusammenarbeit der Unternehmen handeln, denn Chery besitzt bereits ein Nissan-Werk in Barcelona und kaufte Anfang dieses Jahres ein weiteres Werk in Südafrika. Das chinesische Unternehmen prüft außerdem weitere Produktionsoptionen in Großbritannien, beispielsweise das Jaguar-Land-Rover-Werk in Halewood.

Mit dem anderen potenziellen Kooperationspartner von Nissan – Dongfeng – sei der FT zufolge auch der europäische Konzern Stellantis im Gespräch über eine Ausweitung ihrer Zusammenarbeit bei der Produktion in Europa. Sie waren zuvor Joint-Venture-Partner in China. Weder Stellanis noch Dongfeng äußersten sich öffentlich dazu. Auch Ford und Geely sind im Austausch über die Nutzung freier Produktionskapazitäten in Europa sowie über eine Technologiepartnerschaft, bei der eine gemeinsame Plattform entwickelt werden würde.

Die Gespräche zeigen, wie dringlich die Lage europäischer Werke ist. Obwohl chinesische Marken mit ihren günstigen Elektroautos immer mehr Marktanteile in Europa übernehmen, gelten Kooperationen für etablierte Marken als eine Möglichkeit, Werke vor der Stilllegung zu bewahren und Arbeitsplätze zu sichern.

Quelle: Financial Times – Nissan held talks with China’s Chery on building cars in Sunderland

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Maria Glaser

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Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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