VW Gläserne Manufaktur: Gerücht von BYD-Einstieg dementiert

VW Gläserne Manufaktur: Gerücht von BYD-Einstieg dementiert
Copyright:

trabantos / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

„Wir weisen diese Spekulation entschieden zurück.“ Mit diesen Worten reagiert ein Sprecher von Volkswagen auf einen Bericht aus China, demzufolge der Wolfsburger Konzern und der Elektroautohersteller BYD über eine Teilübernahme der Gläsernen Manufaktur in Dresden verhandeln sollen. Die ungewöhnlich klare Zurückweisung steht im Kontrast zur Detailtiefe der Meldung aus Fernost und wirft die Frage auf, wie viel Substanz hinter den Berichten tatsächlich steckt.

Hintergrund ist die Entscheidung von Volkswagen, die Produktion am Dresdner Standort Ende 2025 einzustellen. Damit endete ein Kapitel, das mit dem Phaeton begann und zuletzt der Fertigung des ID.3 diente. Was nach dem Produktionsende mit der unmittelbar an den Großen Garten grenzenden Glas-Architektur passiert, ist offen. Geplant ist bislang ein sächsischer Innovationscampus in Zusammenarbeit mit der TU Dresden. Genau in diese Lücke stößt nun ein Bericht des chinesischen Branchenportals CarNewChina, der für Aufmerksamkeit sorgt.

Das Portal beruft sich auf nicht näher bezeichnete interne Quellen und zeichnet ein konkretes Szenario: BYD soll auf der Suche nach einem deutschen Produktionsstandort sein, um die hier verkauften Modelle mit dem Etikett „Made in Germany“ versehen zu können. Dresden gilt dem Bericht zufolge als bevorzugte Option. Die Gläserne Manufaktur solle in zwei Hälften aufgeteilt werden – eine deutsche für den Innovationscampus, eine chinesische für die Fertigung von E-Autos. Als Investitionsvolumen werden 50 Millionen Euro genannt.

Eine Meldung mit vielen offenen Stellen

So konkret die Zahlen klingen, so dünn ist die Beweislage. Weder BYD noch Volkswagen haben über das Wolfsburger Dementi hinaus offizielle Stellungnahmen abgegeben. Das chinesische Portal nennt keine namentlichen Quellen, und auch die genauen Bedingungen einer hypothetischen Aufteilung bleiben vage. Dass ein chinesischer Automobilhersteller in Europa produziert, ist grundsätzlich kein neues Muster. BYD baut derzeit ein Werk in Ungarn auf, ein zweites Werk in der Türkei ist angekündigt. Eine deutsche Produktionsstätte wäre allerdings ein Novum und käme strategisch zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt.

Die EU hat im Herbst 2024 Ausgleichszölle auf chinesische E-Auto-Importe eingeführt, BYD trifft es mit einem zusätzlichen Aufschlag von rund 17 Prozent. Eine Fertigung innerhalb der Europäischen Union umgeht diese Zollschranke. Ein Standort in Deutschland wäre darüber hinaus ein symbolischer Schritt, der über die reine Produktionslogik hinausgeht. Das Label „Made in Germany“ hat im Automobilbereich nach wie vor Gewicht – auch und gerade in Märkten außerhalb Europas.

Genau hier liegt der Reiz der Spekulation. Die Gläserne Manufaktur ist mehr als ein Industriegebäude. Sie war über zwei Jahrzehnte das gläserne Schaufenster der Marke Volkswagen, ein Ort, an dem Produktion zur Inszenierung wurde. Eine chinesische Übernahme – auch nur in Teilen – hätte einen Symbolwert, der weit über die fünfzig Millionen Euro hinausginge, die im Bericht genannt werden. Vor diesem Hintergrund ist das deutliche Dementi aus Wolfsburg nachvollziehbar.
Quelle: CarNewsChina – EXCLUSIVE: BYD in talks to take over part of Volkswagen’s Dresden plant / Volkswagen: Per Mail

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in BYD Elektroautos

BYD kompensiert schwachen Heimatmarkt mit Exporten

BYD kompensiert schwachen Heimatmarkt mit Exporten

Sebastian Henßler  —  

BYD hat im Juli den dritten Monat in Folge zugelegt. Vor allem die Auslandsnachfrage sorgt für deutliches Wachstum.

BYD startet Taxi- und Mietwagen-Offensive in Deutschland

BYD startet Taxi- und Mietwagen-Offensive in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Mit attraktiven Konditionen und einem starken Partnernetzwerk will BYD Taxi- und Mietwagenunternehmen den Weg zur E-Mobilität ebnen.

Denza Z: Elektro-Supersportwagen für 160.000 Euro im Test

Denza Z: Elektro-Supersportwagen für 160.000 Euro im Test

Stefan Grundhoff  —  

Mit 1180 Kilowatt Leistung und einem Drehmoment von 1240 Nm schickt sich der Denza Z an, etablierte Sportwagen aus Europa das Fürchten zu lehren.

Denza Z: BYD-Marke zeigt Elektro-Supersportwagen mit 1180 kW

Denza Z: BYD-Marke zeigt Elektro-Supersportwagen mit 1180 kW

Sebastian Henßler  —  

Mit dem Denza Z bringt die BYD-Marke ihren ersten Elektro-Supersportwagen. Das Coupé leistet 1604 PS und beschleunigt in 2,25 Sekunden auf 100 km/h.

BYD soll Interesse an Renault-Beteiligung bekundet haben

BYD soll Interesse an Renault-Beteiligung bekundet haben

Laura Horst  —  

BYD gleich zweimal Gespräche mit Renault über eine Anteilsübernahme an dem französischen Konzern aufgenommen haben, jedoch ist es zu keiner Einigung gekommen.

BYD bringt Pick-up Shark mit 321 kW und Range Extender

BYD bringt Pick-up Shark mit 321 kW und Range Extender

Patrick Solberg  —  

Mit 321 kW Systemleistung, 650 Newtonmetern und einer Anhängelast von 2,5 Tonnen positioniert sich der BYD Shark als Alternative zu etablierten Pick-ups.

BYD baut Batterieproduktion in Brasilien aus

BYD baut Batterieproduktion in Brasilien aus

Maria Glaser  —  

Der chinesische Hersteller investiert hohe Summen in seine Batterieproduktion in Brasilien und treibt die lokale Fertigung weiter voran.