„Wir weisen diese Spekulation entschieden zurück.“ Mit diesen Worten reagiert ein Sprecher von Volkswagen auf einen Bericht aus China, demzufolge der Wolfsburger Konzern und der Elektroautohersteller BYD über eine Teilübernahme der Gläsernen Manufaktur in Dresden verhandeln sollen. Die ungewöhnlich klare Zurückweisung steht im Kontrast zur Detailtiefe der Meldung aus Fernost und wirft die Frage auf, wie viel Substanz hinter den Berichten tatsächlich steckt.
Hintergrund ist die Entscheidung von Volkswagen, die Produktion am Dresdner Standort Ende 2025 einzustellen. Damit endete ein Kapitel, das mit dem Phaeton begann und zuletzt der Fertigung des ID.3 diente. Was nach dem Produktionsende mit der unmittelbar an den Großen Garten grenzenden Glas-Architektur passiert, ist offen. Geplant ist bislang ein sächsischer Innovationscampus in Zusammenarbeit mit der TU Dresden. Genau in diese Lücke stößt nun ein Bericht des chinesischen Branchenportals CarNewChina, der für Aufmerksamkeit sorgt.
Das Portal beruft sich auf nicht näher bezeichnete interne Quellen und zeichnet ein konkretes Szenario: BYD soll auf der Suche nach einem deutschen Produktionsstandort sein, um die hier verkauften Modelle mit dem Etikett „Made in Germany“ versehen zu können. Dresden gilt dem Bericht zufolge als bevorzugte Option. Die Gläserne Manufaktur solle in zwei Hälften aufgeteilt werden – eine deutsche für den Innovationscampus, eine chinesische für die Fertigung von E-Autos. Als Investitionsvolumen werden 50 Millionen Euro genannt.
Eine Meldung mit vielen offenen Stellen
So konkret die Zahlen klingen, so dünn ist die Beweislage. Weder BYD noch Volkswagen haben über das Wolfsburger Dementi hinaus offizielle Stellungnahmen abgegeben. Das chinesische Portal nennt keine namentlichen Quellen, und auch die genauen Bedingungen einer hypothetischen Aufteilung bleiben vage. Dass ein chinesischer Automobilhersteller in Europa produziert, ist grundsätzlich kein neues Muster. BYD baut derzeit ein Werk in Ungarn auf, ein zweites Werk in der Türkei ist angekündigt. Eine deutsche Produktionsstätte wäre allerdings ein Novum und käme strategisch zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt.
Die EU hat im Herbst 2024 Ausgleichszölle auf chinesische E-Auto-Importe eingeführt, BYD trifft es mit einem zusätzlichen Aufschlag von rund 17 Prozent. Eine Fertigung innerhalb der Europäischen Union umgeht diese Zollschranke. Ein Standort in Deutschland wäre darüber hinaus ein symbolischer Schritt, der über die reine Produktionslogik hinausgeht. Das Label „Made in Germany“ hat im Automobilbereich nach wie vor Gewicht – auch und gerade in Märkten außerhalb Europas.
Genau hier liegt der Reiz der Spekulation. Die Gläserne Manufaktur ist mehr als ein Industriegebäude. Sie war über zwei Jahrzehnte das gläserne Schaufenster der Marke Volkswagen, ein Ort, an dem Produktion zur Inszenierung wurde. Eine chinesische Übernahme – auch nur in Teilen – hätte einen Symbolwert, der weit über die fünfzig Millionen Euro hinausginge, die im Bericht genannt werden. Vor diesem Hintergrund ist das deutliche Dementi aus Wolfsburg nachvollziehbar.
Quelle: CarNewsChina – EXCLUSIVE: BYD in talks to take over part of Volkswagen’s Dresden plant / Volkswagen: Per Mail








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