Iran-Konflikt trifft Benziner fünfmal stärker als E-Autos

Iran-Konflikt trifft Benziner fünfmal stärker als E-Autos
Copyright:

Shutterstock / 2529501053

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Wer einen Benziner fährt, wird von den Preissteigerungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt weitaus stärker betroffen sein als E-Autofahrende, zeigt eine neue T&E-Analyse. Da die Ölpreise die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten haben, werden die zusätzlichen Kosten für das Betanken eines Benziners voraussichtlich fünfmal so hoch sein wie die Mehrkosten für das Aufladen eines E-Autos.

T&E hat die zu erwartenden Auswirkungen auf die Benzinpreise analysiert und festgestellt, dass das Betanken eines durchschnittlichen Benziners 14,20 Euro pro 100 km kosten würde – ein Anstieg um 3,80 Euro aufgrund des Iran-Konflikts. Die durchschnittlichen Kosten für das Aufladen eines E-Autos würden bei 6,50 Euro pro 100 km liegen – ein Anstieg um 0,70 Euro aufgrund höherer Strompreise, die durch teureres Gas verursacht werden. Bei Firmenwagen, die weitere Strecken zurücklegen als Privatfahrzeuge, werden die Auswirkungen noch größer sein: zusätzliche 89 Euro pro Monat für jeden Benziner in der Firmenflotte. Das Aufladen von E-Firmenwagen würde nur 16 Euro zusätzlich pro Monat kosten.

„Die beste Versicherung gegen den Preisschock sind E-Autos“

Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, sagt: „Wer diese Tage seinen Benziner tankt, muss starke Nerven haben. Jede Ölkrise ist als erstes an der Zapfsäule zu spüren. Die beste Versicherung gegen den Preisschock sind E-Autos, doch Bundeskanzler Merz will den Umstieg verlangsamen. Gleichzeitig sorgt Wirtschaftsministerin Reiche dafür, dass günstige und heimische Energiequellen wie Wind und Sonne geschwächt werden.“

Die Analyse von T&E kommt zudem zu dem Ergebnis, dass die EU im Jahr 2025 eine Milliarde Barrel Öl für Autos importierte, was Kosten in Höhe von 67 Milliarden Euro verursachte. Die 8 Millionen E-Autos, die bereits auf Europas Straßen unterwegs sind, haben der EU im letzten Jahr weitere 46 Millionen Barrel Ölimporte im Wert von 2,9 Milliarden Euro eingespart.

Im Dezember schlug die EU-Kommission als Teil des Autopakets vor, die Flottengrenzwerte für Pkw zu schwächen und Elektrifizierungsziele für große Unternehmensflotten festzulegen. Die Autoindustrie und einige EU-Politiker, darunter Friedrich Merz, wollen, dass die Flottengrenzwerte noch weiter abgeschwächt werden, und lehnen die Ziele für Unternehmensflotten ab. Eine solche Abschwächung würde den Umstieg auf E-Autos in Europa verzögern und die Abhängigkeit vom Öl verlängern. Ein ambitionierteres Autopaket würde dagegen den Markthochlauf von E-Autos fördern und die Ölimporte zwischen 2026 und 2035 um 45 Milliarden Euro senken, so das Ergebnis der Analyse.

„Wer die Elektrifizierung bremst, zementiert Europas fatale Abhängigkeit von importiertem Öl und lässt Bürger den Preis dafür zahlen“

Heute beraten die EU-Umweltminister:innen über den Vorschlag der Kommission, die Flottengrenzwerte für Pkw für 2030 und 2035 abzuschwächen. T&E fordert die Minister:innen auf, sich für die Bürger:innen einzusetzen, die mit steigenden Kraftstoffkosten konfrontiert sind, indem sie den Druck auf die Autohersteller aufrechterhalten, mehr E-Autos anzubieten. Ein aktueller Bericht von T&E ergab, dass der Durchschnittspreis für ein E-Auto in der EU zum ersten Mal seit 2020 gesunken ist. Das ist auf die Markteinführung erschwinglicherer E-Modelle zurückzuführen, mit denen die Hersteller ihre Flottengrenzwerte erfüllen wollen.

T&E erklärt zudem, dass mehr Ambitionen bei der Elektrifizierung von Fahrzeugflotten großer Unternehmen nötig seien. Die derzeitigen Zielvorgaben entsprächen lediglich den Markttrends und würden nicht dazu führen, dass Unternehmen ihre Flotten schneller elektrifizieren. Besonders der Gebrauchtwagenmarkt würde profitieren und Käufer:innen einen schnelleren Umstieg auf sparsame und günstige E-Autos ermöglichen. Durch eine Verschärfung der vorgeschlagenen Flottenziele könnten im Jahr 2035 zusätzlich 3,6 Millionen gebrauchte E-Autos auf den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.

„Die Bundesregierung muss endlich erkennen, dass unsere strategische Souveränität nicht an der Zapfsäule verteidigt wird. Wer jetzt noch die Elektrifizierung bremst, zementiert Europas fatale Abhängigkeit von importiertem Öl und lässt Bürger und Bürgerinnen den Preis dafür zahlen“, kommentiert Sebastian Bock. „Wenn Kanzler Merz sich dem Druck der Autolobby beugt und eine Schwächung der Flottengrenzwerte zulässt, macht das Autofahren für Millionen Deutsche langfristig teurer, um die kurzfristigen Profite der Konzerne zu schützen.“

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 17.03.2026

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Ladeinfrastruktur: Was Europa von China lernen kann

Ladeinfrastruktur: Was Europa von China lernen kann

Sebastian Henßler  —  

In China kostet ein E-Auto-Kennzeichen nichts, Verbrenner-Kennzeichen dagegen Tausende Euro. Was das mit Ladeinfrastruktur zu tun hat, erklärt Haseeb Hassan.

Dynamische Stromtarife lohnen vor allem mit E-Auto

Dynamische Stromtarife lohnen vor allem mit E-Auto

Arun Niemann  —  

Ohne große flexible Verbraucher ist ein Festpreistarif laut neuer Verivox-Auswertung oft günstiger. Doch beim Laden des E-Autos an der Wallbox ändert sich das.

GEIG-Novelle beschlossen: Neue Ladepflichten für Gebäude ab 2027

GEIG-Novelle beschlossen: Neue Ladepflichten für Gebäude ab 2027

Daniel Krenzer  —  

Bundestag und Bundesrat haben die GEIG-Novelle beschlossen. Ab 2027 gelten strengere Vorgaben für Ladepunkte und Ladeinfrastruktur an Gebäuden.

VDA warnt vor Pflicht zu bidirektionalem Laden

VDA warnt vor Pflicht zu bidirektionalem Laden

Sebastian Henßler  —  

Im Europaparlament ist die geplante V2G-Pflicht für neue Elektroautos umstritten, während Umweltverbände auf ein deutlich schnelleres Marktwachstum hoffen.

Seamless Charging: Laden ohne App oder Karte

Seamless Charging: Laden ohne App oder Karte

Sebastian Henßler  —  

Ab Herbst soll Seamless Charging an allen InCharge-Ladestationen verfügbar sein, aktuell läuft der Dienst an Pilotstandorten.

Alpitronic-Chef: „Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“

Alpitronic-Chef: „Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“

Sebastian Henßler  —  

Alpitronic-Chef Philipp Senoner über Cybersecurity, chinesische Konkurrenz und warum regulatorische Unsicherheit das größte Problem im Lademarkt bleibt.

In diesen 7 Bundesländern werden Ladepunkte stark genutzt

In diesen 7 Bundesländern werden Ladepunkte stark genutzt

Daniel Krenzer  —  

Wo werden Deutschlands Ladestationen am stärksten genutzt? Eine Auswertung von ChargePointRadar zeigt: Vor allem die Stadtstaaten liegen vorne.