Der Dolphin Surf von BYD ist in Deutschland längst kein Geheimtipp mehr. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 hat er das elektrische A-Segment hierzulande angeführt: mit über 2000 Neuzulassungen im Januar und Februar, allein im Februar mehr als 1200. Für einen Kleinstwagen sind das bemerkenswerte Zahlen, und sie erklären, warum ich mir das Auto genauer anschauen wollte. Also habe ich die Boost-Variante in Lime Green geschnappt und bin damit durch die Heidelberger Region gefahren: durch die Stadt, über die Landstraße, ein Stück Autobahn. Rund um die Neckarstadt zeigt sich schnell, wofür dieses Auto gemacht ist – und wo es an seine Grenzen stößt.
Schon beim ersten Blick stellt sich eine gewisse Unausweichlichkeit ein: In Lime Green, dem neongelb-grünen Standardton, ist der Dolphin Surf alles andere als unauffällig. Das ist Absicht. BYD hat diese Farbe als Serienfarbe für alle drei Ausstattungsvarianten gewählt, und man muss zugeben: sie passt zum Charakter des Autos. Die Karosserie ist kompakt, knapp vier Meter lang, mit kurzen Überhängen und einem langen Radstand von 2500 mm, der dem Fahrzeug eine Präsenz gibt, die man bei dieser Grundfläche nicht erwartet. Die Scheinwerfer mit ihren sechs abgewinkelten Lichtbändern verleihen der Front etwas Kantiges, fast Aggressives. Das dunkle Element in der C-Säule erzeugt optisch ein schwebendes Dach. Das ist kein Mainstream-Design, und das ist durchaus als Kompliment gemeint.
BYD Dolphin Surf: Im Inneren mehr als erwartet
Der Innenraum überrascht. Nicht weil er luxuriös wäre – das ist er nicht –, sondern weil er für die Fahrzeugklasse ernsthaft durchdacht wirkt. Die Sitze sind mit glattem Kunstleder bezogen, gut gepolstert und überraschend bequem. Mit meinen 1,84 Metern musste ich den Fahrersitz zwar auf die letzte Raste schieben, aber der elektrisch verstellbare Sitz der Boost-Variante macht das unkompliziert. Was positiv auffällt: BYD hat hier nicht manuell geknausert, wo man es erwarten würde. Was tatsächlich fehlt, sind Sitzheizung und induktives Laden, beides gibt es erst in der Comfort-Version.




Erwähnenswert ist das Platzangebot in der zweiten Reihe. Sind die Vordersitze auf Personen mit 1,84 Metern eingestellt, finden hinten selbst Mitfahrer:innen mit bis zu 1,90 Metern noch bequem Platz. Das schafft so mancher Kompaktwagen nicht. Der flache Boden der e-Platform 3.0 kommt hier zugute. Im Kofferraum stehen 308 Liter zur Verfügung, bei umgeklappter Rückbank bis zu 1037 Liter – für ein Auto dieser Größe solide Werte. Das Hartplastik ist in der Kabine allgegenwärtig, aber zumindest an den Armauflagen unterschäumt und damit weniger störend als befürchtet.



Der drehbare 10,1-Zoll-Touchscreen in der Mitte ist das optische Zentrum des Armaturenbretts. Er lässt sich per Lenkradtaste zwischen horizontaler und vertikaler Ausrichtung wechseln, wobei die vertikale Ausrichtung die deutlich sinnvollere ist, weil sie mehr Bildfläche auf einmal zeigt und die einzige ist, die Android Auto und Apple CarPlay unterstützt. Kabellose Smartphone-Anbindung funktioniert, die Navigation läuft über das eingebaute System, das mit Livedaten aber auf eine Internetverbindung angewiesen ist. Ohne diese ist die Sprachausgabe recht abgehackt: Man hört deutlich, dass die Sätze aus einzelnen Wörtern zusammengesetzt werden. Das kennt man vom BYD Seal – und es nervt dort genauso. Wer das umgehen will, greift besser zu Android Auto oder Apple CarPlay.



Federung und Lenkung: zwei verschiedene Geschichten
Auf der Straße zeigt der Dolphin Surf ein gemischtes Bild. Die Federung ist für einen Kleinwagen ordentlich: Die weiche Abstimmung in Kombination mit den 16-Zoll-Rädern dämpft die meisten Unebenheiten gut ab, Schlaglöcher werden abgemildert. Im Stadtverkehr allerdings reagiert die Hinterachse bei tieferen Unebenheiten bockig, etwa bei abgesenkten Kanaldeckeln. Auch auf welligem Autobahnbelag macht sich gelegentlich Unruhe bemerkbar. Luxuriös ist die Federung nicht, aber für die Klasse angemessen.

Anders verhält es sich mit der Lenkung, und das ist der Punkt, der im Alltag wirklich stört: Die Lenkung zentriert nicht sauber. Bei Geradeausfahrt muss man permanent kleine Korrekturen vornehmen, um die Spur zu halten. Das ist ermüdend, besonders auf längeren Autobahnabschnitten, und kein Kleinstwagen-typisches Phänomen, sondern eines des Dolphin Surf. Bei höheren Geschwindigkeiten liegt der Stromer ansonsten überraschend ruhig auf der Straße, die Lenkung spricht präzise an. Windgeräusche treten ab etwa 100 km/h auf, bleiben bis 120 km/h aber im Rahmen, erst danach wird es spürbar lauter.


Die Rekuperation lässt sich in zwei Stufen im Untermenü einstellen, nicht über Paddles oder einen direkt zugänglichen Schalter. Selbst in der stärksten Stufe bremst der Dolphin Surf nur bis auf etwa 5 km/h herunter, ein echtes One-Pedal-Driving gibt es nicht. Das ist funktional, erfordert aber für alle, die das aus anderen E-Autos kennen, eine Umgewöhnung.
Verbrauch, Reichweite und Laden des BYD Dolphin Surf
Auf meinen Runden rund um Heidelberg – ein Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn – habe ich einen Verbrauch von 16,7 kWh pro 100 km gemessen. Der Langzeitspeicher im Bordcomputer zeigte 16,3 kWh, was für ein noch aussagekräftigeres Bild sorgt – bei über 8800 gefahrenen Kilometer wohlgemerkt. Die Boost-Variante kommt laut WLTP auf 322 km kombiniert. Unter Alltagsbedingungen mit diesem Fahrprofil ist ein Wert unter 300 km realistisch, im reinen Stadtverkehr dagegen deutlich besser.

Vorwiegend habe ich zu Hause an der 11-kW-Wallbox geladen. Unterwegs beim Einkaufen habe ich den Dolphin Surf eingestöpselt: Er hat dabei von 17 auf 73 Prozent in 34 Minuten geladen, 26,3 kWh aufgenommen und im Schnitt mit 46 kW gezogen. Die maximale DC-Ladeleistung liegt laut Datenblatt bei 85 kW. Die wurde in diesem Ladevorgang nicht erreicht, was je nach Lader und Batterietemperatur variiert. Der Ladeport sitzt vorne rechts auf der Beifahrerseite, was im Alltag beim Einparken durchaus praktisch ist.



Die Ausstattungsliste bei den Fahrerassistenzsystemen ist lang: Spurhalteassistent, adaptiver Tempomat, automatische Notbremsung, Verkehrszeichenerkennung – alles serienmäßig. In der Praxis fällt allerdings auf, dass der Spur- und Lenkassistent unharmonisch agiert, teils sehr voreilig eingreift und sich nur mit merklichem Kraftaufwand übersteuern lässt. Wer Geradeausfahren ohne ständige Assistenzdramaturgie bevorzugt, wird das schnell abstellen wollen.
Hinzu kommt: Radarsensoren im Heck – die Grundlage für Systeme wie Spurwechselwarner, Querverkehrserkennung oder Ausstiegswarnung – sind im Dolphin Surf nicht erhältlich. Das ist eine technische Lücke, die bei der Konkurrenz in dieser Klasse zunehmend zum Standard wird. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeitswarnung lässt sich trotz der konfigurierbaren Schnellwahltasten am Display nur umständlich deaktivieren – ein kleiner, aber im Alltag spürbarer Komfortverlust.
Aktueller Preis des BYD Dolphin Surf und ein Fazit
Den Dolphin Surf Boost in Lime Green gibt es laut Konfigurator für 26.690 Euro. Wer bar kauft, zahlt aktuell dank einer BYD-eigenen Rabattaktion 15.540 Euro – ein Preis, der zunächst bis Ende März galt und inzwischen bis Ende Juni verlängert wurde. Die Einstiegsvariante Active startet regulär bei 22.990 Euro, ist aktuell aber für 12.990 Euro zu haben. Die Comfort-Version liegt im Konfigurator bei 30.990 Euro, derzeit für 17.390 Euro. Für E-Autos mit 43,2-kWh-Akku und dieser Ausstattungsdichte sind das Preise, die man im Kleinwagensegment so nicht oft sieht.

Für wen ist das Auto geeignet? Primär für Menschen, die im urbanen Raum unterwegs sind oder ein möglichst kleines E-Auto mit echtem Alltagsnutzen suchen, ohne dafür tief in die Tasche zu greifen. Der Dolphin Surf bringt mehr Platz mit als seine Außenmaße vermuten lassen, die Ausstattung ist solide, und der Verbrauch im Stadtverkehr gut. Auf der Autobahn merkt man, dass man in einem Kleinwagen sitzt: Das Lenkverhalten über längere Strecken, die Geräuschkulisse jenseits von 120 km/h und die fehlende Sitzheizung in der Boost-Variante sind Punkte, die man kennen sollte. Wer damit Dolphin Surf leben kann, bekommt für diesen Preis ein überzeugendes Paket.
Disclaimer: Der BYD Dolphin Surf wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für den Zeitraum von zwei Wochen von BYD zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.








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