Braucht Deutschland eine Million Ladepunkte bis 2030?

Braucht Deutschland eine Million Ladepunkte bis 2030?

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15 Millionen Elektroautos, so der Plan der Bundesregierung, sollen im Jahr 2030 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Damit den E-Autos auch ausreichend Lademöglichkeiten zur Verfügung stehen, sollen eine Million öffentliche Ladepunkte aufgebaut werden. In letzter Zeit allerdings häufen sich Stimmen, die diese Zahl als zu hoch angesetzt einschätzen.

Laden zu Hause und am Arbeitsplatz werden die Hauptpunkte sein. Alle öffentlichen Ladepunkte dürften überwiegend nur mit Schnellladetechnik funktionieren. Und da benötigt man einfach weniger“, sagt etwa Till Gnann, Koordinator des Themas Elektromobilität am Fraunhofer-Institut, der Tagesschau zufolge. „Eine Million: Das ist eher eine plakative Zahl. Die dahinter stehenden Rechnungen sind aus meiner Sicht kritisch zu bewerten“, so der Forscher. Die eine Million öffentliche Ladepunkte für 15 Millionen E-Autosbrauchen wir nach heutigem Kenntnisstand nicht“, sagt er.

Zudem sei unklar, ob eine derart hohe Zahl an Ladesäulen überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann. Schon jetzt gebe es Anbieter, die sagen, dass viele Ladepunkte kaum ausgelastet seien und sich nicht rechnen. „Es nutzt nichts, wenn wir überall Ladesäulen hinstellen – und dann nutzt sie keiner. Das Geld wäre besser ausgegeben, um die Ladestationen zu Hause oder bei der Arbeit zu unterstützen“, findet Gnann. Aktuell ist es so, dass etwa 85 Prozent aller Ladevorgänge an Eigenheimen und Arbeitsplätzen stattfinden.

Eine Studie der Unternehmensberatung PwC hat ergeben, dass im privaten Bereich im Jahr 2030 gut 5,6 Millionen Ladepunkte benötigt werden. Öffentlich seien hingegen nur gut 500.000 notwendig – die Hälfte dessen, was die Regierung anpeilt.

Auch Jan Strobel vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hält die Diskussion um eine Million Ladepunkte für falsch. „Sie lenkt von den wirklich wichtigen Themen ab“, sagt er. Außerdem verfestige sich „ein völlig falsches Bild, wenn ständig über einen angeblichen Ladesäulenmangel gesprochen wird“. Strobel ist der Meinung, dass das Ladesäulennetz bereits jetzt gut funktioniere und der Ausbau mit dem Zuwachs an E-Autos Schritt halten könne.

Entscheidender als die Anzahl an Ladepunkten sei deren Leistungsfähigkeit, so Strobel. An Ladesäulen mit mehreren Hundert kW Leistung – und dorthin wird die Reise führen – können E-Autos innerhalb von nur zehn Minuten Strom für mehrere Hundert Kilometer nachladen. Dementsprechend würden auch weniger einzelne Ladepunkte gebraucht, da das Laden an solchen High Power Chargern kaum länger dauert als der Tank- samt Bezahlvorgang mit einem Verbrenner.

„Die Sichtbarkeit ist zentral für die Akzeptanz“

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) allerdings sieht das anders. Man müsse das Bild, das in den Köpfen der Menschen vorherrsche, verändern, damit auch mehr Leute dazu bereit sind, sich ein Elektroauto anzuschaffen. „Die Sichtbarkeit und die Sicherheit, laden zu können, sind zentral für das Verbrauchervertrauen und damit die Akzeptanz. Dafür brauchen wir die eine Million Ladepunkte“, sagt Andreas Rade vom VDA. Komplizierte Modellrechnungen und Verhältnisgleichungen seien in dieser Hinsicht nicht zielführend.

Bis zur Million allerdings ist der Weg noch weit: Aktuell sind in Deutschland erst gut 61.000 öffentliche Ladesäulen installiert. Und der Ausbau gehe viel zu schleppend voran, mahnt Rade: „Wird das aktuelle Ausbautempo nicht gesteigert, gibt es in Deutschland im Jahr 2030 gerade einmal rund 210.000 Ladepunkte“, sagt er – und damit knapp 800.000 zu wenig.

Quelle: Tagesschau – Sind eine Million Ladesäulen nötig?

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Eine eigene Ladestation für Jedermann. Das sollte ins Grundgesetz geschrieben werden. Vielleicht würde diese absurde Diskussion dann aufhören.

61.000 Ladesäulen … bald 1 Million … oder doch „nur“ 210.000 – aber: Was sagen uns diese Zahlen? Was ist viel? Mal zum Vergleich, wir haben in Deutschland nur knapp 15.000 (!) Tankstellen. Gehen wir mal sehr großzügig davon aus, jede Tankstelle hätte 10 Säulen, dann wären das gerade 150.000. Offenbar reicht das gut aus.
Die Frage ist doch, wie schnell wir in acht Jahren laden – und da wird sich was tun. Es ist ein Unterschied, ob ich sechs oder sieben Minuten warte, bis das Auto vor mir fertig ist, oder ob es 30, 40 Minuten sind. Die Ladedauer ist das Entscheidende, eigentlich noch wichtiger als die Reichweite. Und wenn es einigermaßen fix geht, sicher wichtiger als die Zahl der Säulen.

2020 gab es in Deutschland insgesamt 14.089 Straßentankstellen und 358 Autobahntankstellen.

(Quelle: de.statista.com)

Wenn bei Tankstellen für Benzin und Diesel 14.447 für alle Pkw, Lkw und Motorräder reichen, dann dürften 100.000 vergleichbare Ladestationen völlig ausreichen, wenn man davon ausgeht, dass ein Pkw in 5 Minuten (inkl. Bezahlung) getankt und ein BEV in Zukunft in gut 34,6 Minuten geladen ist.

Man kann sich 90% der geplanten 1.000.000 Ladestationen bis 2030 sparen und hätte noch genug Reserven für all die künftigen E-Fahrzeuge und rentabler für die Betreiber der Ladestationen wäre es auch.

Es reichen also max. 100.000 Ladestationen auch noch 2050, da viele Leute ihre E-Autos zuhause oder am Arbeitsplatz mit einfachen Wallboxen laden können, was bei Benzin und Diesel nicht so einfach geht.

Schnellladetechnik für den städtischen Raum sollte eher eine untergeordnete Rolle spielen. Was wir brauchen sind Schnarchlader um auch für alle Mieter Übernachtlösungen anzubieten. Deutschland hat eben einen sehr großen Anteil von Mietern und auch sie sollten in die Lage versetzt werden die Entscheidung für ein E-Auto nicht von der Lademöglichkeit abhängig machen zu müssen.

Laden zu Hause und am Arbeitsplatz…“ Ich wohne zur Miete und meine Wohnung befindet sich in der 9. Etage. Zu Hause entfällt schon mal. Ich gehe nächstes Jahr in Pension, aber schon heute kann ich sagen, dass meine Kollegen auf Arbeit nicht laden werden können, da es nicht mal Mitarbeiterparkplätze gibt. Ja, ich bin auf öffentliche Ladeplätze angewiesen und ich bin mit Sicherheit kein Einzelfall. Ich fahre jetzt seit 4 Jahren elektrisch und der Zuwachs an eAutos ist an den Ladesäulen schon deutlich zu spüren.

„Aktuell ist es so, dass etwa 85 Prozent aller Ladevorgänge an Eigenheimen und Arbeitsplätzen stattfinden.“
Das kann man aber nicht einfach auf eine höhere BEV-Bestandsquote hochrechnen – schliesslich sind es eher die Eigenheimbesitzer mit eigener PV und Wallbox, die jetzt schon BEV fahren.
Bewohner von Wohnanlagen sind dagegen voll auf öffentliche Ladepunkte angewiesen und daher derzeit eher noch zögerlich beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge!

Endlich jemand der es klar ausspricht. Statt immer mehr Schnellader ist es notwendig Ladepunkte für Menschen in Wohnsituationen zu schaffen die heute nicht zuhause laden können.

Es ist doch eine altbekannte Tatsache, dass ein PKW 80% oder mehr des Tages irgendwo geparkt ist. Hier muss die Möglichkeit geschaffen werden mit wenig Aufwand laden zu können.

Die goldenen Zeiten der Tankstellen sind nun mal vorbei. Das lässt sich nicht auf Elektroautos übertragen. Jeder der heute elektrisch unterwegs ist wird das bestätigen.

Man fährt nicht mehr irgendwo hin um zu „tanken“! Man lädt wenn das Fahrzeug ohnehin steht. Nur auf Langstrecken, also auf Autobahnen ist man auf Schnellader angewiesen.

Von daher glaube ich kaum, dass da eine Million Ladesäulen nötig sind. Diese Dinger kosten und müssen amortisiert werden. Das ist kaum möglich wenn nur ein paar wenige Fahrzeuge da auch tatsächlich laden.

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