Citroën ë-Berlingo: Der Strom-Kasten – Unsere Eindrücke

Copyright Abbildung(en): Wolfgang Plank

Er ist der Freund all derer, die ordentlich was zu packen haben – und denen ein Kombi zu knapp ist und ein Kleinbus zu kolossal. Seit 1996 schon gibt es den Citroën Berlingo – in mittlerweile dritter Generation und mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren. Nun kommt der Hochraum-Nützling auch in einer rein elektrischen Variante. Und: Der Strom-Kasten schwingt sich sogar zum Familien-Kraftprotz auf.

Baugleich mit den übrigen Stromern von Stellantis verbirgt sich tief im Boden ein Akku, der für 285 Kilometer (WLTP) reicht. Und wenn man dem Reiz der Akzeleration nicht allzu oft erliegt, möglichst innerstädtisch fährt und an Heizung wie Klimatisierung spart, reichen seine 50 kWh im Alltag ziemlich nahe an den Laborwert heran. Klar schafft der ë-Berlingo auch Tempo 135, aber Dynamik kostet Distanz – alte Batterie-Fahrer-Weisheit. Um die 200 Kilometer indes sind bei kommodem Tempo möglich.

Wer’s nicht so sehr im Fuß hat, kann die Dinge auch in die Hand nehmen: Bei Schalter auf „Eco“ gibt die Elektronik ausreichende 60 kW frei, bei „Normal“ ordentliche 80 und in Stellung „Sport“ die volle Ladung von 100. Beim Ampelstart ist man da trotz 1,9 Tonnen ordentlich dabei – und 11,7 Sekunden bis zur dreistelligen Tacho-Anzeige schaffen auch vergleichbare Verbrenner nicht reihenweise.

Vorbildlicher ist selbstverständlich das Gegenteil: Wo immer möglich Fuß vom Pedal und per Rekuperation Strom gewinnen. Der Grad lässt sich in zwei Stufen wählen, wobei „B“ ordentlich Vortrieb saugt, aber noch ohne Bremslicht auskommt. Doch selbst mit defensivster Fahrweise geht dem ë-Berlingo irgendwann der Saft aus. Immerhin: 30 Minuten am Gleichstrom-Lader drücken 80 Prozent in den Akku, an einer Wallbox zapft man gute fünf Stunden, an der heimischen Steckdose dreimal so lange. Ein dreiphasiger On-Board-Charger mit 11 kW ist serienmäßig.

An Mut in Sachen Design hat es im Zeichen des Doppelwinkels selten gemangelt. Und ab und an war der Grat zwischen Genialität und Geschmacksdehnung ein schmaler. Der ë-Berlingo indes bietet trotz jeder Menge Funktionalität schick umbauten Raum ohne überflüssige Extravaganz. Im Interieur dominieren zwar diverse Arten von Hartplastik – bei kleckernden Kindern indes hat das auch seine Vorteile.

Davon mal abgesehen geht es überaus komfortabel. Man thront wie Gott in Frankreich vor schön aufgeräumter Armaturentafel, kann sich auf Wunsch Rücken und Hände wärmen und via Head-up-Display leiten lassen. Vorbei die Zeiten, in denen Optik auch mal vor Funktion ging. Eine Zeiger-Variante für den Tacho indes hätten sie durchaus ins digitale Cockpit programmieren dürfen.

Überall ist zu spüren, dass da nicht wie bei früheren Baureihen ein Transporter steht, in dem man auch sitzen kann – sondern ein Pkw, der höchst komfortabel Last und Leute aufnimmt. Vor allem aber haben sie bei Citroën Familien im Blick. Und weil da die Ansprüche unterschiedlicher kaum sein können, ist das Platz-Konzert entsprechend vielstimmig.

Je nach Bedarf kommt der ë-Berlingo mit 4,40 oder 4,75 Meter Länge. Drei Isofix-Sitze fasst die Rückbank, ein vierter kann vorne montiert werden, und auf Wunsch finden auch in der Kurzversion sieben Personen Platz – wobei ganz hinten Kinder klar im Vorteil sind. Pfiffige Details: Entscheidet man sich für den flachlegbaren Beifahrersitz, lässt sich am Rand Sperriges bis 2,70 Meter (Langversion: 3,05 Meter) verstauen. Und das Glas der Heckklappe kann man extra öffnen.

Hinter der üblichen Bestuhlung packt Citroëns Raum-Gleiter 775 Liter weg (lang: 1050), umgeklappt sind’s 2,1 Kubikmeter (lang: 2,7). Und: Es gibt mehr als zwei Dutzend Möglichkeiten zum Verstauen. Die einfallsreichste: eine mittig unter dem Dach längs laufende Ablage. Trotzdem – oder gerade deshalb – sollte man sich gut merken, was man wo deponiert hat…

Schon im Basis-Modell hält der ë-Berlingo die Spur, erkennt Fußgänger und bremst bei Gefahr. Darüber hinaus ist – je nach Ausstattung – allerlei Annehmliches im Angebot wie etwa Rückfahrkamera, Abstandstempomat, Parkassistent sowie seitliche Sensoren, die warnen, bevor man sich hässliche Dellen in die Flanke fährt.

Ganz traditionell bleibt Citroën beim eher sänftigen Fahrwerk. Was kein Schaden ist, weil es straffe Konkurrenten – selbst unter dem Stellantis-Dach – zuhauf gibt. Aber auch wenn ein Hochraum-Kombi ausdrücklich nicht für die heiße Hatz zwischendurch gedacht ist – die Lenkung dürfte ruhig stärker das Gefühl vermitteln, dass Volant und Vorderräder miteinander zu tun haben. Und zu heftig sollte man das E-Mobil nicht in die Kurve treiben – knapp zwei Tonnen streben durchaus Richtung Tangente.

Die großen Schiebetüren öffnen sich bei 36.590 Euro. Für die XL-Version – aktuell nur in der zweithöchsten Ausstattung „Feel Pack“ – rufen die Franzosen 41.040 Euro auf. Abzüglich Förderung bleiben fürs Standardmodell aber nur noch 27.020 Euro. Das ist kaum teurer als ein vergleichbar ausgestatteter Diesel.

Wieder ein Argument weniger für den Verbrenner…

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Danke für den anschaulichen Artikel.
Scheint mir die erste elektrische Familienkutsche für das Normalbudget zu sein.

Welche Familie tut es sich an damit in den Urlaub zu fahren? Der kommt vollgeladen bei 120-130km/h doch keine 150km weit. Wenn der bei 130km/h zwischen Ladestopps mehr als 100km weit kommt, fresse ich einen Besen.
Ich frage mich ehrlich wer die Zielgruppe sein soll? Üblicherweise hat man
nämlich so ein Fahrzeug als Familien- und Reiseauto plus einen kleinen
Zweitwagen.
Für Handwerker mag diese Fahrzeugklasse für Kundentermine im Umfeld noch
Sinn machen, für Familien ist es Blech gewordene Manifestation aller Vorurteile
gegen die Elektromobilität. Es ist damit sicher kein Argument weniger für
Verbrenner, sondern das genaue Gegenteil. Es ist der Beweis, dass es in diesem
Segment noch keine technische Lösung zum annehmbaren Preis gibt.
Ich stelle mir gerade vor, wie ich den meiner Haushaltshilfe gebe, um mit
ihren Kinder Oma & Opa in Neapel zu besuchen. Vermutlich würde ich die arme
Frau nie wieder sehen…

Kluge eFahrer wissen, dass man mit 100km/h schneller am Ziel ist als mit 130km/h. Entschleunigung tut gut. Auch auch wenn auf Deutschen Raserbahnen der Verbrauch im Quadrat hochgeschaubt wird hält man sich in der Kommunikaton heuchlerisch an die Katalogwert. Wer von einem Verbauch von 6Litern auf 100km spricht, der meint dabei ja auch nie Tempo 130. Aber Bei der Verbrennerlobby nimmt man es da halt nicht so genau. Atomkraftwerke haben auch Jahrzehntelang den günstigsten Strom geliefert und die Kostenwahrheit zeigt das pure Gegenteil. Akkus und Ladezeitqualiät werden im Halbjahreszyklus verbessert. Was heute noch grenzwertig ist, ist schon bald Standard. Und das ist gut so. Und was vor 50 Jahren und teilweise noch heute Standard ist (Verbrenner) wird in 15 Jahren nicht mehr existieren. Und das ist sehr gut so.
Preis uns Leistung stimmt beim Berlingo.

Um 1900 war das batterieelektrische KFZ schon mal Standard, es ist verschwunden und wird es ohne disruptive Fortschritte bei der Akkutechnologie wieder tun, wenn in 10-15 Jahren E-Fuels um die 2,50€ kommen. Kommen Sie mir jetzt nicht mit Energieeffizienz von E-Fuels, noch mal zum Mitschreiben: Das interessiert den Endkunden nicht die Bohne! Der wäre sonst die letzten Jahre Polo gefahren statt BMW X5.

Mal ins Sondierungspapier geschaut:
… Außerhalb des bestehenden Systems der Flottengrenzwerte setzen wir uns dafür ein, dass nachweisbar nur mit E-Fuels betankbare Fahrzeuge neu zugelassen werden können…

Spoiler alert: Das können heute schon alle Neuwagen. Es soll sich also bei Verbrennungsmotoren gar nichts ändern und die Grünen haben schon zugestimmt. Vielleicht ist es an der Zeit aufzuwachen?

Der Berlingo ist ein Witz und kein besonders guter. 100km/h mögen unter E-Mobilisten ein Wert sein, um sich im Forum mit niedrigen kWh-Verbräuchen gegenseitig selbst zu beweihräuchern, mit einer akzeptablen Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn hat das aber nichts zu tun. Nicht mal im europäischen Ausland, abseits des „Hochgeschwindigkeits-Wahnsinn“ auf deutschen Autobahnen.

Wenn ich nicht mal 120-130km/h für eine Stunde halten kann, bevor ich wieder 30min an die Ladesäule muss, habe ich das Thema „Automobil“ verfehlt. Mein letztes SUV ein SX4 SCross hat bei Tempo 130km/h sogar deutlich unter 6 l/100km Diesel verbraucht, zugegeben die Aerodynamik war nicht ganz so mies (aber fast). Auch der Diesel Berlingo dürfte um die 6l/100km bei Tempo 130km/h schaffen. Davon abgesehen ist es egal, selbst bei 12l/100km würde eine nutzbare Reichweite herauskommen.

Einverstanden was das Reisen betrifft. Aber er taugt für alles was eine Familie braucht (Einkaufen, Eltern, Schwiegereltern, Ikea, Ausflug, Taxidienste für den FC) ausserhalb von längeren Reisen. Dafür nimmt man halt dann die Bahn.
Und 130 km/h muss man auch nicht zwingend fahren, wenn man mit 100 viel weiter kommt.

Ich frage mich ehrlich wer die Zielgruppe sein soll?

Ich habe gehört, es soll Eltern geben, die sich bewußt für Kinder entscheiden. Die versuchen dann auch, denen auch noch als Erwachsene ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Das wird zukünftig durch die drohende Klimakatastrophe immer schwieriger.

Manche nennen diese verrückte Gefühlswallung ‚Verantwortung’…

Übrigens: Wenn Sie ihre Haushaltshilfe angemessen bezahlen, müssen Sie ihr gar kein Auto leihen. Dann kann die sich selbst eins kaufen.

Grundsätzlich haben Sie aber Recht, dass dieses Fahrzeug nicht speziell für die Langstrecke entwickelt wurde, sondern für ein grosses Ladevolumen.

Wenn sachliche Argumente nicht mehr ziehen, muss eben die „Verantwortung“ herhalten.
 
Weil ich sehr bewusst Kinder gemacht habe, tue ich es ihnen nicht an auf 1000km statt 9h, mit dem BEV 12h+ im Auto zu verbringen.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, ich mute Ihnen so eine lange Autofahrt gar nicht zu: In der Regel lasse ich Frau und Kinder am nächsten Flughafen raus. Die fliegen dann in die Nähe des Ferienhauses, gehen dort shoppen, etwas essen, oder in den Zoo, und werden dann ein paar Stunden später von mir eingesammelt.
So könne die einen schönen Tag verbringen und ich muss nicht auf Bedürfnisse von 2 Kindern und meiner Frau Rücksicht nehmen. Da sind 1000km schon mal mit einem kurzen Tankstopp und einer Kaffeepause erledigt.
Zu ganzen „Klimakatastrophe“ Thematik: Tut mir leid, ich bin einfach nicht so verblendet zu glauben, dass der Individualverkehr in Deutschland da irgendwas dran ändert. Das Klima wird sich ändern, unweigerlich, wie es schon häufig passiert ist, es geht gerade nur etwas schneller als in der Vergangenheit. Jetzt nicht den Fehler machen, ich wäre so doof zu denken der Klimawandel sei nicht von Menschen gemacht, das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichket erwiesen. Aber man sollte sich besser drauf einstellen dass er kommt, statt Märchen von der Rettung der Welt zu erzählen…
Wenn die Menschheit ihr Dasein auf diesem Planteten nicht nur in ein paar mickrigen Jahrtausenden bemessen möchte, sind auf Dauer nicht mal Gebirge und Kontinente da, wo sie aus heutiger Sicht hingehören. Die Nordhalbkugel wird immer mal wieder von tropischen Regenwäldern, 100m dicken Eisschichten und allem dazwischen überzogen sein.
Wir halten uns für wichtig, aber unser Einfluss auf diesen Brocken im All ist begrenzt. Darüber hinaus tut es auch nichts zur Sache, ob sich die Menschheit nun in 300, 300.000 oder 5 Mrd. Jahren verabschiedet. Wir tun es ohnehin irgendwann, und wenn es so weit ist, kräht kein Hahn mehr nach uns.
 
Übrigens: Meine Haushaltshilfe wird mit 15€/h schon heute deutlich über dem zukünftigen Mindestlohn bezahlt. Ob sie sich von 2h sauber machen pro Woche deshalb ein Auto leisten kann, wage ich jetzt einfach mal zu bezweifeln…

Last edited 1 Monat zuvor by Dagobert

Es gibt Menschen die bereit sind umzudenken. Ich fahre bereits 2 Jahre elektrisch mit Familie, inkl Urlaubsfahrt und einem 28 kWh Akku. Mein Auto kommt auch nicht weiter als 100 km zwischen zwei ladestopps.

im Alltag, also 99% der Fahrten, ist der Waagen deutlich besser, und im Urlaub 1% der Fahrten, brauche ich 1 bis 2 Stunden länger zum Ziel als mit dem verbrenner.

Der Berlingo XL kostet 1.000€ weniger Listenpreis als ein Opel Combo-e in XL.

All die gleichartigen Stellantis-eDerivate werden genauso wie eKango, Nissan Townstar und Mercedes EQT (2022) mit ihren Minireichweiten von 285 km im Markt scheitern auch wenn sie im regionalen Umfeld ihren Zweck bestens erfüllen. Schließlich will die weniger betuchte Familie auch mal weiter entfernt wohnende Freunde halbwegs stressfrei besuchen bzw. in Urlaub fahren. Der VW ID.Buzz wird ab dem nächsten Jahr all diesen Totgeburten im Markt davonfahren…

Ich vermute mal, der VW ID.Buzz wird etwa zweimal so viel Kosten wie der e-Berlingo.
Das ist ein Unterschied.

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