Kennenlernen des Mercedes-Benz eVito Tourer in Stuttgart

Copyright Abbildung(en): Mercedes-Benz

In Waiblingen bei Stuttgart konnte ich Mitte Juli 2020 dem dortigen Mercedes-Benz Stützpunkt einen Besuch abstatten. Um genau zu sein der Heimat der Presse-Testwagen von Mercedes. Auf dem Programm stand ein erstes Kennenlernen des Vito Tourer und eVito Tourer. Wobei an sich nur die rein elektrische Variante des Vito Tourer von Interesse war und daher auch Probe gefahren wurde. Meine Eindrücke, erste Erfahrungen und Erkenntnisse gibt’s nachfolgend.

Vorab sei gesagt, dass auf eigens erstelltes Foto-Material leider verzichtet werden musste. Was weniger an den strengen Vorgaben und Richtlinien von Mercedes-Benz lag, als am Stuttgarter Regenwetter. Den eVito konnten wir also nicht, wie von anderen Events und Testfahrten gewohnt, ablichten. Können aber zumindest auf die Pressefotos des Automobilherstellers zurückgreifen, um dir auch visuell den Stromer näher zu bringen.

Mercedes-Benz eVito Tourer: Spezialist für Handwerk, Handel und Service

Im Jahr 2020 erhält der Vito von Mercedes-Benz eine Modellpflege, welche den beliebten Spezialist für Handwerk, Handel und Service auf ein neues Level heben soll, wie wir bereits im März erfahren durfte. Für uns von besonderem Interesse ist hierbei der Mercedes-Benz eVito Tourer in der rein elektrischen Variante, welcher im Sommer 2020 auf die Straße kommen soll. An diesem Datum scheint sich auch trotz Corona-Pandemie nichts verändert zu haben, wie wir in Waiblingen erfahren konnten.

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Schließlich geht der Sommer auch bis zum 22. September 2020. Zeit genug, um die Fertigung im Werk Vitoria im spanischen Baskenland anzufahren. Dort, im ältesten Werk für Vans in Europa, wird der eVito Tourer auf der gleichen Produktionslinie wie sein Verbrenner-Pendant gefertigt. Ein Vorteil, welchen sich Mercedes-Benz zu Nutze machen will, um auf etwaige Nachfrageschwankungen flexibel reagieren zu können. Wie gut sich der eVito verkaufen wird, wird wohl auch über den Preis bestimmt. Preislich startet er in Deutschland Netto bei 53.990 EUR (exkl. 16% MwSt.). Enthalten ist ein Wartungspaket für vier Jahre – das in diesem Zeitraum die Kosten der Wartungsarbeiten gemäß Serviceheft und Herstellervorgaben abdeckt – sowie das Mercedes-Benz Batteriezertifikat bis 160.000 Kilometer oder acht Jahre.

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Wir können daher derzeit „nur“ einen Blick darauf werfen, wie sich der eVito Tourer im Alltag schlägt, ob die angegebenen technischen Daten mit der Realität vereinbar sind und welche kleinen Details besonders aufgefallen sind. Unterwegs war ich mit dem eVito Tourer gut 40 Kilometer rund um Waiblingen. Von Überland- bis Stadt-Fahrt war alles mit am Start. Kreisverkehre, enge Abbiegespuren und Straßen, welche ich eigentlich nie mit einem 5,37 Meter langem Fahrzeug fahren wollte waren Pflicht, um unter Beweis zu stellen, dass der selbst ernannte Spezialist für Handwerk, Handel und Service zu überzeugen weiß.

Mercedes-Benz eVito Tourer: Fakten-Check vor der Testfahrt

Bevor es allerdings mit dem eVito Tourer auf die Straße ging, sollten wir das äußerst flexible Fahrzeug zunächst vorgestellt bekommen. Dies übernahm Markus Reis, Produkt Manager eVito Tourer und eSprinter, der uns erste Tipps für den Umgang mit dem Stromer auf den Weg gab. Vorab sei gesagt, dass der Vito als einziges Modell seiner Klasse in drei Längen, mit zwei Radständen und drei Antriebssystemen angeboten wird. Somit hat der Kunde die Qual der Wahl und kann sich für das passendste Fahrzeug für seinen eigenen Fuhrpark entscheiden.

Highlights der Vito Modellpflege 2020

Das für uns ausschlaggebende Highlight steht direkt zu Beginn der Aufzählung und wird daher auch unsere volle Aufmerksamkeit erhalten. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass es den eVito in verschiedensten Ausführungen gibt:

  • Als Kastenwagen erfüllt er zuverlässig alle Anforderungen im Waren- und Gütertransport.
  • Der Mercedes-Benz Vito Tourer dagegen befördert überwiegend Personen und Güter – oft auch im Werksverkehr.
  • Der Vito Mixto schlägt die Brücke zwischen Kastenwagen und Tourer: Er eignet sich insbesondere für mobile Handwerker-Teams.

Des Weiteren können Kunden zwischen verschiedenen Ausstattungspaketen wählen. So gibt es den Vito Tourer mit den Lines BASE, PRO oder SELECT. Gefahren sind wir den eVito Tourer, welcher vor allem bei Taxi-Unternehmen und Shuttle-Services zum Einsatz kommen dürfte.

Technische Daten des Mercedes-Benz eVito Tourer

Da der eVito Tourer unsere besondere Aufmerksamkeit erhalten hat, haben wir nachfolgend die technischen Daten (Stand Juli 2020) für dich aufgeführt, um dir einen ersten, schnellen Überblick zu ermöglichen.

Technische Daten des Mercedes-Benz eVito Tourer 
CO2-Emission0 g/km
Stromverbrauch (kombiniert) nach NEFZ26,2 kWh/100 km
Reichweite (kombiniert)421 km
Ladezeit an Wallbox oder an öffentl. Ladestation (AC Laden, max. 11 kW)< 10 h (0 - 100 %)
DC Laden, max. 50 kW Serie
DC Laden, max. 110 kW (Option)
50 kW – ca. 80 min. (10 – 80 %)
110 kW – ca. 45 min (10 – 80 %)
AntriebVorderradantrieb
Leistung (Peak)150 kW (204 PS)
Leistung (Dauer)70 kW (95 PS)
Max. Drehmoment362 Nm
HochvoltbatterieLithium-Ionen
Batteriekapazität (nutzbar)90 kWh
Batteriekapazität (installiert)100 kWh
Längen5.140 mm, 5.370 mm
Max. Gepäckraumvolumenlang: 999 l, extralang: 1.390 l
Geschwindigkeitsbegrenzung140 km/h (Serie), 160 km/h (Option)
zGG3.500 Kilogramm

Unterwegs rund um Stuttgart mit dem eVito Tourer

Kommen wir nun Mal weg von den reinen Fakten, hin zu den subjektiven Eindrücken aus einer gut fünfzig Minütigen, 40 Kilometer langen Testfahrt rund um Stuttgart. Zuvor sei gesagt, dass ich mich persönlich in PKW besser aufgehoben fühle, die Größe eines eVito Tourer möchte man schließlich auch zunächst einmal bewegen können. Wobei dies Mercedes-Benz durchaus so angenehm wie möglich gestaltet. Der Stromer kann zwischen drei Fahrmodi wählen, welche über Taster in der Mittelkonsole ausgewählt werden können. Man hat hierbei die Wahl zwischen:

  • C – oder auch Comfort: Hier nimmt der Fahrer keine Abstriche hin und verfügt über komplette Leistung. Auch in puncto Klimaanlage und Verbraucher im Fahrzeuginnenraum.
  • E – oder auch Eco: Verbraucher und Leistung werden leicht ausgebremst. Aus persönlicher Erfahrung der gelungene Kompromiss für alltägliche Fahrten in der Stadt.
  • E+ – oder auch Eco+: Verbraucher und Leistung werden stärker ausgebremst. In Verbindung mit der höchsten Rekuperationsstufe (D–) kommt der eVito Tourer gefühlt nur schwer voran. Hier gilt es entweder das System die Rekuperationsleistung regeln zu lassen oder eine nicht zu starke Rekuperationsstufe über die Pedals am Lenkrad auszuwählen.

Durch die verschiedenen Fahrmodi, als auch vier frei wählbare Rekuperationsstufen, kann das Fahrzeug an die eigenen Ansprüche und Einsatzgegebenheiten angepasst werden. Des Weiteren ermöglicht die Rekuperationsstufe DAUTO (langes Halten eines der Pedals) eine besonders effiziente und komfortable Fahrweise. Frei nach der Maxime „vorausschauend fahren und Energie sparen“ werden Informationen der Sicherheitsassistenten vernetzt und die Stärke der Rekuperation situationsspezifisch und in Echtzeit angepasst. Hier gilt es herauszufinden, ob man selbst wählen oder das System entscheiden lassen möchte wie stark rekuperiert wird. Persönlich treffe ich diese Entscheidung je nach Situation selbst.

Mercedes-Benz

Verwirrend, gerade wenn man schon einige E-Autos gefahren ist, dürfte die Tatsache sein, dass mit dem „Minus-Pedal“ die Rekuperationsleistung (links vom Lenkrad) gesteigert wird, mit dem „Plus-Pedal“ diese minimiert wird (rechts vom Lenkrad). Rein von meiner Logik würde ich dies genau anders herum belegen. Schlussendlich ist dies aber nur Gewohnheitssache. Durch die stärkste Stufe der Rekuperation (D–) ist es zudem möglich das Fahrzeug im „One-Pedal-Modus“ zu fahren. Wobei es am Fahrer liegt die letzten sechs bis sieben km/h selbst abzubremsen.

"Der neue Mercedes-Benz eVito Tourer setzt Maßstäbe in seinem Segment hinsichtlich Alltagstauglichkeit. Dank Schnellladefunktion und einer Reichweite von 421 Kilometern ist er flexibel einsetzbar und bietet unseren Kunden eine hohe Nutzbarkeit. Mit ihm unterstreichen wir unsere Vorstellung für einen lokal emissionsfreien Van"

Aktiver Brems-Assistent, DISTRONIC und digitaler Innenspiegel erweitern das Angebot an Sicherheits-Assistenz-Systemen für den neuen Vito. Damit setzt der Vito die Tradition fort, in seinem Segment Sicherheitsstandards neu zu definieren. Zudem macht er es um einiges einfacher mit ihm im Alltag unterwegs zu sein. Insbesondere der digitale Innenspiegel, als auch die Rückfahrkamera machen das Navigieren erheblich leichter. Wie ich selbst erfahren durfte.

Rund zwanzig der vierzig Kilometer Testfahrt war ich im E+ unterwegs, was sich positiv auf den Verbrauch des eVito ausgewirkt hat. So konnte ich am Ende auf einen Energieverbrauch von 24,2 kWh/100km blicken. Nach WLTP gibt Mercedes-Benz 27,7 kWh/100 km beziehungsweise 26,2 kWh/100 km an. Die Reichweite wird mit 361 km nach WLTP sowie 421 km nach NEFZ angegeben. Dass ich so unter den Verbrauchswerten von Mercedes lag, lag daran, dass diese ab Werk auf den C-Fahrmodus erhoben wurden, nicht auf den von mir zum größten Teil verwendeten E+-Fahrmodus.

Sollte der Akku doch Mal dem Ende zugehen erscheint ab 50 km Restreichweite ein entsprechender Hinweis im Display, ab 10 km Restreichweite werden zudem die Verbraucher und Leistung des Fahrzeugs stark zurückgefahren. Der eVito Tourer setzt auf einen wassergekühlten AC On-Board Lader (OBL) mit einer Leistung von 11 kW. Damit ist er für das Wechselstromladen (AC) zu Hause oder an öffentlichen Ladestationen vorbereitet. Geladen wird über die CCS-Ladedose im Stoßfänger vorne links. Über diese wird auch das Laden mittels Gleichstrom (DC) möglich. Damit kann der eVito Tourer dank maximaler Ladeleistung von 110 kW an einer Schnellladestation in unter 45 Minuten von 10 auf 80 % aufgeladen werden.

Am Ende der Testfahrt konnte ich für mich festhalten, dass lautloses, lokal emissionsfreies Gleiten im Alltag mit einem Fahrzeug solch einer Größe noch befriedigender ist. Auch für etwaige Fahrgäste, welche im eVito Tourer von einer zur anderen Location geshuttelt werden oder einfach nur im Großraumtaxi durch die Gegend fahren. Auch für diese wird es einen Mehrwert mit sich bringen. Ob wir den Stromer allerdings in der breiten Masse sehen werden, wird sich zeigen…

Mercedes-Benz hat zu einem ersten Kennenlernen des eVito Tourer nach Stuttgart/ Waiblingen eingeladen und hierfür die Reisekosten übernommen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Das Auto wäre der Hammer, obwohl es wohl nicht in meiner Preisklasse sein wird.
Was mich aber stört ist die Mittelkonsole, mal abgesehen vom MinitureDisplay scheint seit dem W124 nicht viel gegangen zu sein bei Mercedes…wenigstens hat er keine Telefonwahltasten mehr.
Ansonsten, danke für den tollen Bericht und deine Arbeit!

was mich grundlegend mal interessieren würde sind die Angaben in den Datenblättern der Herrsteller…

hier wird geschrieben dass es ein 100kWh Batterie gäbe
bei 26,2kWh/ 100 Verbrauch….
wie kommt man da auf 421 km Reichweite….
nehmen wir an ein Drittklässler rechnet das nach wird er merken dass da was nicht stimmt.

und wenn jetzt jemand mit Ahnung nachrechnet und Ladeverluste etc. berücksichtigt wirds ganz kurios…

kann mir das mal jemand ernsthaft erklären wie die Angaben diese kuriosen Zahlen hervorbringen ?
Das betrifft ja eigentlich ziemlich alle Hersteller…

das schaut für mich schon wieder nach einem „(Dies) E (l) – skandal“ aus

Könnte mir das bitte einer leicht verständlich und logisch erklären, stehe da irgendwie auf dem Schlauch

Ich denke, dass liegt daran, dass die WLTP Norm wieder einmal einiges an „optimieren“ zulässt und von daher niedrigere Verbräuche möglich sind als es in der Praxis ermittelte zeigen. Eine in der Tat äusserst kuriose Tatsache die niemand so richtig nachvollziehen kann. Niemand ausser den Marketing Strategen. Die wollen halt möglichst optimale Zahlen in ihren Prospekten sehen und denken (zu Recht?) dass der Normale Kunde nicht nachrechnet und bloss die angegebenen Reichweiten vergleicht. Staatlich abgesegneten Schummeleien und Lobbyisten sei dank. Ich denke der Kunde selbst will mittlerweile getäuscht werden oder hat sich schlicht daran gewohnt (passt schon).

Langsam werden die Firmen ehrlich und geben Praxisverbräuche an. Der WLTP Verbrauch wird hier tiefer liegen als die angegebenen fast 30 KWh . Und somit die Reichweite etwas länger.

Sebastian, es sollte dringend eine serieuse Stellungnahme (Richtigstellung) der Anzeige vom ADAC über die Behauptung Bordanzeigen der E Autos würden nicht stimmen, gemacht werden. Grundsätzlich kann kein Infosystem im Auto die Ladeverluste messen. Mann soll nur glauben, was man selber sieht. Habe gerade beim 41 er Akku eines Zoes 2 % Ladeverluste über den ges.Ladebereich gemessen. Den Tacho im Auto kann jeder selber messen . Distanzvergleiche zum PC oder Distanz auf Strasse markiert. Man kann eine solche Strecke die der max. Reichweite entspricht abfahren bis das Auto steht und dann die Bordangaben vergleichen. Was bezeichnen den die alles als Abweichung und Verluste? Die Akkus nehmen alle am Schluss so ab 80% der Ladung weniger Strom auf. Dann kommt auch weniger vom Netz, und nicht das Ladegerät ist schuld! Man könnte höchstens Geldverluste beim Auswärtsladen wo es nach Zeit geht, erwähnen. Wenn wir den Reststrom der eigenen Fotovoltaikanlage ins Netz zurück speisen und fast nichts mehr bekommen für den Strom, geben wir dies auch nicht als Verluste an.

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