Wie US-Präsident Biden das Land mit 2.000 Milliarden Dollar modernisieren will

Wie US-Präsident Biden das Land mit 2.000 Milliarden Dollar modernisieren will
Copyright:

YASAMIN JAFARI TEHRANI / Shutterstock.com

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

US-Präsident Joe Biden will in den kommenden acht Jahren gut zwei Billionen US-Dollar (etwa 1,7 Billionen Euro) ausgeben, um die zum Teil sehr marode Infrastruktur des Landes zu erneuern, die Elektromobilität zu fördern und damit auch Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen. Konkret in Planung seien unter anderem die Modernisierung von mehr als 30.000 Kilometer Straßen, 10.000 Brücken, mehreren Flughäfen sowie Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und die Ladeinfrastruktur für Elektroautos.

In die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur sollen 621 Milliarden US-Dollar (526 Milliarden Euro) fließen, mehr als ein Fünftel davon in die Modernisierung von Autobahnen und anderen Straßen. Mit jeweils gut 100 Milliarden US-Dollar (85 Milliarden Euro) sollen das Stromnetz sowie Breitband-Internetverbindungen ausgebaut werden. Für die Förderung von Elektroautos und die Errichtung von gut 500.000 Ladestationen bis zum Jahr 2030 sind 174 Milliarden US-Dollar (148 Milliarden Euro) reserviert, gleichzeitig sollen Steuervergünstigungen für fossile Brennstoffe abgeschafft werden. Auch für Windkraft- und Solarenergie-Projekte sind Ausgaben in Milliardenhöhe vorgesehen. Zudem ist geplant, 50.000 ÖPNV-Dieselfahrzeuge durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen und mindestens 20 Prozent der nationalen Schulbusflotte zu elektrifizieren.

Diese Investitionen entsprechen gut zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA. „Es ist kein Plan, der Kleinigkeiten ändern soll“, betont Biden mit Blick auf die riesigen Summen, die im Spiel sind. Wer sich öfter in den USA aufhält, sieht an vielen Ecken, wie dringend vor allem Straßen und Brücken saniert werden müssen. „Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das reichste Land der Welt, aber wir belegen den 13. Platz, wenn es um die Qualität unserer Infrastruktur geht. Nach Jahrzehnten der Desinvestition bröckeln unsere Straßen, Brücken und Wassersysteme. Unser Stromnetz ist anfällig für katastrophale Ausfälle“, begründet das Weiße Haus die Dringlichkeit der Investitionen in einer aktuellen Mitteilung.

Um die gewaltigen Kosten auf lange Sicht auszugleichen, plant Biden Steuererhöhungen, die Unternehmenssteuer etwa soll von 21 Prozent auf 28 Prozent steigen, multinationale Unternehmen, die sich mit Steuertricks oft vor Abgaben drücken, sollen noch stärker besteuert werden. Den Versandgiganten Amazon nannte Biden sogar explizit als Ziel für höhere Abgaben.

Um das Investitionspaket verabschieden zu können, brauchen Bidens Demokraten im Senat allerdings die Stimmen von etwa zehn Republikanern, was als ungewiss gilt. Da aber Umfragen zufolge eine Mehrheit der Amerikaner das Investitionspaket positiv sieht, sieht Biden gute Voraussetzungen, um einige Republikaner umzustimmen. Sein Vorschlag sei „ehrlich und haushaltspolitisch verantwortungsbewusst“, bewirbt Biden sein Paket. Der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, erteilte Bidens Plan wenig überraschend umgehend eine Absage. „Diese neue demokratische Regierung bewegt sich in die falsche Richtung“, sagte er. Die geplanten Ausgaben empfindet er als zu hoch. McConnell kritisierte auch Bidens Vorhaben, die Steuern zu erhöhen.

Quelle: Tagesspiegel – So will Biden das Rennen mit China gewinnen und das Klima retten / Reuters – Biden proposal seeks billions of dollars to advance climate change agenda / The White House – Pressemitteilung vom 31.03.2021

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Rekordjahr für Elektroautos in Sicht, Kaufprämie setzt Impulse

Rekordjahr für Elektroautos in Sicht, Kaufprämie setzt Impulse

Michael Neißendorfer  —  

Das DIW legt eine detaillierte Auswertung der E-Auto-Förderung vor. Und richtet eine klare Botschaft an die Politik.

MiSpeL: Bundesnetzagentur baut Hürden für V2G wieder ab

MiSpeL: Bundesnetzagentur baut Hürden für V2G wieder ab

Daniel Krenzer  —  

Nach einiger Kritik überarbeitet die Bundesnetzagentur MiSpeL. Für bidirektionales Laden und Vehicle-to-Grid sollen wichtige Hürden fallen.

Nissan startet Forschungsprojekt zum autonomen Fahren

Nissan startet Forschungsprojekt zum autonomen Fahren

Maria Glaser  —  

Mit „ADventure“ will der japanische Hersteller in Großbritannien einen autonomen Mobilitätsdienst unter realen Bedingungen untersuchen.

Industrial Accelerator Act: Spanien schlägt Kompromiss vor

Industrial Accelerator Act: Spanien schlägt Kompromiss vor

Laura Horst  —  

In Hinblick auf die „Made in EU“-Kriterien stehen die Länder unter Druck, eine Einigung zu finden, welche Länder von Subventionen profitieren sollen.

Teslas FSD: EU-Abstimmung am 6. Oktober fällt offenbar aus

Teslas FSD: EU-Abstimmung am 6. Oktober fällt offenbar aus

Daniel Krenzer  —  

Teslas FSD Supervised dürfte in der EU – wenn überhaupt – später als erwartet freigegeben werden. Der Termin am 6. Oktober scheint zu platzen.

Nun fix: Umweltplakettenpflicht für E-Autos entfällt

Nun fix: Umweltplakettenpflicht für E-Autos entfällt

Daniel Krenzer  —  

Der Bundesrat schafft die Umweltplakettenpflicht für Fahrzeuge mit E-Kennzeichen ab. Ein Beschluss des Bundestags war dafür nicht nötig.

Europas Batteriekapazitäten reichen für EU-Vorgaben nicht

Europas Batteriekapazitäten reichen für EU-Vorgaben nicht

Daniel Krenzer  —  

Eine neue ACEA-Studie warnt: Europas Batteriefertigung dürfte die geplanten EU-Lokalisierungsvorgaben zunächst nicht erfüllen können.