Stellantis investiert knapp 370 Millionen Euro in US-Werke

Stellantis investiert knapp 370 Millionen Euro in US-Werke
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Der Autokonzern Stellantis hat Investitionen in die Multi-Energy-Strategie des Unternehmens von mehr als 406 Millionen US-Dollar (ca. 368 Mio. Euro) in drei Werke in Michigan (USA) bekanntgegeben. Außerdem hat das Unternehmen bestätigt, dass das Montagewerk Sterling Heights (SHAP) als erster Stellantis Standort in den USA ein vollelektrisches Fahrzeug bauen werde.

Der rein batterieelektrische Pick-up Ram 1500 REV, der Ende 2024 auf den Markt kommen soll, und der brandneue Ram 1500 Ramcharger 2025 werden demnach gemeinsam mit Modellen mit Verbrennungsmotor am Standort Sterling Heights gebaut. Weitere Investitionen fließen Stellantis zufolge in die Umrüstung des Truck Montagewerks Warren für die Produktion des elektrifizierten Jeep Wagoneer und in das Motorenwerk Dundee zur Herstellung von Batterieträgern und zur Strahlbearbeitung für die Batterien der STLA Frame und STLA Large Plattformen.

Das Montagewerk Sterling Heights hat in Rekordzeit einen unglaublichen Wandel vollzogen. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für diese großartige Leistung“, sagte Stellantis CEO Carlos Tavares. „Die Vorbereitung für die Fertigung unseres ersten elektrischen Trucks von Ram sowie der Variante mit Range Extender in Michigan ist ein bedeutsamer Moment voller Stolz für unsere Teams. Mit diesen Investitionen, die sowohl Jeep als auch Ram zugute kommen, erhält unser Produktionsstandort in Michigan Innovationen, die unsere Multi-Energy-Strategie unterstützen. Diese orientiert sich ganz klar an den Bedürfnissen der Kundinnnen und Kunden.“

Die Investitionen sollen zur Umsetzung des Strategieplans „Dare Forward 2030“ beitragen, gemäß dem Stellantis die Mobilität von morgen durch die Bereitstellung innovativer, sauberer, sicherer und erschwinglicher Lösungen gestalten will. Die Multi-Energy-Strategie umfasst Produkte, Plattformen, die Fertigung und die Lieferketten für Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebsarten und ermögliche es Stellantis, sich an eine Vielzahl von Szenarien für die Elektrifizierung anzupassen.

Das Montagewerk Sterling Heights (SHAP, Sterling Heights Assembly Plant)

Mit einer Investition von 235,5 Millionen US-Dollar wird SHAP den ersten batterieelektrischen leichten Pick-up von Stellantis bauen: den Ram 1500 REV 2025. Der Elektro-Pick-up wurde 2023 auf der New York Auto Show vorgestellt und kommt Ende 2024 auf den Markt. Das Werk wird außerdem den neuen 2025 Ram 1500 Ramcharger mit Range Extender bauen.

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Im Sinne der Fertigungsstrategie des SHAP, Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebsarten gleichzeitig zu produzieren, bauten die Teams in zwei geplanten Schließungswochen die Elektroauto-spezifischen Installationen auf. Stellantis arbeitete mit Ausrüstungszulieferern und Auftragnehmern zusammen, um die Installation eines neuen Fließbandsystems mit automatisierten Prozessen speziell für batterieelektrische Fahrzeuge sowie die Umrüstung und die Neuauslegung der Arbeitsstationen für allgemeine Montagearbeiten sorgfältig zu planen und umzusetzen. Dadurch können nun Verbrenner-, reine Elektro- und Range Extender Varianten auf derselben Montagelinie produziert werden.

Der Ram 1500 REV basiert auf der neuen STLA Frame-Architektur für große Elektrofahrzeuge, bei denen die Karosserie wie bei Pick-ups üblich auf einen Leiterrahmen aufgesetzt ist. Hierbei handle es sich um einen neuartigen Rahmen aus hochfestem Stahl, der dank moderner Werkstoffe leicht und trotzdem steif und langlebig sein soll.

Die STLA Frame Plattform ist in der Mitte breiter, um das Batteriepaket effizient unterzubringen und gleichzeitig den Schutz der Rahmenschienen zu nutzen. Mit einem optionalen 229-kWh-Batteriepaket soll der Ram 1500 REV eine Reichweite von bis zu 500 Meilen (etwa 800 Kilometern) aufweisen. Das serienmäßige 168-kWh-Batteriepaket biete eine Reichweite von bis zu 350 Meilen (560 Kilometern).

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Der 2025 Ram 1500 Ramcharger wiederum bietet 488 kW / 663 PS, 834 Newtonmeter Drehmoment, 4 Sekunden von 0-100 km/h, 6,3 Tonnen Anhängelast und benötigt dank des Range-Extender-Layouts kein öffentliches Ladegerät. Er verfügt über einen 92 kWh fassenden Akku, gepaart mit einem eingebauten 130 kW-Generator. Das bidirektionale Laden von Fahrzeug zu Fahrzeug und vom Fahrzeug zum Haus bietet dem Ram 1500 Ramcharger die Flexibilität, ein anderes batteriebetriebenes Elektrofahrzeug von Stellantis aufzuladen oder Strom ins Heimnetz einzuspeisen.

Das Montagewerk Warren (WTAP, Warren Truck Assembly Plant)

In das WTAP werden rund 97,6 Millionen US-Dollar für die Fertigung des künftigen elektrifizierten Jeep Wagoneer investiert, eines von vier elektrischen Jeep-Modellen, die weltweit noch vor Ende 2025 auf den Markt kommen sollen. Elektrische Modelle werden dort ebenfalls auf derselben Linie produziert wie Verbrennermodelle, konkret des Jeep Wagoneer und des Wagoneer L sowie des Jeep Grand Wagoneer und des Grand Wagoneer L.

Das Motorenwerk Dundee (DEP, Dundee Engine Plant)

Mit einer Investition von mehr als 73 Millionen US-Dollar wird DEP für die Montage, das Schweißen und Testen der Batterieträger für die STLA Frame-Architektur und die Fertigung des vorderen und hinteren Rahmens für die STLA Large-Architektur umgerüstet. Die Produktion beginnt 2024 bzw. 2026.

Stellantis will in diesem Jahrzehnt mehr als 50 Milliarden Euro in die Elektrifizierung investieren, um die Ziele seines Strategieplans zu verwirklichen: Bis 2030 sollen 100 Prozent der Pkw-Verkäufe in Europa und 50 Prozent der Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den Vereinigten Staaten rein elektrisch sein.

Um diese Absatzziele zu erfüllen, sichert sich das Unternehmen eine Batteriekapazität von rund 400 GWh, bereitgestellt von Batteriefabriken in Nordamerika und Europa. Stellantis ist laut eigener Aussage auf dem besten Weg, bis 2038 bei allen Scopes das Netto-Null-CO2-Emissionsziel zu erreichen. Die verbleibenden Emissionen im einstelligen Prozentbereich sollen kompensiert werden.

Quelle: Stellantis – Pressemitteilung vom 11.09.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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