Mit der Öffnung der Bestellbücher für den neuen vollelektrischen Jeep Compass 4xe erweitert Jeep sein Angebot elektrifizierter Modelle in Europa. Das neue Topmodell kombiniert erstmals den markentypischen Allradantrieb mit einem rein elektrischen Antrieb und soll damit vor allem Kunden ansprechen, die auch abseits befestigter Straßen unterwegs sind. Gleichzeitig zeigt der Compass aber auch die Herausforderungen, vor denen der gesamte Stellantis-Konzern bei seinen Elektroautos weiterhin steht.
Der neue Compass 4xe leistet 375 PS (276 kW) und bietet laut WLTP eine elektrische Reichweite von mehr als 600 Kilometern. Parallel ergänzt Jeep die Baureihe um eine neue Long-Range-Version mit Frontantrieb, die auf bis zu 674 Kilometer Reichweite kommen soll. Beide Varianten ergänzen die bereits erhältlichen Elektro- und Hybridversionen des neuen Compass. Der Einstieg in die elektrische Modellpalette beginnt weiterhin bei der 213 PS starken Frontantriebsversion mit rund 500 Kilometern WLTP-Reichweite. Beim Laden unterstützt der Compass DC-Schnellladen mit bis zu 160 kW. Unter optimalen Bedingungen soll sich die Batterie dadurch in knapp 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden lassen. Die Preise für den neuen Compass 4xe starten in Deutschland bei 54.900 Euro.
Bereits die Serienausstattung fällt vergleichsweise umfangreich aus. Zum Ausstattungsumfang gehören unter anderem Matrix-LED-Scheinwerfer, ein digitales Kombiinstrument, ein zentraler 16-Zoll-Touchscreen mit aktueller Infotainment-Generation, kabellose Smartphone-Integration sowie zahlreiche Fahrerassistenzsysteme. Je nach Ausstattungslinie kommen unter anderem Sitzheizung, elektrisch verstellbare Sitze, ein Head-up-Display oder ein Panorama-Glasdach hinzu.
Geländetauglichere Abstimmung
Der Compass 4xe erhält darüber hinaus eine robustere Auslegung für den Geländeeinsatz. Dazu zählen ein höhergelegtes Fahrwerk, spezielle Fahrprogramme für unterschiedliche Untergründe, ein optimierter Böschungswinkel sowie zusätzliche Schutzverkleidungen an Karosserie und Unterboden. Damit möchte Jeep seine Offroad-Kompetenz auch in das Elektrozeitalter übertragen.
Mit dem Avenger Electric verfügt Jeep bereits über ein elektrisches Einstiegsmodell. Darüber positioniert sich der Compass als größeres SUV, das je nach Ausführung mit Mildhybrid-, Plug-in-Hybrid- oder vollelektrischem Antrieb erhältlich ist. Damit verfolgt Jeep innerhalb Europas eine Multi-Energy-Strategie, bei der Kunden zwischen verschiedenen Antriebsformen wählen können.
Technisch basiert der neue Compass auf der STLA-Medium-Plattform von Stellantis, die zwar für elektrifizierte Fahrzeuge entwickelt wurde, aber weiterhin auch von Verbrennern genutzt wird. Sie ermöglicht größere Batterien, höhere Ladeleistungen und deutlich größere Reichweiten als frühere Konzernarchitekturen. Damit gehört der Compass zu den modernsten Elektrofahrzeugen innerhalb der Stellantis-Marken.
Werden Mischplattformen zum Problem?
Während Hersteller wie Hyundai, Kia, VW, BMW, Mercedes-Benz oder die chinesischen Wettbewerber zunehmend konsequent auf speziell entwickelte Elektroplattformen setzen, wirken viele Stellantis-Modelle inzwischen technisch weniger ambitioniert. Ladeleistungen von deutlich mehr als 200 kW oder moderne 800-Volt-Systeme sucht man im Konzern bislang weitgehend vergeblich.
Dass Stellantis auf das Prinzip setzt, möglichst viele Modelle sowohl als Verbrenner als auch als Elektroauto auf derselben technischen Basis anzubieten, sollte Entwicklungskosten senken und den Übergang zur Elektromobilität erleichtern. Die Finanzzahlen des Konzerns zeigten jedoch, dass diese Strategie bislang nicht den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg gebracht hat. Sinkende Absätze, Margendruck und Marktanteilsverluste verdeutlichen, dass Kosteneffizienz allein offenbar nicht genügt, wenn Wettbewerber gleichzeitig mit modernerer Elektrotechnik, schnelleren Ladesystemen und eigenständigen Elektroplattformen auf den Markt kommen. Erst die Zusammenarbeit mit Leapmotor brachte offenbar so etwas wie eine wirtschaftliche Elektro-Wende.
Der neue Jeep Compass zeigt zwar, dass Stellantis technologisch zwar aufholen kann, allerdings weiterhin nicht in letzter Konsequenz. Dies soll aber bald mit der angekündigten Plattform STLA One nachgeholt werden. Gleichzeitig macht das Modell deutlich, dass viele andere Elektroautos des Konzerns auf älteren Mischplattformen inzwischen eine Modernisierung benötigen, um im zunehmend anspruchsvollen Wettbewerb überhaupt noch ernsthaft mitzuspielen.
Quelle: Stellantis – Pressemitteilung vom 23. Juni 2026









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