Opel bietet Entwicklern in Rüsselsheim hohe Abfindungen

Opel bietet Entwicklern in Rüsselsheim hohe Abfindungen
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Opel | Opel CEO Florian Huettl lässt veränderte E-Auto-Strategie gegenüber Elektroauto-News verkünden

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die deutsche Stellantis-Marke Opel schrumpft seine Entwicklung in Rüsselsheim offenbar weiter zusammen. Nach einem Bericht des Manager Magazins will der Mutterkonzern des Automobilherstellers die Zahl der Entwicklerinnen und Entwickler am deutschen Traditionsstandort mit Prüffeld in Dudenhofen bis Ende 2026 auf rund 1000 senken. Als PSA Opel 2017 übernahm, arbeiteten dort noch etwa 7000 Menschen in diesem Bereich. Heute sind es laut Bericht nur noch gut 1600.

Weil betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 ausgeschlossen sind, setzt Opel auf freiwillige Ausstiegsprogramme. Beschäftigte der Jahrgänge 1967 und älter können in den Vorruhestand wechseln und bis zu 36 Monate lang 75 Prozent ihres bisherigen Bruttogehalts erhalten. Für jüngere Beschäftigte gibt es mehrere Abfindungsmodelle. Ein Programm sieht zusätzlich zur regulären Abfindung 50.000 Euro Sonderzahlung vor, gedeckelt auf 275.000 Euro. In einem anderen Modell ist die Gesamtabfindung nicht gedeckelt. Laut Manager Magazin können dadurch rechnerisch mehr als 450.000 Euro zusammenkommen.

Besonders blumig klingt dabei das Modell „Garden Leave“. Dabei werden Beschäftigte bis zum endgültigen Ausscheiden bezahlt freigestellt. Auch hier sollen 75 Prozent des letzten Bruttogehalts fließen, dazu eine Betriebsrente und 30.000 Euro Einmalzahlung. Je nach Betriebszugehörigkeit kann die Freistellung bis zu 36 Monate dauern.

Kernarbeit erfolgt in anderen Ländern

Damit dürfte die Bedeutung des Standortes innerhalb des Stellantis-Verbunds weiter sinken. Zentrale Entwicklungsaufgaben werden zunehmend in anderen Konzernzentren gebündelt, vor allem in Frankreich und Italien. Kernkomponenten wie Motoren, Achsen, Lenkung oder Bremssysteme entstehen bei Opel schon länger kaum noch eigenständig. In Rüsselsheim bleiben vor allem Arbeiten an den Karosserieaufbauten der Opel-Modelle sowie Randbereiche wie Licht, Sitze, Batterieentwicklung, Fahrerassistenzsysteme, aber auch künstliche Intelligenz und Effizienztools.

Auch das Testzentrum Dudenhofen steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Die traditionsreiche Anlage soll unter dem neuen Mieter, dem Projektentwickler Triwo, ab 2027 auch anderen Automarken offenstehen. Opel braucht die eigenen Testkapazitäten offenbar nicht mehr in dem Umfang wie früher.

Offiziell spricht Stellantis von einem langfristigen Bekenntnis zum Standort Rüsselsheim und einem deutschen Tech Center mit klarer Rolle im globalen Entwicklungsnetzwerk. Intern schwanke die Stimmung laut Manager Magazin jedoch zwischen Frust und Resignation. Die Sorge: Läuft der Kündigungsschutz 2029 aus und verbessert sich die Lage nicht deutlich, könnte Rüsselsheim weiter auf eine Rumpfstruktur reduziert werden und weiter stark an Bedeutung verlieren.

Der Fall passt zu den größeren Problemen im Stellantis-Konzern. Nach Jahren harter Renditepolitik muss der Herstellerverbund mit Marken wie Peugeot, Citroën, Fiat, Jeep und eben Opel seine Strategie neu sortieren. Hohe Kosten, Qualitätsprobleme, schwächere Nachfrage und eine teure E-Auto-Transformation setzen den Konzern unter Druck. Bei E-Autos setzt Stellantis auf sogenannte Mischplattformen, die auch von Verbrennern genutzt werden. Diese sind aber für viele Kunden offenbar nicht sonderlich attraktiv.

Andere Situation als bei VW

Für Opel ist die Lage besonders heikel. Einerseits kündigt Stellantis Investitionen in Deutschland an, unter anderem für die nächste Astra-Generation aus Rüsselsheim. Andererseits verliert der Standort weiter technische Substanz. Zudem soll ein neues kompaktes Elektro-SUV mit Hilfe des chinesischen Partners Leapmotor entwickelt und in Spanien gebaut werden. Für Opel kann das kurzfristig neue Modelle bringen. Für Rüsselsheim ist es aber kein Zeichen wachsender Eigenständigkeit.

Auch Volkswagen steht unter massivem Druck durch hohe Kosten, schwächere Nachfrage in Europa, Probleme in China und stärkere Konkurrenz, 100.000 Stellen stehen aktuell wohl zur Disposition. Der Unterschied: VW kämpft darum, einen riesigen Konzern mit eigenen Plattformen, Werken und eigener Modellpolitik umzubauen. Bei Opel ist der Prozess ein fortgesetzter Verlust an Eigenständigkeit innerhalb eines größeren Konzerns mit Kurs auf die Bedeutungslosigkeit.

Hohe Abfindungen, Vorruhestand und „Garden Leave“ können den Personalabbau sozial abfedern. Sie ändern aber nichts an der strategischen Botschaft: In Opel-Modellen steckt immer weniger Rüsselsheimer Ingenieurskunst – und weniger Opel.

Quelle: Manager Magazin – So will Opel seine Entwickler zum Abschied bewegen

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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