Stellantis: Weniger Zulieferer, mehr Inhouse-Produktion?

Stellantis: Weniger Zulieferer, mehr Inhouse-Produktion?
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Der 14-Automarken-Konzern Stellantis will seine Kosten senken, um Elektroautos günstiger produzieren und verkaufen und mit der wachsenden Konkurrenz aus China mithalten zu können. Eine Maßnahme, die Teil der Überlegungen ist, sei die Eigenproduktion von mehr Fahrzeugkomponenten als bisher. Und im Gegenzug der Verzicht auf die Teile entsprechender Zulieferer, wie Stellantis-CEO Carlos Tavares während einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte.

Stellantis sei sogar bereit, sich ganz von einigen seiner Zulieferer zu trennen. „Wenn die Zulieferer nicht mit der gleichen Geschwindigkeit wie unsere Teams fahren, sehen unsere Teams einen großen Nutzen in der Eingliederung von Produkten ins eigene Haus“, sagte Tavares. Einige Teams seien zu dem Schluss gekommen, „dass sie das, was bislang ausgelagert ist, auch intern bewerkstelligen können“.

Mehrere Autohersteller hatten zuletzt ihre Zulieferer dazu gedrängt, ihre Kosten zu senken. In der Folge büßten die Zulieferer stark an Marge ein – während die Hersteller weiterhin mit Renditen im teilweise sogar deutlich zweistelligen Prozentbereich eine einträgliche Welle reiten. Stellantis etwa erzielte im Geschäftsjahr 2023 eine Umsatzrendite von 12,8 Prozent. Und setzt nun mit Tavares’ Ansage seine Zulieferer gehörig unter Druck.

Zu den Lieferanten von Stellantis gehört das Who-is-Who der Zulieferbranche, darunter Valeo, Continental, Magna International, Forvia und Aptiv. Der französische Lieferant Valeo, einer der wichtigsten Zulieferer von Stellantis, wurde im vergangenen Jahr noch für seine erfolgreiche Strategie zur Kostensenkung gelobt.

Das Rennen um Elektroautos ist „ein Rennen um die Kostenreduzierung“

Zuletzt hat das auch von Stellantis unterstützte Batterie-Joint-Venture ACC seine Pläne für seine deutsche und seine italienische Batteriefabrik auf den Prüfstand gestellt. In Kaiserslautern soll an einem ehemaligen Opel-Standort eine Zellfabrik entstehen, neben Stellantis ist auch Mercedes-Benz und das französische Unternehmen Total Energies an ACC beteiligt. Geprüft wird nun, ob in Kaiserslautern nicht doch eine günstiger Batterie-Technologie produziert werden soll. Der Bau pausiert derweil. 

Bereits einige Tage zuvor sagte Tavares, er rechne mit „einer enormen Verlagerung der Lieferantenbasis. Die Beschaffung wird sich von der westlichen Welt in die kostengünstigsten Länder verlagern“, so der Stellantis-Chef auf einer Konferenz. Das Rennen um Elektroautos sei „zu einem Rennen um die Kostenreduzierung geworden.

Quelle: Automotive News – Stellantis may drop some suppliers to cut EV costs, CEO Carlos Tavares says

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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