Polestar-CEO: „Angst der Verbraucher bremst die Elektromobilität“

Polestar-CEO: „Angst der Verbraucher bremst die Elektromobilität“
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Benny Weisenfels
Benny Weisenfels
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Thomas Ingenlath, CEO von Polestar, erklärt „The Telegraph“ zufolge, dass die geringe Akzeptanz von Elektroautos unter Verbrauchern auch darauf zurückzuführen sei, dass viele Menschen Angst vor Veränderungen haben. Dies führe wiederum zu einer Verzögerung bei der Verbreitung von Elektrofahrzeugen, so der Manager, der auch davor warnt, dass Konkurrenten, die ihre Elektrifizierungspläne verlangsamen, in eine „Falle“ geraten könnten. Hersteller, die ihre Einführungspläne für Elektroautos verzögern, könnten sich aufgrund der Komplexität der Markteinführung neuer Fahrzeuge selbst benachteiligen, so seine Meinung.

Gegenüber der britischen Zeitung spricht er auch davon, wie wichtig es sei, sich auf zukünftige Innovationen einzulassen und an die Technologie des elektrischen Antriebsstrangs, Batterieinnovationen sowie moderne Elektronik und Software zu glauben. „Wenn man das nicht mitmacht und denkt, man kann warten bis die Kunden bereit sind, dann ist das eine unglaubliche Falle“, so Ingenlath.

Unternehmen wie Mercedes, Ford und Aston Martin haben in der Vergangenheit bereits geäußert, dass die Nachfrage nach Elektromodellen hinter den Erwartungen zurückbleibe – Gründe seien unter anderem hohe Preise und eine unzureichende Ladeinfrastruktur. So hätten viele Unternehmen ihre Elektroauto-Ambitionen zurückgeschraubt, heißt es. Doch Ingenlath und die rein elektrische Marke Polestar sind fest von der Überlegenheit des Elektroantriebs überzeugt. Schließlich gehe es darum, „das überzeugendste Produkt“ zu bieten, unabhängig davon, ob es sich um einen Elektro- oder Verbrennungsmotor handelt, erklärt der CEO.

Große Ziele, schwache Ergebnisse

Polestar wurde 2022 an der New Yorker Börse mit einem Wert von etwa 11,5 Milliarden Pfund – umgerechnet rund 13,5 Milliarden Euro – notiert. Seitdem hat das Unternehmen jedoch 60 Prozent seines Wertes verloren und konnte wichtige Lieferziele nicht erreichen. Polestar hat in den Jahren 2021 und 2022 jeweils Verluste von einer Milliarde und 1,3 Milliarden US-Dollar geschrieben und ist nach den ersten neun Monaten des Jahres 2023 mit 735 Millionen US-Dollar im Minus gewesen.

Vor dem Börsengang versprach Polestar jährliche Auslieferungen von mindestens 155.000 Fahrzeugen bis 2025, doch daraus wird vermutlich nichts. Im Jahr 2023 verkaufte die Elektroauto-Marke Polestar rund 54.600 Fahrzeuge, was zwar einen Anstieg um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutete, jedoch unter den Erwartungen blieb. Trotz einer erneuten Senkung der Prognose im November auf 60.000 Fahrzeuge konnte das Unternehmen sein Ziel um fast zehn Prozent nicht erreichen. Zuvor war die Erwartung bereits von ursprünglich 80.000 auf 60.000 bis 70.000 Fahrzeuge reduziert worden.

Der gesamte Elektroautomarkt erlebt derzeit eine Flaute, der britische Verbrauchermarkt sei im letzten Jahr sogar leicht geschrumpft. Neue Daten der Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) sollen zeigen, dass die Hälfte der britischen Autofahrer bis mindestens 2030 mit dem Umstieg auf ein Elektroauto warten möchte, was die aktuelle Lage wohl nicht besser machen dürfte. Nachdem Volvo, der ehemalige Mutterkonzern von Polestar, angekündigt hatte, seine finanzielle Unterstützung einzustellen, sicherte sich das Unternehmen eine Finanzspritze von einer Milliarde US-Dollar von Banken. Dies geschah aufgrund einer Reihe von verfehlten Zielen und einem Einbruch des Aktienkurses. Das Darlehen sei eine bedeutende Unterstützung für Polestar, da man bis 2025 profitabel werden will. Allerdings hat das Unternehmen erklärt, dass insgesamt 1,3 Milliarden Dollar benötigt werden, um dieses Ziel zu erreichen, was weitere 350 Millionen Dollar bis dahin erforderlich machen soll, heißt es weiter.

Polestar kündigte kürzlich auch eine Umstrukturierung des Aktienbesitzes an, bei der der chinesische Autogigant Geely einen größeren Anteil am Unternehmen erhält. Geely ist bereits ein bedeutender Anteilseigner, die Autos von Polestar werden in den Geely-Fabriken in China hergestellt und dann nach Europa und in die USA exportiert. Dies könnte in den kommenden Jahren zu Problemen führen, da sich sowohl in den USA als auch in Europa eine eher ablehnende Haltung gegenüber in China hergestellten Elektroautos abzeichnet. Die Europäische Union prüft Strafzölle für chinesische Unternehmen, während US-Präsident Joe Biden davor gewarnt hat, dass chinesische Fahrzeuge ein „nationales Sicherheitsrisiko“ für amerikanische Bürger darstellen. Und nun wollen The Telegraph zufolge auch die britischen Behörden prüfen, ob eine Untersuchung eingeleitet werden soll.

Polestar-CEO: "Angst der Verbraucher bremst die Elektromobilität"
Der Polestar 5 soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Die Leistung des Grand Tourers soll über 650 kW betragen, das Drehmoment werde wohl bei über 900 Nm liegen | Bild: Polestar

Polestar setzt auf Premium – „das ist es, was die Kunden überzeugt“

Polestar plant, in den USA und in Südkorea weitere Produktionslinien zu eröffnen, um den Druck auf das Unternehmen zu verringern. Einem Vergleich mit US-Hersteller steht Ingenlath eher kritisch gegenüber. Tesla ziele mit Modellen wie dem Model 3 und dem Model Y auf die Mittelklasse ab, während Polestars Fahrzeuge preislich höher positioniert sind und eine etwas wohlhabendere Klientel ansprechen. Hierzulande kosten Polestars Modelle 2, 3 und 4 zwischen 46.000 und knapp 70.000 Euro. Ingenlath betont, dass Polestar nicht darauf abziele, den Massenmarkt zu bedienen und mit den traditionellen Autoherstellern in diesem Segment zu konkurrieren.

Dass sich Polestar auf wohlhabendere Fahrer konzentriert, könnte laut Ingenlath helfen, den Abschwung bei den Elektroauto-Verkäufen zu überstehen. Er argumentiert, dass der Rückzug anderer weniger engagierter Marken aus der Elektromobilität dem Unternehmen zugutekomme, da es so in dem Bereich der Premium-Performance-Autos weniger Konkurrenz geben werde.

Kunden würden gerade im Premiumsegment die Innovation des elektrischen Antriebsstrangs schätzen. Diese Strategie habe sich bewährt und werde in Zukunft auch überzeugen, so der Manager. Nach dem vollelektrischen Polestar 2, dem SUV Polestar 3 und SUV-Coupé Polestar 4 soll später als geplant, Anfang nächsten Jahres, der Polestar 5 Grand Tourer auf den Markt kommen.

Quellen: The Telegraph – Drivers ‘scared of change’, says electric car maker snubbed by Volvo

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Benny Weisenfels

Benny Weisenfels

Schon als Kind hatte Benny im wahrsten Sinne des Wortes eine Schraube locker. All sein Taschengeld floss in neue Modellautos, um den Spielteppich mit schönen Flitzern zu füllen. Mit dem Erwachsenwerden wurde aus seiner Leidenschaft für Miniaturen eine Faszination für die echten Vorbilder. Heute begeistert ihn alles, was sich Auto nennen darf – egal ob Oldtimer, Sportwagen oder Elektroautos. Vor allem das lautlose Stromern hat es ihm angetan, nachdem er den ersten Tesla Roadster fahren durfte (schon ein paar Jahre her). In und nach seinem Journalismus-Studium schreibt er seit nunmehr mehr als zehn Jahren mit Leidenschaft und Erfahrung für renommierte Fachmedien und Tageszeitungen, stets mit dem Ziel, technologieoffen zu bleiben.

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