Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

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Michael Neißendorfer
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In ihrem vor wenigen Tagen vorgestellten Klimaschutzprogramm kündigt die Bundesregierung an, mehr Dynamik in den E-Auto-Markt bringen zu wollen. Wenn Europa an seinen Flottengrenzwerten festhält, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken, zeigt ein neuer Bericht von Transport & Environment (T&E).

Demnach lagen die EU und China 2020 beim Marktanteil von E-Autos noch gleichauf, doch China konnte aufgrund der schwachen europäischen Flottengrenzwerte nach 2022 davonziehen. Dank strengerer Ziele für 2025 liegt die EU der Analyse zufolge nur noch drei Jahre zurück. Da sieben von zehn in Europa verkauften E-Autos in Europa hergestellt werden, könne eine schnellere Transformation hin zur E-Mobilität sicherstellen, dass die europäische Automobilindustrie im Geschäft bleibe, so die Analyse.

Aktuell steht Europa wegen dem Irankrieg unter einem erneuten Energieschock, mit Ölpreisen von weit über 100 US-Dollar pro Barrel, die zu Preissteigerungen für die europäischen Autofahrenden führen. Der neue T&E-Bericht „State of European Transport“ zeigt, dass Europa mit den richtigen politischen Maßnahmen die Führungsrolle bei einer der wichtigsten sauberen Technologien des 21. Jahrhunderts zurückerobern und seine Abhängigkeit von importiertem Öl rasch verringern kann. Europas 8 Millionen Elektroautos haben im Jahr 2025 rund 46 Millionen Barrel Öl eingespart.

„E-Autos sind der entscheidende Hebel, um Europas Abhängigkeit von Ölimporten zu beenden“, sagt Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. „Die Behauptung aus Teilen der Autoindustrie, wir müssten die Flottengrenzwerte lockern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, ist grundlegend falsch. Die Vorschriften sind nicht das Problem. Sie sind es, die Europa im Rennen um die globale Führungsrolle bei E-Autos halten. Die Bundesregierung sollte zu den Flottengrenzwerten stehen und beim E-Auto-Hochlauf endlich auf das Gas- statt auf das Bremspedal drücken.“

T&E

Der „State of European Transport“ zeigt, dass die CO2-Emissionen im Verkehrssektor insgesamt nicht zurückgehen. Länder mit hohen Verkaufszahlen von E-Autos, wie Dänemark und die Niederlande, verzeichnen zwar deutliche Rückgänge der CO2-Emissionen. Das wird jedoch durch steigende Emissionen in Ländern wie Spanien kompensiert, wo weiterhin zu wenig E-Autos verkauft werden. Auch in Deutschland sind die CO2-Emissionen des Verkehrssektors zuletzt wieder gestiegen. Ein schleppender Markthochlauf verlängert Europas Abhängigkeit vom Öl.

China treibt die Entwicklung von Cleantech und die Elektrifizierung mit Hochdruck voran. Chinesische Unternehmen produzieren 60 Prozent der weltweit verkauften E-Autos, und ihre Batterieproduktion ist 20-mal so groß wie die Europas. Gleichzeitig befindet sich die europäische Batterieindustrie im Wandel: Europäische und chinesische Unternehmen schließen sich südkoreanischen Firmen an, um die Batterieproduktion in der EU zu fördern. Mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen und der passenden Finanzierung lasse sich das enorme Wachstumspotenzial der europäischen Batterieindustrie voll ausschöpfen, so T&E.

Sebastian Bock hierzu: „Dem Klimaschutzprogramm mangelt es an Bekenntnissen der Bundesregierung zu den Flottengrenzwerten. Gerade die sichern aber den deutschen Wirtschaftsstandort und verringern unsere Ölabhängigkeit. Wir müssen uns an den Fahrplan des Green Deal halten, wenn wir die Cleantech-Wirtschaft der Zukunft aufbauen und die europäische Sicherheit stärken wollen.“

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 25.03.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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