KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch
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Sebastian Henßler
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Die Automobilindustrie steht vor einem neuen Kostenproblem, wie unter anderem das Handelsblatt berichtet. Stark gestiegene Preise für Speicherchips verteuern die Produktion moderner Autos spürbar – und eine Entspannung ist vorerst nicht absehbar. Hintergrund ist der massive Investitionsboom der Tech-Branche in KI-Rechenzentren, der die verfügbaren Kapazitäten auf dem Chipmarkt verknappt.

Ein gut ausgestattetes Auto werde in diesem Jahr um rund 129 Euro teurer, prognostiziert Analyst Pedro Pacheco vom Marktforscher Gartner. Für sich genommen klingt das überschaubar. In der Summe jedoch könnten die zusätzlichen Beschaffungskosten für große Konzerne bei mehr als 860 Millionen Euro liegen. Ob die Hersteller überhaupt zuverlässig beliefert werden, sei zudem unklar. „Ich gehe davon aus, dass es ab dem zweiten Quartal 2026 bei einigen Produzenten zu Störungen kommen kann“, warnt Pacheco. Besonders betroffen seien Premiummodelle mit modernen Assistenzsystemen und softwareabhängiger Elektronik, da diese am meisten Speicher benötigen.

Der Preisdruck hat seinen Ursprung in einer anderen Branche. Von Amazon bis OpenAI investieren Tech-Konzerne derzeit Milliardensummen in Rechenzentren für künstliche Intelligenz und kaufen dafür riesige Mengen hochwertiger Speicherchips. „Die enorme Nachfrage seitens der Hyperscaler bindet erhebliche Produktionskapazitäten, da die Hersteller lieber margenstarke Komponenten fertigen“, erklärt Peter Fintl, Chipexperte des Technologie-Dienstleisters Capgemini. Als Hyperscaler bezeichnen Fachleute IT-Konzerne, die mit hochautomatisierten Rechenzentren digitale Dienste anbieten.

Einzelne Bausteine kosten ein Vielfaches

Mitunter fallen die Preissteigerungen extrem aus. Einzelne, spezielle Speicherbausteine seien 300 bis 400 Prozent teurer geworden, berichtet Tanjeff Schadt von der Strategieberatung Strategy&. Ein Vorstandsmitglied eines großen deutschen Automobilherstellers bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, die Engpässe seien inzwischen deutlich spürbar. Die höheren Preise kämen allerdings nur schrittweise bei den Unternehmen an, weil die meisten Halbleiter nicht direkt, sondern über Zulieferer bezogen werden. Deren Verträge erlaubten Preisaufschläge oft nur zu festen Terminen.

Nicht alle Marken trifft es gleichermaßen. Einige verfügten noch über Sicherheitsbestände, andere nähmen die höheren Kosten in Kauf oder handelten längerfristige Verträge aus, ordnet Gartner-Analyst Pacheco ein. Bei Volumenanbietern wie Volkswagen kalkuliert Berater Martin Geißler von Argon & Co mit Mehrkosten von lediglich 17 bis 26 Euro pro Auto. Doch auch das bedeute „schnell hohe dreistellige Millionenbeträge“ an Mehrkosten pro Unternehmen. „Das bedeutet: mehr Druck auf die ohnehin schon gesunkenen Margen“, ergänzt Geißler.

Offiziell gibt sich die Branche zurückhaltend. Bosch, der weltgrößte Autozulieferer, teilte mit, man beobachte die Entwicklungen genau und könne derzeit allen Verpflichtungen gegenüber Kunden nachkommen. Wettbewerber ZF wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Volkswagen, Europas größter Automobilhersteller, bestätigte eine gestiegene Nachfrage, die vor allem durch den Bedarf anderer Industrien getrieben werde. Die Lieferketten seien derzeit intakt, bei Engpässen könne der Konzern mit „gezielten Gegenmaßnahmen reagieren“. Mercedes-Benz wollte sich zu den Preissteigerungen nicht äußern und verwies auf marktübliche Schwankungen.

Knappheit könnte bis 2030 anhalten

Schnelle Entspannung zeichnet sich nicht ab. „Solange die KI weiter wächst, werden sich die Speicherchiphersteller auf dieses margenstärkere Geschäft fokussieren“, sagt Geißler. Der Druck dürfte mindestens bis Ende 2026, wahrscheinlich sogar bis 2028 bestehen bleiben. Chey Tae-won, Chef des südkoreanischen Mischkonzerns SK Group, dessen Unternehmen den Speicherchipkonzern SK Hynix kontrolliert, rechnet sogar damit, dass die Anbieter die Nachfrage vor 2030 nicht vollständig decken können. Der Aufbau neuer Halbleiterfabriken dauere mehrere Jahre.

Kurzfristig sei daher mit weiter steigenden Preisen zu rechnen, sagt Capgemini-Experte Fintl. Die Automobilhersteller könnten darauf reagieren, indem sie in günstigeren Modellen weniger Arbeitsspeicher verbauen oder kostenpflichtige Zusatzpakete für Kunden mit höheren Ansprüchen anbieten. „Das widerspricht zwar dem Trend, möglichst einheitliche und leistungsfähige Hardware zu verbauen und durch zusätzliche Abonnements zu monetarisieren. Doch wenn der Kostendruck steigt, sind Kompromisse wahrscheinlich.“

Quelle: Handelsblatt – Teurer Arbeitsspeicher treibt die Kosten bei Autobauern

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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