Wenn die EU-Kommission den Standort Europa stärken will, sollte sie auf Anreize setzen statt auf Bürokratie. So lässt sich die Haltung von VDIK-Präsidentin Imelda Labbé zum jüngst vorgestellten „Industrial Accelerator Act“ zusammenfassen. Der Entwurf erinnere sie an das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, erklärte die Verbandschefin. Die Absicht hinter dem Vorhaben erkenne sie an, die Methoden halte sie jedoch für ungeeignet, wie sie gegenüber Vision-Mobility zu verstehen gibt.
Der Verband habe den Entstehungsprozess eng begleitet und bewerte es positiv, dass internationale Handelsverflechtungen und Gegenseitigkeit zunehmend Eingang in die Entwürfe gefunden hätten. „Allerdings besteht weiterer Nachbesserungsbedarf“, so Labbé. Statt Initiativen zur Steigerung von Standortattraktivität und Innovation habe die Kommission bürokratische Marktzugangs- und Materialvorgaben vorgelegt. Für einen Verband, dessen Mitglieder von globaler Vernetzung leben, sei das ein Affront.
Fernöstliche Automobilhersteller wie Kia, Hyundai oder BYD sowie Geely-Marken mit europäischen Wurzeln wie Polestar und Volvo designen, entwickeln und fertigen längst in Europa. Umgekehrt sind europäische Konzerne tief in Fernost verwurzelt. Die Verflechtung sei so weit fortgeschritten, dass ein komplexes Regelwerk weder trennscharf noch kontrollierbar sein könne, argumentiert Labbé. Sollten die geplanten Materialvorgaben hinsichtlich EU-Herkunft und CO₂-Senkung in die finale Fassung einfließen, entstünde ein „nicht beherrschbares Bürokratiemonster“ mit zusätzlicher Kostenbelastung für alle Automobilhersteller und deren Kund:innen, warnt der Verband.
Die europäische Autoindustrie durchlaufe eine historische Transformation. Weitere Hemmnisse würden diesen Prozess nur bremsen, statt ihn zu beschleunigen. Europäische Marken hätten einen Vertrauensvorschuss, den es zu nutzen gelte. Technologie sei bei der Fahrzeugwahl nur ein Faktor unter mehreren – Service, Händlernetz und Vertrautheit spielten ebenfalls eine gewichtige Rolle.
E-Auto Förderung läuft, doch das Abwicklungsportal fehlt
Ein anderer Aspekt fällt positiver aus. Labbé begrüßt, dass der EU-Entwurf keine Auswirkungen auf das deutsche Förderprogramm für private E-Auto-Käufer:innen hat, das rückwirkend zum 1. Januar 2026 gilt. Fahrzeuge aller internationalen Marken blieben förderfähig. Allerdings folgt ein deutliches „Aber“: Solange die konkrete Abwicklung unklar sei, verpuffe die Wirkung der Förderung. Der Start des Abwicklungsportals sei beim Umweltministerium bereits mehrfach angemahnt worden.
Eine Blitzumfrage unter den VDIK-Mitgliedsunternehmen von Mitte Februar untermauert diese Einschätzung. Demnach hat die Ankündigung des Förderprogramms bislang keine messbaren Auswirkungen auf die Auftragseingänge bei E-Autos. Die befragten Marken bewerteten zwar Förderhöhe und die Einbindung von Plug-in-Hybriden positiv, doch komplizierte Bedingungen und Nachweisverfahren hemmten die Wirkung. Hinzu kommen Unsicherheiten bei Strompreisen, Ladeinfrastruktur und Restwertentwicklung.
Solange diese Rahmenbedingungen nicht stimmten, werde der Hochlauf schleppend verlaufen, prognostiziert Labbé. Übergangstechnologien wie Plug-in-Hybride seien in dieser Phase schlicht notwendig. Die Elektrifizierung an sich stelle der Verband nicht infrage – doch die bisherige E-Auto-Kundschaft bestehe überwiegend aus Besitzer:innen von Einfamilienhäusern. Um urbane Käufer:innen zu erreichen, brauche es dringend dichtere Ladeinfrastruktur in Städten, Parkhäusern und Mehrfamilienhäusern.
Staatliche Ladekarte als Hebel gegen Ladehemmnisse
Als konkreten Vorschlag bringt Labbé eine geförderte staatliche Ladekarte mit Ladeguthaben ins Spiel. Damit ließen sich neben dem Preis auch zwei weitere zentrale Hemmnisse adressieren: die Intransparenz der Ladetarife und die Umständlichkeit der verschiedenen Lademöglichkeiten. Ohne diese Bequemlichkeit beim Laden würden die Menschen nicht umsteigen, so ihre Einschätzung. Solchen Anreizen gebe sie generell den Vorzug vor ordnungspolitischen Maßnahmen wie einer E-Auto-Quote für Firmenfuhrparks.
Auch bei der Kostenparität zwischen Stromern und Verbrennern sieht die VDIK-Präsidentin Fortschritte. Dabei verweist sie ausdrücklich nicht auf die durch steigende Spritpreise verschobene relative Kostenbilanz – das mache Autofahren insgesamt teurer und sei nicht das Ziel. E-Mobilität müsse aus eigener Kraft günstiger werden. Die Automobilhersteller hätten geliefert, die Kund:innen nähmen überzeugende elektrische Produkte an. Nun müsse endlich der Rahmen folgen.
Quelle: Vision-Mobility – VM-Interview VDIK-Präsidentin Imelda Labbé: E-Mobilität zündet nur im richtigen Rahmen








Wird geladen...