„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

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Tobias Stahl
Tobias Stahl
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Volkswagen, Stellantis und Renault haben die EU in einem gemeinsamen Schreiben zur Einführung einer simplen „Made in Europe“-Regelung aufgefordert. Die drei Hersteller, auf die gemeinsam mehr als 60 Prozent der in der EU produzierten Fahrzeuge entfallen, forderten die Abgeordneten und Entscheidungsträger des EU-Parlaments auf, einen klaren gesetzlichen Rahmens zu schaffen, unter dem diejenigen Hersteller profitieren würden, die ihre Fahrzeugproduktion und die Modellentwicklung in der EU aufrecht erhalten.

Schon Anfang März hatte die Europäische Kommission die Einführung neuer Local-Content-Regeln für strategisch wichtige Industrien vorgeschlagen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Region vor allem gegenüber chinesischen Konzernen zu stärken.  Der europäische Branchenverband der Zulieferer CLEPA hatte die Einführung des sogenannten „Industrial Accelerator Act“ zwar prinzipiell begrüßt, hielt die Vorschläge der EU-Kommission jedoch nicht für ausreichend und forderte strengere Vorgaben.

Volkswagen, Stellantis und Renault fordern Vereinfachungen und gelockerte Grenzwerte

Auch Volkswagen, Stellantis und Renault setzen sich mit dem Schreiben für die Einführung entsprechender Vorgaben ein – die drei Hersteller pochen jedoch darauf, dass die Vorgaben nicht zu komplex werden: „Wir wollen sicherstellen, dass Europa die globale Führungsmacht in der Automobilindustrie bleibt“, so die drei Konzerne. „Wir brauchen einen Mechanismus, der europäische Autos und die europäische Industrie begünstigt […] und dieser Mechanismus muss einfach, leicht umsetzbar und kontrollierbar sein.“

Gemäß dem aktuellen Gesetzesentwurf müssten Fahrzeuge für Unternehmensflotten und kleine Elektroautos innerhalb der EU montiert werden, um für öffentliche Ausschreibungen und den Erhalt von Subventionen in Frage zu kommen. Brüssel schlägt einen Mindestwert von 70 Prozent für den lokalen Anteil bei den Fahrzeugkomponenten vor, damit die Fahrzeuge als „made in EU“ gelten – Batterien sollen davon ausgenommen sein.

VW und Stellantis unterstützen die Vorschläge der Kommission, ringen jedoch seit Monaten darum, auch andere Autohersteller mit ins Boot zu holen. Mit Renault ist das nun offenbar gelungen. In den am Freitag vorgelegten Vorschlägen forderten die Hersteller eine Vereinfachung des Entwurfs: „Wir fordern die EU-Institutionen auf, einen Rahmen zu schaffen, der darauf abzielt, dass 70 Prozent der Fahrzeuge, die Hersteller in Europa verkaufen, diese Wertschöpfung in den EU27 Mitgliedstaaten abbilden.“ Das würde bedeuten, dass nur 70 Prozent der gesamten Fahrzeugflotte eines Herstellers zu mindestens 70 Prozent lokal produziert sein müssen, damit automatisch die gesamte Flotte als „made in Europe“ gilt. Die Konzerne räumten jedoch auch ein, dass außereuropäische Hersteller diese Auslegung wahrscheinlich kritisieren würden.

Mehrere außereuropäische Autobauer, darunter Toyota, Jaguar Land Rover (JLR) und Honda, hatten hinsichtlich des geografischen Geltungsbereichs der EU-Vorschläge bereits Bedenken geäußert. Nach gegenwärtigem Stand würden Komponenten, die in Großbritannien, Japan und der Türkei hergestellt werden, ausgeschlossen. Die Hersteller verwiesen zudem darauf, dass die Einhaltung der Vorschriften zu höheren Kosten führen würde, wodurch in Europa hergestellte beziehungsweise montierte Fahrzeuge sich weiter verteuern könnten.

Pläne für eine europäische Batteriezellfertigung sollen „realistisch“ sein

„Europa verschließt sich nicht“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. „Europa stoppt lediglich den Trend zur weiteren Auslagerung der industriellen Produktion in Drittländer.“ Die Definition von „made in EU“ müsse demnach nicht nur die Fahrzeugmontage, sondern die gesamte Wertschöpfungskette inklusive der Konstruktion sowie Forschung und Entwicklung umfassen.

Die Hersteller forderten zudem eine Ausweitung von Subventionen, um zusätzliche Kosten auszugleichen, die für die Förderung der Fertigung in Europa anfallen, wo die Energie- und Arbeitskosten höher sind als in Ländern wie der Türkei und Marokko.

Der Industrial Accelerator Act würde Autobauern außerdem „Super-Credits“ für in Europa gebaute elektrische Kleinwagen gewähren, um ihnen das Erreichen der Emissionsziele zu erleichtern. Die drei Hersteller forderten in ihrem Schreiben, die Credits auf alle innerhalb der EU hergestellten E-Autos auszuweiten.

Besonders schwer dürfte es für die EU und die heimischen Hersteller werden, die europäische Wertschöpfungskette für die Herstellung von Batterien zu stärken. Antriebsbatterien sind nach wie vor die teuerste Einzelkomponente in Elektroautos. Die Lieferketten für Batterien und Batterierohstoffe werden von chinesischen Herstellern dominiert, wodurch es europäischen Autobauern vor allem im Kleinwagen-Segment weiterhin schwer fällt, gewinnbringend zu produzieren. VW, Stellantis und Renault erklärten diesbezüglich, der Weg zu einer europäischen Batteriezellfertigung müsse „realistisch“ sein. Die Hersteller drängten zudem darauf, die Einführung eines Mindestanteils lokaler Komponenten in E-Auto-Batterien von 2028 auf 2030 zu verschieben.

Die Kommission erklärte, dass Vorschläge in Bezug auf Unternehmensflotten und kleine Elektrofahrzeuge „Schlüsselinitiativen zur Unterstützung unseres ökologischen Wandels“ seien und dass diese Ziele nur erreichbar seien, wenn sie „auch zu Wachstum und Produktionstätigkeit“ innerhalb der EU-Lieferketten führten.

Quellen: Gemeinsame Stellungnahme von Volkswagen Group, Renault Group und Stellantis zum Industrial Accelerator Act / Financial Times – Renault joins VW and Stellantis in push for ‘Made in Europe’ plan / Automotive News – VW, Stellantis, Renault urge the EU to adopt simple ‘Made in Europe’ rules to help auto industry

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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