Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie
Copyright:

Erik Jacob / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Die Krise der deutschen Autoindustrie erreicht zunehmend die Beschäftigten in Werken und Zulieferbetrieben. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch Mobility, Frank Sell, fordert angesichts der angespannten Lage einen runden Tisch aus Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik. Gegenüber dem Spiegel erklärte er: „Wir können nicht so weitermachen wie bisher.“ Damit reagiert er auf eine Situation, die sich in den vergangenen Monaten branchenweit zugespitzt hat.

Nach Einschätzung von Sell braucht es eine Taskforce mit Vertreter:innen der Automobil- und Zulieferindustrie, der Arbeitnehmer:innen, der Gewerkschaften sowie der Politik. Diese solle, so seine Forderung, „erst auseinandergehen, wenn sie Lösungen erarbeitet hat, die die Zukunft der Branche in Deutschland sichern“. Hintergrund seiner Forderung sind wachsende Konflikte um Arbeitszeitmodelle und Sparprogramme, die derzeit mehrere große Unternehmen der Branche prägen. Besonders deutlich wurde dies zuletzt bei Mercedes-Benz.

Am vergangenen Freitag protestierten bundesweit Zehntausende Beschäftigte des Stuttgarter Autobauers gegen eine geplante Verschärfung des unternehmensinternen Sparkurses. Die Proteste richteten sich gegen Pläne des Managements, die Kosten weiter zu senken, was bei der Belegschaft auf erheblichen Widerstand stößt. Für viele Mitarbeitende steht dabei die Frage im Raum, wie sich Sparmaßnahmen und der Erhalt von Arbeitsplätzen langfristig miteinander vereinbaren lassen.

Weitere Protestaktionen bundesweit geplant

Der Protest bei Mercedes-Benz markiert nach aktuellem Stand erst den Auftakt einer größeren Bewegung innerhalb der Branche. Für den heutigen 9. Juli ist in Stuttgart, der baden-württembergischen Landeshauptstadt, ein Autokorso von Beschäftigten der Autoindustrie geplant. Damit soll der öffentliche Druck auf Unternehmen und Politik weiter erhöht werden. Parallel dazu kündigte die IG Metall an, dass ähnliche Beschäftigtenaktionen auch beim Volkswagen-Konzern folgen sollen.

Die Ankündigungen verdeutlichen, dass sich der Unmut in der Belegschaft nicht auf einen einzelnen Autobauer beschränkt. Vielmehr zeichnet sich ab, dass Arbeitszeit- und Sparfragen mittlerweile mehrere große Namen der Branche gleichzeitig beschäftigen. Zulieferer wie Bosch sind von dieser Entwicklung ebenso betroffen wie die Automobilhersteller selbst, da Auftragsrückgänge und Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette spürbar werden.

Sells Forderung nach einem gemeinsamen Krisengremium zielt insofern nicht allein auf einzelne Unternehmen, sondern auf eine branchenweite Antwort. Ob und in welcher Form ein solcher runder Tisch tatsächlich zustande kommt, ist bislang offen. Klar ist jedoch, dass sich mit dem geplanten Autokorso in Stuttgart und den angekündigten Aktionen bei Volkswagen die öffentliche Sichtbarkeit der Beschäftigtenproteste in den kommenden Wochen weiter erhöhen dürfte.

Quelle: Springer Professional – Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für die Autoindustrie

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.

EU plant Ausweitung des CO2-Preises – Automobilverband kritisiert

EU plant Ausweitung des CO2-Preises – Automobilverband kritisiert

Maria Glaser  —  

Der europäische Verband ACEA hat eine Stellungnahme zur Ausweitung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM der EU veröffentlicht.

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Normale Reifen am E-Auto: Ein teurer Kompromiss

Sebastian Henßler  —  

Drei Viertel der E-Fahrer:innen kennen EV-Reifen, aber kaum jemand fühlt sich beim Kauf gut informiert. Drei Mythen über Reifen erklären, warum das so ist.

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Daniel Krenzer  —  

China will den ruinösen Preiskampf auf dem Automarkt eindämmen. Für europäische Hersteller wird es dennoch nicht leichter – im Gegenteil.

Schaeffler bekennt sich zu Technologieoffenheit

Schaeffler bekennt sich zu Technologieoffenheit

Daniel Krenzer  —  

Schaeffler setzt bei der Mobilität der Zukunft auf Elektromobilität, hält sich aber auch Wasserstoff und Brennstoffzellen offen.

Supercredits statt Strafzahlungen? Das sagen die Hersteller

Supercredits statt Strafzahlungen? Das sagen die Hersteller

Daniel Krenzer  —  

Europäische Hersteller sprechen sich mehrheitlich für Einführung von Supercredits für kleine und in Europa produzierte E-Autos aus.