Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter

Peking bremst Preiskampf, doch für Europa wird es nicht leichter
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Daniel Krenzer
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Der chinesische Automarkt könnte vor einer neuen Phase stehen. Nach Jahren immer aggressiverer Rabatte, sinkender Preise und ruinöser Konkurrenz versucht Peking, den harten Preiskampf in der Branche einzudämmen. Wie die Automobilwoche berichtet, mehren sich die Anzeichen, dass der Staat den Herstellern Grenzen setzt – nicht aus Rücksicht auf einzelne Unternehmen, sondern weil die Rabattschlachten inzwischen die Stabilität der gesamten Industrie gefährden.

Für Kundinnen und Kunden wirkte der Preiskampf zunächst wie ein Segen. Elektroautos und Plug-in-Hybride wurden in China günstiger, während Reichweite, Ladeleistung, Software und digitale Ausstattung zulegten. Doch viele Hersteller kämpfen längst nicht mehr um auskömmliche Renditen, sondern um Auslastung, Marktanteile und letztlich ums Überleben.

Genau hier setzt die neue Linie aus Peking an. Der Staat will verhindern, dass sich die eigene Autoindustrie in einem Wettbewerb zerreibt, bei dem zwar viele Fahrzeuge verkauft werden, aber Lieferanten, Händler und kleinere Hersteller unter dem Kostendruck zusammenbrechen. Chinas Industriepolitik hat den Aufstieg der heimischen Elektromobilität jahrelang massiv begünstigt. Nun muss sie verhindern, dass ausgerechnet dieser Erfolg zu Überkapazitäten, finanziellen Risiken und einer ungeordneten Marktbereinigung führt.

BYD übt großen Druck aus

Besonders deutlich wird das am Verhalten von BYD. Der Marktführer hat mit aggressiven Preisen selbst erheblich dazu beigetragen, den Druck zu erhöhen. Zugleich ist gerade BYD groß genug, um eine Phase der Konsolidierung besser zu überstehen als viele kleinere Wettbewerber. Hohe Stückzahlen, eigene Batterietechnik, vertikale Integration und internationale Absatzmärkte verschaffen dem Konzern Vorteile, die schwächere Marken nicht haben.

Ein mögliches Ende der größten Rabattschlachten wäre deshalb keine Entwarnung. Der chinesische Markt wird dadurch nicht weniger wettbewerbsintensiv, sondern nur anders brutal. Wenn Peking offene Preisunterbietungen erschwert, verlagert sich der Wettbewerb stärker auf Ausstattung, Finanzierung, Softwarefunktionen, Garantien, Händlerkonditionen und Exportmärkte. Der Preiskampf verschwindet also nicht zwingend, er bekommt neue Formen.

Für europäische Automobilhersteller ist das unbequem. Sie können nicht darauf hoffen, dass China sich durch den eigenen Wettbewerb selbst schwächt. Wahrscheinlicher ist, dass die Regulierung den Markt diszipliniert und am Ende vor allem jene Unternehmen stärkt, die ohnehin die besten Voraussetzungen haben. Aus einem wilden Markt mit vielen Marken könnte ein konzentrierter und gebündelter Markt mit wenigen sehr effizienten Herstellern werden.

Keine Entwarnung für Europa

Die unter anderem von BYD vorhergesagte Konsolidierung bleibt damit die logische Folge. Nicht jede chinesische Marke wird den Übergang in diese nächste Phase überleben. Zu groß sind die Überkapazitäten, zu teuer die Entwicklung neuer Elektroplattformen, Softwarearchitekturen und Assistenzsysteme, zu gering die Spielräume bei den Preisen. Wer keine klare technologische Stärke oder ausreichende Skaleneffekte hat, dürfte kaum dauerhaft bestehen können.

Für Europa macht das die Lage nicht einfacher. Schon heute setzen chinesische Hersteller deutsche Marken im größten Automarkt der Welt unter Druck. Wenn Peking den Preiskampf im Inland bremst, steigt zudem der Anreiz, höhere Margen im Ausland zu suchen. Europa, Südostasien, Lateinamerika und der Nahe Osten werden damit noch wichtiger. EU-Zölle können diesen Trend verlangsamen, aber nicht stoppen.

Das mögliche Ende des harten Preiskampfs in China wäre deshalb kein Wendepunkt zugunsten der europäischen Konkurrenz. Es könnte vielmehr der Moment sein, in dem Chinas Autoindustrie erwachsener wird: weniger Chaos, mehr Disziplin, stärkere Überlebende – und damit langfristig womöglich noch gefährlichere Wettbewerber. Doch aktuell tricksen viele Hersteller in China noch, um ihre Fahrzeuge trotzdem besonders günstig anzubieten – zum Beispiel durch völlig überzogene Inzahlungnahmen von Gebrauchtwagen.

Quelle: Automobilwoche – Endet der harte Preiskampf in China?

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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