Experte über E-Autos: „Das sind stolze Zahlen, die auf eine steile Hochlaufkurve hinweisen“

Experte über E-Autos: „Das sind stolze Zahlen, die auf eine steile Hochlaufkurve hinweisen“
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1756375439

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Fabian Brandt ist Partner bei Oliver Wyman und leitet den globalen Geschäftsbereich Automobil- und Fertigungsindustrie bei der Strategieberatung. In einem Interview mit dem Manager Magazin erklärte der Autoexperte, warum Elektroautos in 2020 so erfolgreich waren. Und wie es 2021 weitergehen könnte.

Der Effekt des im Corona-Hilfspaket auf 9000 Euro erhöhten Umweltbonuswar sehr deutlich spürbar, wie die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zeigen“, so Brandt. Im November machten reine Elektroautos bei den Neuzulassungen bereits einen Anteil von zehn Prozent aus, hinzu kommt ein Anteil von 25 Prozent durch Hybridautos. „Das sind wirklich stolze Zahlen, die auf eine steile Hochlaufkurve hinweisen“, so der Berater. Sie zeigen auch, dass staatliche Anreize für den Erfolg der E-Mobilität „schon ein großer Hebel“ und ein „klares Signal“ sein können.

Elektroautos seien in 2020 so richtig im Automarkt angekommen. Die großzügige Förderung spiele dabei natürlich eine Rolle, hinzu komme aber auch das deutlich größere Angebot an Fahrzeugmodellen: „Es gibt nun von vielen Herstellern Elektro-Modelle, die wettbewerbsfähig sind, auch bei den Leistungsparametern“, so Brandt. Ebenfalls geholfen habe, dass nun auch mehr und mehr „etablierte Automarken solche Modelle anbieten“, womit jetzt „auch breitere Bevölkerungsschichten“ Interesse an E-Mobilität zeigen: „Normalverbraucher setzen lieber auf Marken, die sie bereits kennen und die stabile Verkaufs- und Servicenetze haben.“

Zudem habe sich nun langsam „ein gesellschaftlicher Konsens durchgesetzt, dass die Elektroantriebe entscheidend sind zur Erreichung der Klimaziele“, so Brandt. Elektroauto seien als Klimasicht „eine echte, pragmatische und kurzfristig verfügbare Alternative“. Zudem werden in den Umbau von Autofabriken „Milliarden investiert“, was „den Schwenk Richtung E-Antriebe ein Stück weit unumkehrbar“ mache, erklärt Brandt.

Was noch „massiv“ fehle, sei „ein gut ausgebautes Ladesäulen-Netz“, gibt der Automobilexperte zu bedenken: „Wir haben aktuell rund 31.000 öffentliche Ladepunkte, bis 2025 brauchen wir rund 300.000 Ladepunkte, bis 2030 sollen es eine Million werden“. Für einen „breiten Durchbruch“, um diese Zahlen zu erreichen, brauche es aber auch in diesem Bereich „eine begleitende staatliche Finanzierung“, findet Brandt.

In den kommenden Jahren werden sich „etablierte Hersteller anstrengen müssen, ihre bislang dominante Marktstellung nun auch in den Elektroauto-Bereich zu übertragen“, sagt Brandt voraus: „Wenn sie weiter wichtig sein wollen, müssen sie auch in diesem Bereich eine führende Stellung einnehmen“. Viele seien in dieser Hinsicht „schon auf einem guten Weg“. 2021 werde es besonders wichtig „die Stabilität der Zuliefererlandschaft sicherzustellen“, findet der Experte, der bereits in 2020 „eigentlich mit einer massiven Zunahme an Zulieferer-Insolvenzen gerechnet“ habe. Die Autohersteller aber seien „auf die Technologien und Fertigungskompetenzen ihrer Zulieferer angewiesen“ und sollten, „um Ausfälle zu vermeiden“, versuchen, die „sehr engen Partnerschaften“ aufrechtzuerhalten.

Quelle: Manager Magazin – Elektroautos: Was 2020 ihren Durchbruch in Deutschland brachte, worauf es 2021 ankommt

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Strategiewechsel: Stellantis will Investitionen künftig auf Kernmarken konzentrieren

Strategiewechsel: Stellantis will Investitionen künftig auf Kernmarken konzentrieren

Tobias Stahl  —  

Stellantis will künftig wohl stärker in seine Kernmarken investieren – zulasten anderer Konzernmarken wie Opel oder Citroën, berichten Konzerninsider.

Schneider: Elektroautos machen uns unabhängig von fossilen Krisen

Schneider: Elektroautos machen uns unabhängig von fossilen Krisen

Michael Neißendorfer  —  

„Elektromobilität und erneuerbare Energien machen uns unabhängiger von dem, was an der Straße von Hormus passiert“, so Umweltminister Carsten Schneider.

T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

Michael Neißendorfer  —  

Der ACEA und die deutsche Regierung setzen sich für weitere Lockerungen zugunsten von Verbrennern ein. Das könnte die EU-Bürger teuer zu stehen kommen.

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Sebastian Henßler  —  

25 Forschungs- und Industriepartner bündeln ihre Kompetenz: SIB:DE Entwicklung soll eine wettbewerbsfähige Natrium-Ionen-Fertigung in Europa aufbauen.

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

Sebastian Henßler  —  

Die Autoindustrie baut massiv Stellen ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärt, was sie von EU, Bundesregierung und Unternehmen erwartet.

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

Sebastian Henßler  —  

Tech-Konzerne kaufen den Chipmarkt leer, die Autobranche zahlt drauf. Einzelne Speicherbausteine sind bis zu 400 Prozent teurer geworden.

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.