Chinesische Investoren interessieren sich für VW-Werke

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Volkswagen

Maria Glaser
Maria Glaser
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Fabriken von Volkswagen, die zur Schließung vorgesehen sind, könnten bald von chinesischen Investoren und Unternehmen aufgekauft werden. Dem Nachrichtendienst Reuters zufolge und unter Berufung auf Quellen seien sowohl der chinesische Staat als auch die Automobilindustrie daran interessiert.

Die deutsche Automobilindustrie, vor allem mit Volkswagen als Vorzeigemarke, hat einen ganz besonderen symbolischen Wert, sowohl im Inland als auch im Ausland. Entsprechend aussagekräftig wäre es auch, wenn Werke von VW an chinesische Unternehmen verkauft werden. Es würde das Narrativ stützen, dass die deutsche Automobilindustrie an Einfluss verliert, während chinesische Hersteller weltweit die Märkte mehr und mehr bestimmen. Vor allem bei Elektromobilität ist dieser Trend klar ersichtlich.

Dass chinesische Unternehmen in Deutschland investieren, ist nicht neu. Von Telekommunikation bis Robotik gibt es bereits starke, wirtschaftliche Verknüpfungen und auch in der Automobilindustrie sind Unternehmen inzwischen multinational aufgestellt. Mercedes-Benz hat beispielsweise große chinesische Aktionäre. Traditionelle Automobilproduktion wurde von chinesischer Seite in Deutschland jedoch noch nicht aufgebaut.

Dass chinesische Investoren stark an der deutschen Automobilbranche interessiert seien, habe die chinesische Handelskammer in Berlin gegenüber Reuters bestätigt. Man betrachte diese als strategisch wichtige Perspektive und glaube, dass die Gewinnung der anspruchsvollen deutschen Verbraucher:innen ein Schlüssel zum Erfolg ist.

Chinas „politisch heikelste Investition“

Reuters zufolge könne das Aufkaufen von ausgemusterten VW-Werken die bisher politisch heikelste Investition Chinas sein. VW sei seit langem ein Symbol für Deutschlands industrielle Leistungsfähigkeit, die jedoch bedroht sei durch weltweite Konjunkturabschwächung und die stockende Umstellung auf grüne Technologien.

Mit dem Aufbau von Produktion in Deutschland wären verschiedene Vorteile für chinesische Unternehmen verbunden. Dazu gehört die Umgehung von EU-Zöllen auf importierte Elektroautos, was zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hersteller weiter bedrohen könnte. Seitdem die Zölle im Oktober eingeführt wurden, suchen viele chinesische Autohersteller nach alternativen Handelsmöglichkeiten. Eine Strategie ist die zunehmende Umstellung der Importe auf Hybridautos, die den Zöllen nicht unterliegen. Eine weitere Möglichkeit ist die Standortsuche für Fabriken in Europa. So hat BYD beispielsweise bereits in Ungarn und der Türkei investiert, wo die Kosten niedrig und der Gewerkschaftseinfluss schwach sind. Leapmotor erwägt außerdem ein Werk in Spanien für Elektroautos und produziert bereits mit Stellantis in Polen. Chery Auto will mit der Herstellung von Elektroautos in einem früheren Nissan-Werk in Spanien beginnen.

VW sei offen für den Verkauf an chinesische Käufer, so Reuters. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass der Verkauf der Fabriken im Vergleich zur Schließung deutlich rentabler ist für den Konzern. Dabei sei man bestrebt, eine weitere Nutzung für den Standort zu finden, die die Interessen des Unternehmens und der Mitarbeitenden berücksichtigt. Auch die Beschäftigten eines der Werke hätten nichts dagegen, für einen der chinesischen Joint-Venture-Partner von Volkswagen zu produzieren, so der Gewerkschaftsvertreter Stephan Soldanski.

Da China staatlichen Einfluss auf bestimmte Investitionen nehmen kann, seien diese Investitionsentscheidungen in VW-Werke laut Reuters auch von der Haltung der neuen deutschen Regierung gegenüber China nach den Wahlen im Februar abhängig. Während die wirtschaftlichen Verbindungen von Deutschland zu China unter Merkel sehr stark waren, haben sich die internationalen Beziehungen inzwischen verschlechtert. Deutschland und Europa sehen eine wirtschaftliche Abhängigkeit als zunehmend kritisch und versuchen, dieser entgegenzuwirken. Außerdem bestehen Uneinigkeiten bei politischen und gesellschaftlichen Themen wie Menschenrechten in China. Die derzeitige Außenministerin Annalena Baerbock hatte China daher als Rivalen und Präsident Xi Jinping als Diktator bezeichnet.

Außerdem seien chinesische Unternehmen, so Reuters, besorgt darüber, wie sie von den deutschen Gewerkschaften aufgenommen würden. Diese haben die Hälfte der Sitze in den Beiräten deutscher Unternehmen inne und streben weitreichende Standort- und Arbeitsplatzgarantien an. Man hoffe von chinesischer Seite aus, dass auch die deutsche Seite offen bleibt und ein faires, gerechtes und diskriminierungsfreies Geschäftsumfeld für chinesische Firmen schafft.

Volkswagen in der Krise

Die aktuellen Schwierigkeiten bei Volkswagen zeigen, wie stark die deutsche Automobilindustrie tatsächlich schwächelt. Der Konzern, zu dem auch Marken wie Porsche, Audi und Skoda gehören, prüft aktuell alternative Nutzungsmöglichkeiten für seine Fabriken in Dresden und Osnabrück, um seine deutschen Standorte zu verkleinern. Dies ist Teil eines Kostensenkungsprogramms.

Damit stieß VW auf starken Widerstand der Gewerkschaften, die noch mehr Werksschließungen verhindern konnten. Ende letztes Jahr einigte man sich darauf, lediglich die Produktionen in Dresden ab 2025 und Osnabrück ab 2027 einzustellen. Im Dresdner Werk arbeiten 340 Mitarbeitende am Elektroauto ID.3 und in Osnabrück sind 2300 Angestellte an dem T-Roc Cabrio beschäftigt.

Quelle: Reuters – Exclusive: Chinese buyers interested in unwanted German Volkswagen factories, source says

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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