Der deutsche Automobilverband VDA forderte in der vergangenen Woche zusammen mit anderen Lobbyverbänden eine Ausnahmeregelung für Biokraftstoffe in den EU-Flottengrenzwerten für 2035. Das würde die Nachfrage nach Biokraftstoffen aus Abfallstoffen wie tierischen Fetten, gebrauchtem Speiseöl und Palmöl-Nebenprodukten enorm steigern, wie eine neue Analyse von T&E zeigt. Ein mit tierischen Fetten betriebenes Auto würde beispielsweise jährlich die Menge an Fetten von 120 Schweinen benötigen. Zudem lösen auch nachhaltig erzeugte Treibstoffe für Verbrenner die Lärm- und Abgasprobleme in unseren Innenstädten nicht.
Die Automobil- und Kraftstoffindustrie machen erneut gemeinsam Druck, den Verkauf neuer Verbrenner, die mit Biokraftstoffen betrieben werden, auch nach 2035 zuzulassen. Diese Ausnahmeregelung war zuletzt auch durch die Länder bei der Ministerpräsidentenkonferenz gefordert worden. Das würde dazu führen, dass Autos die sehr begrenzte Menge an fortschrittlichen Biokraftstoffen verbrauchen. So würde es schwieriger, schwer zu dekarbonisierende Sektoren wie die Luftfahrt klimafreundlicher zu machen. Basierend auf den aktuellen europäischen Zielen werden allein Flugzeuge und Schiffe im Jahr 2050 etwa doppelt so viel fortschrittliche Biokraftstoffe benötigen, wie in Europa – im optimistischsten Szenario – nachhaltig hergestellt werden können.
„Das ist nichts anderes als eine Verzögerungstaktik für den Verbrenner“
„Biokraftstoffe als skalierbare Lösung zu präsentieren, ist eine gezielte Irreführung der Industrie. Die Europäer können nicht genug Pommes essen, um auch nur einen Bruchteil der Autos in Europa mit Speiseölresten nachhaltig zu betreiben, geschweige denn Schiffe und Flugzeuge. Warum propagieren die Auto- und Öl-Lobby Scheinlösungen, wenn wir mit E-Autos bereits über eine ausgereifte Technologie verfügen? Das ist nichts anderes als eine Verzögerungstaktik für den Verbrenner und sie wird deutsche Hersteller auf dem globalen Markt für E-Autos noch weiter zurückwerfen“, kommentiert Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland.
Biokraftstoffe auf Abfallbasis sind nicht in dem Maß skalierbar, wie es für eine europäische Verbrenner-Flotte notwendig wäre. Europa importiert bereits mehr als 80 Prozent seines gebrauchten Speiseöls aus Ländern wie China und Malaysia. Tierische Fette sind einer der beliebtesten Abfallrohstoffe. Bereits heute verbrauchen europäische Autos jährlich 1,3 Millionen Tonnen tierische Fette – das entspricht 200 Millionen geschlachteten Schweinen. Für jedes neue Auto, das mit tierischen Fetten betrieben wird, wären laut der Analyse 120 Schweine pro Jahr erforderlich.

Die Diskrepanz zwischen der Nachfrage und der Verfügbarkeit von Biokraftstoffen würde auch die Abhängigkeit Europas von Importen erhöhen. Derzeit schätzt T&E, dass 60 Prozent der Biokraftstoffe in Europa – einschließlich pflanzlicher und fortschrittlicher Biokraftstoffe – aus Drittländern importiert werden. Mit der zusätzlichen Nachfrage nach Verbrennern, die durch die Ausnahmeregelung erzeugt würde, könnte dieser Anteil laut der Analyse bis 2050 auf 90 Prozent steigen.
Am Ende landet womöglich illegales echtes Palmöl in den Tanks
Eine stärkere Abhängigkeit von Biokraftstoffimporten würde auch das Betrugsrisiko erhöhen, indem natives Palmöl und andere pflanzliche Speiseöle als Altöle ausgegeben werden. Frühere Untersuchungen von T&E haben alarmierende Diskrepanzen bei den Importen von Abfall-Biokraftstoffen nach Europa aufgezeigt. So importiert Europa beispielsweise dreimal mehr gebrauchtes Speiseöl aus Malaysia, als in diesem Land gesammelt werden kann.
In einer weiteren Untersuchung hat T&E gezeigt, dass Europa mehr Palmölmühlenabwasser (POME) – ein Nebenprodukt der Palmölproduktion – importiert, als weltweit gesammelt werden kann. Die indonesische Regierung spricht sogar davon, dass 15-mal so viel exportiert wurde, wie realistisch zu erwarten wäre und geht davon aus, dass die POME-Exporte große Mengen des in Deutschland als Kraftstoff verbotenen echten Palmöls enthalten.
Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 27.11.2025







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