Der Volvo EX30 Cross Country erweitert die EX30-Baureihe um eine Variante, die sich optisch robuster zeigt und in einzelnen Punkten funktional anders aufgestellt ist, ohne den kompakten Charakter zu verlieren. Der normale EX30 ist klar auf kurze bis mittlere Strecken ausgelegt. In der Cross-Country-Ausführung verschiebt Volvo dieses Profil leicht in Richtung vielseitigerer Nutzung, ohne einen Offroad-Stromer daraus zu machen.
Die Höherlegung um 19 Millimeter verändert die Silhouette spürbar und sorgt für eine andere Wahrnehmung auf der Straße. Besonders im dichten Stadtverkehr macht sich die erhöhte Sitzposition positiv bemerkbar, die vor allem beim Blick über parkende Autos hinweg einen kleinen Vorteil bringt. Gleichzeitig bleibt das Auto kompakt genug, um Lücken entspannt anzusteuern und enge Parkhäuser ohne Einschränkungen zu nutzen.
Der Unterschied zum normalen EX30 fällt weniger im Wendekreis auf, sondern in den leicht spürbaren Reserven, wenn der Asphalt uneben wird oder Kanten und Querfugen auftreten. Das Auto bleibt stabil und hält die Bewegung sauber, ohne den Eindruck eines weichen Aufbaus zu vermitteln.

Die robustere Optik entsteht durch die Kunststoffbeplankungen rund um die Karosserie, die zusätzlich schützen sollen. Gerade im Alltag, wenn Bordsteine, enge Parkflächen mit Büschen oder Baustellenkanten eine Rolle spielen, zeigt sich diese Idee praktischer als erwartet. Dass dahinter nicht nur reine Marketing-Ansätze von Volvo stecken, durften wir selbst erfahren. Uns ist beim Abbiegen an einer Kreuzung auf unseren stehenden Cross Country ein Motorrad in die Seite gerutscht. Nachdem die Situation geklärt und die Fahrerin verarztet war, hieß es beim EX30 Cross Country Kunststoffbeplankung andrücken – und weiter gings. Mehr als ein kleiner Schreck ist nicht mit uns nach Hause gefahren.
Design spielt eine Rolle, doch Funktion bleibt entscheidend
Die markante Front mit der matten Fläche und der eingravierten Topografie des schwedischen Kebnekaise ist ein Detail, das sich klar von der Standardversion abgrenzt. Funktional bleibt es ein Designelement, doch es fügt sich stimmig in den Anspruch ein, ein Auto für etwas breitere Einsatzbereiche anzubieten. Auch der Unterfahrschutz vorne und hinten schützt nicht vor Steinkontakt im Gelände, aber er hält Schmutz und leichte Stöße besser aus. Der Offroad-Kontext bleibt damit eher leichtgewichtig, aber durchaus passend für Schotterwege auf dem Weg zum Badesee, für Waldparkplätze oder für kleine Abstecher auf unbefestigte Zufahrten. Genau dort gewinnt die Höherlegung an Bedeutung, da das Auto weniger schnell aufsetzt und sich ruhiger bewegt als der normale EX30.



Beim Antrieb bleibt der Cross Country eng am bekannten Twin Motor Performance. Zwei Permanentmagnetmotoren arbeiten an Vorder- und Hinterachse und bringen gemeinsam 315 kW und 543 Nm Drehmoment auf die Straße. Die Kraftentfaltung ist direkt, aber gut dosierbar. In der Stadt ist nur ein kleiner Teil der Leistung nötig, doch das spontane Ansprechen sorgt für Reserven beim Einordnen in den Verkehr. Auf der Landstraße folgt das Auto präzise der Lenkung und verteilt die Antriebsmomente nahezu unmerklich zwischen Vorder- und Hinterachse. Der Allradantrieb verhindert durchdrehende Räder zuverlässig, auch wenn der Untergrund feucht ist oder sich lose Partikel auf der Fahrbahn befinden.
Auf der Autobahn zeigt das Auto dagegen ein gemischtes Bild. Die erhöhte Stirnfläche und der cw-Wert von 0,30 wirken sich auf den Verbrauch aus. Bei konstanten 130 km/h steigt der Energiebedarf spürbar, was den Cross Country weniger effizient macht als den normalen EX30. Dort, wo der Standard-EX30 einige Kilometer mehr aus dem Akku holt, benötigt die höhergelegte Variante mehr Energie, ohne unvernünftig zu wirken. Der 69-kWh-Akku (65 kWh netto) bietet eine realistische Reichweite zwischen 300 und 350 Kilometern im gemischten Einsatz, abhängig von Temperatur und Fahrstil. Auf rein städtischen Strecken sind Werte darüber möglich, auf langen Autobahnabschnitten darunter.



Beim Laden profitiert der Testwagen vom 22-kW-Onboard-Lader, der ab Werk integriert ist. Im Alltag an öffentlichen AC-Ladesäulen verkürzt das die Standzeiten spürbar. An HPC-Säulen lädt der EX30 Cross Country mit bis zu 175 kW. Eine Ladung von 10 auf 80 Prozent gelingt unter Idealbedingungen in rund 25 bis 27 Minuten. Die Ladeleistung bleibt relativ stabil, wodurch sich die Planung auch bei mehreren Stopps gut umsetzen lässt. Die Google-basierte Navigation integriert Ladepunkte sinnvoll und erkennt Ladegeschwindigkeiten zuverlässig. In puncto Schildererkennung könnte Volvo allerdings noch ein wenig nachlegen.


Innen reduziert, funktional, aber nicht ohne Kritikpunkte
Im Innenraum folgt der Cross Country weitgehend dem bekannten Konzept. Das Wool-Blend-Interieur des Testwagens kombiniert eine weiche Haptik mit Materialien, die recycelte Bestandteile enthalten und sich wertig anfühlen. Der Innenraum bleibt bewusst reduziert. Der große zentrale Touchscreen bündelt alle Funktionen. Das Fehlen eines Kombiinstruments hinter dem Lenkrad fällt bei den ersten Fahrten stärker auf als später. Die Anzeige der Geschwindigkeit im linken oberen Bereich des Hauptbildschirms ist gut sichtbar, auch wenn ein Head-up-Display oder ein kleines Zusatzdisplay auf Dauer angenehmer wären. Die Menüstruktur ist klar, und die Integration von Google Maps, Assistant und CarPlay funktioniert ohne Verzögerungen.






Zwar verlangt die Lüftungssteuerung über Touch etwas mehr Aufmerksamkeit, bewegt sich aber im Rahmen dessen, was in dieser Klasse üblich ist. Die Harman-Kardon-Anlage liefert einen klaren Klang und unterstreicht den Fokus auf moderne Innenraumgestaltung. Auffällig ist die gute Geräuschdämmung. Windgeräusche treten erst ab ungefähr 120 km/h deutlicher hervor. Die Dämmung der Radkästen bleibt solide, auch wenn grober Asphalt leichte Geräusche zulässt.




Die Platzverhältnisse entsprechen dem bekannten EX30. Erwachsene sitzen hinten ausreichend komfortabel, solange die Vordersitze nicht zu tief eingestellt sind. Der Kofferraum mit 318 Litern Stauraum ist kompakt, aber alltagstauglich. Die klare Markierung möglicher Ladungsmaße direkt auf dem Kofferraumboden ist im Alltag hilfreich und verhindert Fehleinschätzungen. Unter dem Ladeboden befindet sich ein weiteres Fach, das Ladekabel sauber aufnimmt. Der kleine Frunk mit sieben Litern genügt für ein Typ-2-Kabel und sorgt dafür, dass es nicht im Kofferraum liegen muss.
Warum der Cross Country die Baureihe sinnvoll ergänzt
Insgesamt vermittelt der EX30 Cross Country im Alltag das Gefühl, ein kompakter Begleiter zu sein, der bewusst etwas mehr Flexibilität bieten soll, ohne sich vom Charakter des Basisfahrzeugs zu lösen. Die Höherlegung und die optischen Elemente erfüllen ihren Zweck, ohne eine Fahrzeugklasse zu simulieren, der der EX30 nicht angehören kann.
Wer viel im urbanen Raum unterwegs ist und gleichzeitig Strecken über Land und auf Autobahnen zurücklegt, erhält ein Auto, das in den wesentlichen Bereichen stabil und berechenbar bleibt. Kleine Abstecher auf unbefestigte Wege oder Schotterstrecken passen ebenfalls zu diesem Profil. Damit ergänzt die Cross-Country-Version die Baureihe sinnvoll und bietet eine klare Alternative für jene, die genau diese Mischung suchen.
Disclaimer: Der Volvo EX30 Cross Country wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für den Zeitraum von zwei Wochen von Volvo zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.







Kommentare (Wird geladen...)