Bund stellt mehr Geld für Batterieforschung zur Verfügung

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Michael Neißendorfer
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Nach massivem Streit um die Forschungsfabrik in Münster stellt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) nun insgesamt mehr Geld für Batterieforschung zur Verfügung. Statt 500 Millionen Euro sollen in den kommenden vier Jahren insgesamt 560 Millionen Euro fließen. Zudem sollen Gelder in weitere Projekte umgeleitet werden, weil Münster zunächst gar nicht so viel benötige wie zunächst geplant. Das erfuhr das Handelsblatt nach einem Treffen von Karliczek mit Ministern aus den betroffenen Ländern aus Teilnehmerkreisen. Damit könnten neben Nordrhein-Westfalen weitere Bundesländer profitieren.

Das Dachkonzept des Bundes zur „Forschungsfabrik Batterie“ soll nach Angaben aus Baden-Württemberg nun um 100 Millionen Euro erweitert werden, die in drei Cluster fließen sollen. Wohin genau, werde das Bundesministerium Anfang 2020 entscheiden. Teilnehmerkreisen zufolge sollen weitere 60 Millionen Euro für „neue Projekte außerhalb des Dachkonzeptes“ dazukommen und 150 Millionen für bereits zugesagte oder laufende Projekte, ebenfalls außerhalb des Dachkonzeptes. Die zusätzlichen Mittel würden teilweise auch deshalb frei, weil Münster bis 2024 nur 250 Millionen Euro sinnvoll ausgeben könne, der Rest der dort zugesagten 500 Millionen werde erst danach gebraucht.

Vorangegangen war ein heftiger Streit um den Zuschlag für die neue Batterieforschungsfabrik am Standort Münster. Kritisiert wurde, dass der Standort in unmittelbarer Nähe des Wahlkreises der Ministerin liege und zudem das Auswahlverfahren chaotisch und nicht nachvollziehbar abgelaufen sei. Neben Münster hatten sich Ulm, Salzgitter, Itzehoe, Dresden und Augsburg beworben.

Volkswagen nur bedingt an eigener Zellfertigung interessiert

Volkswagen indes wird nur in der Anfangszeit in eine eigene Zellfertigung investieren, um jetzt den Einstieg in die Technologie zu schaffen, so das Handelsblatt. „Es ist nicht unser Ziel, die eigene Zellfertigung langfristig immer komplett bei uns im Konzern zu haben. Unser eigenes Engagement ist der Situation geschuldet, dass wir eine gigantische Industrie in einer viel zu kurzen Zeit aufbauen müssen“, sagte VW-Einkaufsvorstand Stefan Sommer im Gespräch mit der Wirtschafts- und Finanzzeitung. Langfristig sieht Volkswagen die Zellfertigung vielmehr bei Zulieferern.

Sommer signalisierte zugleich Unverständnis für die Haltung großer deutscher Zulieferkonzerne, die sich gegen eine eigene Zellfertigung entschieden haben. 20 bis 30 Prozent der Wertschöpfung, die die Zulieferer bislang für die Produktion eines Autos bereitstellen, entfalle künftig auf die Batterie. „Die Zulieferer geben diesen großen Anteil ihres Marktes auf, wenn sie sich gegen die Zellfertigung entscheiden“, betonte Sommer.

Volkswagen setzt auch auf das Recycling von Batterien, um sich in Zukunft von Rohstofflieferungen unabhängiger zu machen. „Größere Mengen von Batterie-Rückläufern sind Ende der 2020er-Jahre zu erwarten. Dann sind so viele Elektroautos unterwegs, dass ein ausreichend großer Markt für das Recycling entstanden sein sollte“, sagte Sommer.

Der VW-Konzern sieht einen großen Investitionsbedarf für die eigene Versorgung mit Batteriezellen. Der Wolfsburger Autohersteller kalkuliert für sich bis 2030 mit 60 Milliarden Euro. Die weltweite Umstellung der gesamten Automobilindustrie dürfte bis zum Jahr 2040 in die Billionen gehen. „Wir sprechen ganz schnell von einem vierstelligen Milliardenbetrag für alles, wir kommen also in die Billionen für die gesamte Transformation der Branche“, sagte Sommer.

Quelle: Handelsblatt – Vorabmeldungen vom 08. und 13.11.2019

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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