Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030
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Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 4 min

Immer mehr chinesische Autohersteller bereiten ihre Produktion in Europa vor. Während einige Hersteller neue Fabriken aufbauen, nutzen andere unausgelastete Fertigungslinien ansässiger europäischer Hersteller. Das Analysehaus Global Mobility rechnet bis 2030 mit einem Produktionsvolumen chinesischer Marken von einer Million Autos.

Die Produktionsvorhaben der Chinesen in Europa werden durch den geplanten Industrial Accelerator Act (IAA) der Europäischen Union beschleunigt. Während die Details des IAA, der die Produktion in Europa stärken soll, derzeit im Europaparlament und zwischen den Regierungen der Mitgliedstaaten ausgehandelt werden, bestehen in der Industrie kaum Zweifel an den künftigen Quoten für industrielle Wertschöpfung sowie den Vorschriften für ausländische Direktinvestitionen.

Infolgedessen bleibt chinesischen Herstellern keine andere Wahl, sagten Experten gegenüber der Automobilwoche. Die finalen Vorgaben des IAA beeinflussten direkt, wie stark die chinesischen Hersteller die Wertschöpfung nach Europa verlagern und letztendlich auch, wie viele Arbeitsplätze entstehen.

Das Analysehaus Global Mobility, das seit dem 1. Juli als eigenständiges Unternehmen von S&P Global agiert, prognostiziert erste spürbare Effekte durch die chinesische Produktion in Europa im Jahr 2030. „2026 werden in Europa rund 90.000 Autos chinesischer Marken produziert. Für 2030 erwarten wir eine Million, 2035 dann 1,5 Millionen“, lautet die Einschätzung von Henner Lehne, Vice President von Global Mobility.

Spanien als bevorzugter Standort

Mit Abstand das bevorzugte Produktionszentrum der Chinesen wird laut den Analysen von Global Mobility Spanien, gefolgt von Ungarn, Großbritannien und Österreich. Chery will bis Ende des Jahres die Produktion im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona beginnen und plant zudem eine Partnerschaft mit Nissan in dessen britischem Werk Sunderland.

Daneben hat die SAIC-Motor-Tochter MG Motor mit dem Bau des ersten europäischen Werks im spanischen Galicien begonnen, während Geely auf eine Partnerschaft mit Ford setzt und 2027 die Produktion in dessen Werk in Valencia aufnehmen will. Auch der größte chinesische Hersteller BYD soll die Fertigung in Spanien erwägen, startet aber im Herbst dieses Jahres zunächst einmal mit der Produktion in seinem ungarischen Werk.

Das Analysehaus Global Mobility rechnet damit, dass bis 2030 rund die Hälfte der chinesischen Modelle in Spanien gefertigt werden. Bis 2035 könnte es demnach sogar knapp eine Million sein, was rund zwei Dritteln der bis dahin geschätzten 1,5 Millionen Fahrzeugen entspräche.

Umdenken bei Europastrategie

Die Studie „China-Schock 2.0“ der Ökonomen Sander Tordoir und Brad Setser, die im Mai dieses Jahres veröffentlicht wurde, sorgte für starkes Aufsehen in der Politik. Sie kam zu dem Ergebnis, dass China mit seiner aggressiven Wirtschafts- und Währungspolitik Europas Industrie bedroht, vor allem die Automobilbranche.

Tordoir, Chefökonom des Thinktanks Centre for European Reform (CER), forderte die Politik auf, Anreize für Automobilhersteller zu schaffen, „in Europa für Europa zu produzieren“, damit sichergestellt werden könne, dass chinesische Firmen in Europa auch europäische Arbeitskräfte beschäftigen.

Bei vielen Herstellern hat der IAA bereits dazu geführt, ihre Europastrategie nochmals zu überarbeiten, ist auch Xing Zhou, Managing Director bei AlixPartners, überzeugt. Als „riesig“ für die chinesischen Unternehmen bezeichnet Gregor Williamds, China-Experte der Denkfabrik Rhodium Group, den IAA.

Für Hersteller wie BYD mit hoher Fertigungstiefe sei es unklar, ob sich die Verlagerung der Produktion am Ende lohne. „Denn um als ‚Made in Europe‘ zu gelten, müssten dann auch große Teile der Komponenten inklusive der Batterie lokal hergestellt werden“, so Williams.

Risiko für europäische Zulieferer

Ein Risiko sieht Tordoir darin, dass China möglicherweise reine Montagewerke für chinesische Bauteile in der EU eröffnet, was mit einer minimalen wirtschaftlichen Wertschöpfung für die Europäer einhergehen würde.

Die Prognosen von Global Mobility gehen hingegen davon aus, dass bereits 2030 die komplette Fertigung chinesischer Modelle in Europa gegenüber der Teilmontage von Komponenten, auch als Completely Knocked Down (CKD) bezeichnet, überwiegt. Laut der Prognose, die versucht, den IAA zu modellieren, würden im Jahr 2035 fast 90 Prozent der Autos in Europa hergestellt.

Während europäische Zulieferer sich erhoffen, von der Produktion chinesischer Autobauer in Europa zu profitieren, sieht Global-Mobility-Experte Lehne genau an dieser Stelle ein Risiko: „China könnte Zulieferer übernehmen. Damit würde weiteres Know-how, wie im Fall des Roboterherstellers Kuka, abfließen.“

Quelle: Automobilwoche – Exklusiv: China baut bald 1,5 Millionen Autos in Europa – und damit lauern neue Risiken

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