MG Motor baut sein erstes Fahrzeugmontagewerk in Europa im spanischen Galicien auf. Die Marke, eine Tochtergesellschaft von SAIC Motor, gab am 1. Juni bekannt, rund 200 Millionen Euro in den Standort zu investieren. Die Produktionsaufnahme ist für 2028 geplant, die jährliche Kapazität soll bis zu 120.000 Fahrzeuge betragen. Mit dem Schritt setzt MG seine Strategie „in Europa, für Europa“ in die Tat um, mit dem Ziel, lokale Fertigung aufzubauen, Lieferketten zu verkürzen und sich stärker an den Industrie- und Umweltpolitiken der Europäischen Union auszurichten.
Hintergrund des Engagements sind auch die erheblichen Zollbelastungen, mit denen MG derzeit konfrontiert ist. Die EU erhebt auf aus China exportierte Elektroautos von MG einen Zusatzzoll von 35,3 Prozent, hinzu kommt der reguläre Einfuhrzoll von zehn Prozent. Damit ist SAIC der am höchsten belastete chinesische Automobilhersteller im europäischen Markt. Die EU hatte die Zusatzzölle 2024 nach einer Untersuchung staatlicher Subventionen für die chinesische Elektroauto-Wertschöpfungskette eingeführt. Eine eigene Produktion innerhalb der EU umgeht diese Abgaben vollständig.
Das geplante Werk in Galicien soll Forschung und Entwicklung, Fertigung, Komponentenversorgung und Logistik in einem integrierten industriellen Ökosystem bündeln. Ziel ist es, die Resilienz der europäischen Lieferkette zu stärken und den lokalen Beschaffungsanteil zu erhöhen. Galicien bietet aus logistischer Sicht günstige Voraussetzungen: Die Region liegt strategisch vorteilhaft für den Import von Teilen aus China sowie für den Export fertiger Fahrzeuge in den wichtigsten europäischen Markt Großbritannien und zu den bedeutenden Einlaufhäfen Antwerpen, Zeebrügge und Bremerhaven. Das Projekt soll mehr als 2000 Arbeitsplätze in Europa schaffen.
William Wang, CEO von MG UK und Europa, erklärte, das Unternehmen reagiere „nicht nur auf die Zukunft der Mobilität, sondern helfe dabei, sie zu gestalten“, indem es in lokale Kapazitäten investiere und das europäische Automobilökosystem stärke. Spanien hat sich in den vergangenen Jahren aktiv als Standort für Elektromobilitätsinvestitionen positioniert und bietet entsprechende Anreize, ein etabliertes automobiles Ökosystem sowie vergleichsweise niedrige Energiekosten.
Chinesische Hersteller suchen Halt in Europa
MG ist nicht das einzige chinesische Unternehmen, das auf lokale Produktion in Europa setzt. BYD hat als bislang einziger weiterer chinesischer Automobilhersteller offiziell eine Greenfield-Fabrik in der EU angekündigt, mit Produktionsstart in Ungarn. Leapmotor, das zu Teilen im Besitz von Stellantis ist, wird Fahrzeuge in einem Stellantis-Werk im spanischen Zaragoza fertigen, später auch im Madrider Werk des Konzerns. Chery begann im November 2024 mit der Fahrzeugmontage aus Bausätzen in einem ehemaligen Nissan-Werk nahe Barcelona, in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem spanischen Partner EV Motors, der die historische Fahrzeugmarke Ebro wiederbelebt hat.
Marktdaten von Dataforce zeigen, dass MG von Januar bis April 2026 mit 110.413 verkauften Einheiten (plus elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum) der meistverkaufte chinesische Automobilhersteller in Europa bleibt. BYD folgte mit 102.068 Einheiten (plus 146 Prozent), Chery mit 95.564 (plus 343 Prozent). Die Zahlen umfassen die Märkte der Europäischen Union, Großbritannien und der Europäischen Freihandelsassoziation. MG hat in der Region zuletzt sein einmillionstes Fahrzeug ausgeliefert und betreibt ein Händlernetz mit mehr als 1300 Standorten in 34 Märkten.
Quelle: Schmidt Automotive Research – Another day another Chinese OEM begins local European production / Automotive News Europe – China’s MG to open 1st European factory in Spain, with 2028 start date








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