Der chinesische Autohersteller Chery treibt den Aufbau seiner ersten Produktionsstätte in Europa weiter voran, muss den Zeitplan jedoch erneut anpassen. Nach mehreren Verschiebungen soll der Start der Fertigung im spanischen Werk nun später erfolgen als ursprünglich vorgesehen. Ein hochrangiger Manager bestätigte Reuters gegenüber, dass der Produktionsbeginn zwar weiterhin für dieses Jahr angestrebt werde, sich aber faktisch in Richtung 2026 verschiebe.
Ursprünglich hatte Chery geplant, bereits 2024 Autos in Spanien zu bauen. Daraus wurde nichts. Später war vom vierten Quartal 2025 die Rede, ehe auch dieser Termin als nicht haltbar galt. Als Gründe nannte das Unternehmen kommerzielle Rahmenbedingungen, darunter der Schwenk der Europäischen Union von Zöllen auf Mindestpreise auf in China produzierte Elektroautos. Diese Abgaben haben die Kalkulation vieler Hersteller verändert und beeinflussen Investitionsentscheidungen entlang der gesamten Lieferkette.
Trotz der Verzögerungen hält Chery an Spanien als Produktionsstandort fest. Der Standort befindet sich in der Region um Barcelona, in einem früheren Werk des japanischen Herstellers Nissan. Die Anlage gilt als symbolträchtig, da sie nach dem Rückzug Nissans lange Zeit ungenutzt war. Für die spanische Politik ist die Wiederbelebung des Werks ein Signal für die Attraktivität des Landes als Industriestandort.
Die Fabrik entsteht als Gemeinschaftsunternehmen zwischen Chery und dem spanischen Autobauer Ebro. In der Kooperation werden eine gemeinsame Produktionsplattform sowie geteilte Technologien genutzt. Bereits heute laufen dort Autos unter der Marke Ebro vom Band, während Chery seine eigenen Modelle schrittweise integrieren will.
Chery: Modellmix aus Elektro- und Verbrennerautos geplant
Nach Angaben des chinesischen Herstellers sollen zunächst der SUV Omoda 5 sowie später der Jaecoo 7 in Barcelona gefertigt werden. Geplant sind sowohl Varianten mit Elektroantrieb als auch Versionen mit Verbrennungsmotor. Damit folgt Chery einer flexiblen Strategie, die auf unterschiedliche Marktanforderungen in Europa reagiert, wo sich die Nachfrage nach E-Autos langsamer entwickelt als in China.
Zhu Shaodong, Executive Vice President und CEO für die EU-Region, äußerte sich am Rande einer Veranstaltung in Madrid zuversichtlich. Gegenüber Reuters erklärte er, das Unternehmen fahre seine Aktivitäten in Barcelona weiter hoch. Einen konkreten Quartalsstart wollte er jedoch nicht nennen. Der Beginn der Produktion solle „so schnell wie möglich“ erfolgen, sagte Zhu, ohne sich festzulegen.
Über den europäischen Markt hinaus verfolgt Chery mit dem spanischen Werk eine exportorientierte Perspektive. Laut Zhu ist vorgesehen, Autos von Barcelona aus auch nach Lateinamerika zu liefern. Spanien spiele dabei eine strategische Rolle, da das Land über bestehende Handelsbeziehungen und logistische Vorteile verfüge. Diese Ausrichtung passt zur langfristigen Planung des Gemeinschaftsunternehmens.
Quelle: Reuters – Chery to start production in Spain this year after delays







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