Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

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Geely

Arun Niemann
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Die europäische Autoindustrie wird in vielerlei Hinsicht von der chinesischen Konkurrenz bedroht. Eine neue Deloitte-Studie belegt nun mit Zahlen, wie groß der wirtschaftliche Verlust ist, welcher sich durch die Verlagerung der Wertschöpfung nach Asien anbahnt. Studienautor Harald Proff hält es vor allem für beunruhigend, „dass der Abstand auf die führenden Chinesen eher zunimmt als schrumpft“.

Inzwischen befänden sich demnach bereits 77 Prozent der globalen Produktion von E-Auto-Batteriezellen in Asien, was einem erneuten Anstieg um sieben Prozentpunkte im letzten Jahr entsprach. Aus der Studie geht zudem hervor, dass sich in Europa durch entgangene Autoverkäufe, importierte Zellen und Vorprodukte und entsandte Fachkräfte bis 2030 ein Verlust in der Wertschöpfung von bis zu 150 Milliarden Euro ergeben wird. Dabei kommt die deutsche Autoindustrie zur Einordnung jährlich auf einen Umsatz von circa 440 Milliarden Euro.

Abgesehen von diesem Wertschöpfungsverlust geht aus der Studie auch hervor, dass ein Großteil der europäischen Batteriefabriken chinesischen Konzernen gehören. Mit einem Marktanteil von 98 Prozent dominieren asiatische Konzerne auch in Europa den Batteriemarkt, welcher aber ohnehin nur noch 13 Prozent der globalen Kapazitäten ausmacht. Damit fließt ein Großteil aller Gewinne und auch ein Großteil der Forschung ins Ausland ab.

Dabei handelt es sich bei Batterien für E-Autos eigentlich um einen absoluten Wachstumsmarkt: Binnen eines Jahres ist die globale Produktionskapazität um 26 Prozent auf 920 GWh gestiegen. Bis 2030 wird je nach Quelle sogar ein weiterer Anstieg auf 5,5 bis 6,5 TWh erwartet. Europa entgeht hier aktuell also die Chance an einem der größten Wachstumsmärkte zu partizipieren, was den Konkurrenzdruck in Zukunft nur weiter erhöhen dürfte.

Chinesische Marken drängen weiter auf den Markt

Neben der Dominanz im Batteriemarkt steigt auch der Marktanteil chinesischer Automarken in der EU. Trotz EU-Sonderzöllen stieg letzterer von 6 Prozent in 2025 auf 10,5 Prozent in 2026 an und könnte laut AlixPartners bis 2030 auf 16 Prozent klettern. Gleichzeitig verlieren deutsche Premiumhersteller auch im chinesischen Markt an Boden, während der Marktanteil chinesischer Hersteller dort von 59 Prozent in 2025 auf 72 Prozent in 2030 steigen dürfte.

In Zukunft könnte sich Deloitte-Autochef Proff zufolge vor allem durch fehlende Batteriekompetenz eine negative Verstärkungsspirale ergeben, da „die Batterie maßgeblich Reichweite, Leistung und Preis“ bestimme. Der Batterieforscher Maximilian Fichtner sieht das ganz ähnlich und hält es vor allem für dramatisch, dass sich deutsche Batterie-Projekte meist auf Forschung oder die reine Endmontage von Batteriemodulen aus Zellen chinesischer Hersteller fokussieren.

Dadurch entgeht Deutschland Fichtner zufolge ein großer Teil der Wertschöpfung, welcher mit der Raffination von Rohlithium und der Kathodenmaterial-Produktion vor allem am Anfang der Kette liege. Lediglich 10 bis 15 Prozent der Wertschöpfung entstehen demnach in der Montage, während die Rohmaterial-Gewinnung und -Aufbereitung bis zu 60 Prozent und die Zellproduktion weitere 15 bis 30 Prozent ausmacht. Proff drängt daher auf den Aufbau einer europäischen Lithium-Raffinade und Elektrodenmaterial-Produktion.

„Batterie-Airbus“ als starke Antwort auf wachsende Konkurrenz?

Dabei sei das nötige Potenzial mit heimischen Konzernen wie BASF und Evonik Fichtner zufolge ja gegeben und auch Fähigkeiten zum Maschinen- und Anlagenbau sowie Grundlagenforschung in der Elektrochemie seien eigentlich vorhanden. Was vor allem fehle, sei Produktions-Know-how, welches man sich „nicht kaufen, sondern selbst erwerben“ müsse. „Je länger man mit der Aufholjagd zögert, desto teurer wird sie“, warnt der Batterieforscher.

Deloitte-Autochef Proff sieht jetzt vor allem Potenzial in einer gemeinsamen Antwort deutscher Autobauer zusammen mit Frankreich. Man müsse seine Kompetenzen demnach in einer Art „Batterie-Airbus“ bündeln, statt jeweils eigene Strategien zu verfolgen. Zudem müsse die Politik anfangen, klare Signale zu setzen und präzise Zielgrößen zu definieren, statt weiter den bisherigen „Zickzack-Kurs“ zu verfolgen.

Quelle: Handelsblatt – Chinas Batteriemacht überrollt die deutsche Autoindustrie

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Arun Niemann

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Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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