Autoexpertin warnt: Glanzzeiten deutscher Autobauer sind vorbei

Autoexpertin warnt: Glanzzeiten deutscher Autobauer sind vorbei
Copyright:

Grisha Bruev / Shutterstock.com

Arun Niemann
Arun Niemann
  —  Lesedauer 2 min

Der europäische Markt wird trotz geltender EU-Zölle immer erfolgreicher von chinesischen E-Auto- und Plug-in-Hybrid-Herstellern durchdrungen. In einem Interview mit dem Spiegel zieht die Automobilwirtschafts-Professorin Helena Wisbert nun eine ernüchternde Bilanz zur aktuellen Marktlage und Zukunft der deutschen Autoindustrie.

Der Rückfall deutscher Hersteller hinter die chinesische Konkurrenz könne Wisbert zufolge vor allem darauf zurückgeführt werden, dass man die Entwicklung chinesischer Plug-in-Hybride in den letzten Jahren falsch eingeschätzt habe. Schließlich wurden PHEVs ganz bewusst von den Ende 2024 beschlossenen EU-Strafzöllen gegen China ausgenommen. Dies eröffnete ein Schlupfloch, das chinesische Hersteller nun in vollem Maß ausnutzen.

Es war eine prekäre Fehleinschätzung, Plug-in-Hybride als reine „Brückentechnologie“ abzutun. Schließlich schätzen Verbraucher die Möglichkeit, bei leerer Batterie auf einen Verbrennungsmotor zurückgreifen zu können. Die in China entstandenen Überkapazitäten würden jetzt genutzt, um den europäischen Markt mit günstigen Fahrzeugen mit hohen Reichweiten zu bedienen.

Der Preiskampf schwappt auf Deutschland über

Die derzeitigen Marktanteilsgewinne chinesischer Marken werden Wisbert zufolge vor allem durch den Preiskampf möglich gemacht, den die Konkurrenz aus Asien meist gewinnt. Schließlich hat der BYD Seal U bereits den marktführenden VW Tiguan als meistverkauftes PHEV-Modell in Europa abgelöst, da das Unternehmen damit trotz Zöllen eine konkurrenzfähige und vor allem günstigere Alternative bietet. Zusätzlich belasten die deutsche Industrie der durch die chinesische Subventionierung heimischer Hersteller verzerrte Wettbewerb und die Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern.

Eine naheliegende Lösung dieses Problems könnten der Automobilwirtschafts-Professorin zufolge neue Zölle darstellen, welche auch für Plug-in-Hybride gelten. Damit könnten der „extreme Preiskampf“ begrenzt und die Marktanteilsgewinne chinesischer Hersteller verlangsamt werden. Gleichzeitig sagt sie „vieles spricht dafür, dass es sich teilweise um kurzfristige Effekte handelt“ und geht nicht davon aus, dass deutsche Hersteller ihre Vormachtstellung im Heimatmarkt permanent verlieren, solange langfristig eine Preisannäherung gelingt.

Nichtsdestotrotz kommt Wisbert im Interview zu einem ernüchternden Fazit. Schließlich belasten deutsche Hersteller nicht nur die Verluste von Marktanteilen hierzulande, sondern vor allem auch der Einbruch im einst so lukrativen China-Geschäft. Für die Industrie gehe es nun vor allem darum, den Verlust von Anteilen im weltgrößten Automarkt zu stoppen. Aber: „Man muss realistisch bleiben. Es wird nie wieder so, wie es einmal war. Die Glanzzeiten sind vorbei.“

Quelle: Spiegel – „Es wird nie wieder so, wie es einmal war. Die Glanzzeiten sind vorbei“

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

Batterie-Abhängigkeit von China kostet Europas Autoindustrie Milliarden

Arun Niemann  —  

Eine Deloitte-Studie sieht bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro Wertschöpfung in Gefahr. Vor allem Batteriezellen und Vorprodukte bleiben Europas Schwachstelle.

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Analysten: Eine Million chinesische Autos Made in EU bis 2030

Laura Horst  —  

Die Produktionsvorhaben chinesischer Hersteller in Europa schreiten voran und Analysten rechnen bis 2035 mit 1,5 Millionen Autos „Made in Europe“.

GM und SAIC verlängern Joint Venture in China um 20 Jahre

GM und SAIC verlängern Joint Venture in China um 20 Jahre

Michael Neißendorfer  —  

General Motors und SAIC Motor bekräftigen damit ihr Engagement für gemeinsames Wachstum auf dem weltweit größten Automobilmarkt China.

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

Arun Niemann  —  

Chinesische Hersteller setzen Europas Autobauer zunehmend unter Druck. Jetzt prüft auch der VDA, ob sein bisheriger Freihandelskurs noch trägt.

China-E-Autos von Audi auch hier erhältlich

China-E-Autos von Audi auch hier erhältlich

Daniel Krenzer  —  

AUDI E5 Sportback und E7X sind eigentlich China vorbehalten. Über Importeure kommen die E-Autos dennoch nach Deutschland – allerdings mit deutlichem Aufpreis.

CATL und BYD bei Festkörperbatterien mit gleichem Zeitplan

CATL und BYD bei Festkörperbatterien mit gleichem Zeitplan

Daniel Krenzer  —  

Die chinesischen Hersteller wollen ab 2027 erste Festkörperbatterien produzieren. Für E-Autos dürfte die Technik aber zunächst eine Nischenlösung bleiben.