China-Druck bringt VDA zum Umdenken

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Arun Niemann
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In den vergangenen Jahren hat sich die deutsche Autoindustrie stets gegen weitere Handelsbarrieren gegen China ausgesprochen. Doch aufgrund des immer größer werdenden Konkurrenzdrucks und des schwächelnden Absatzes vieler deutscher Autobauer scheint sich dies nun zu ändern. So prüft der Verband der Automobilindustrie (VDA) einer Handelsblatt-Recherche zufolge gerade die eigene Position gegenüber China.

Die Sprecherin des VDA äußerte demnach, dass man auf Basis von Zahlen und Daten analysiere „inwiefern Anpassungen unserer Positionen erforderlich sind oder nicht“. Natürlich würde man sich auch weiterhin für den freien Handel einsetzen, doch es liege eben auch an China mit „konstruktiven Vorschlägen“ auf Europa zuzugehen.

Bislang hatte man immer vor einer Eskalation und einem Konflikt mit China gewarnt, da man Gegenmaßnahmen fürchtete, sobald der freie Handel mit dem Land der Mitte zugunsten deutscher Autobauer eingeschränkt würde. Stattdessen setzte man in der Vergangenheit eher auf Forderungen nach besseren Standortbedingungen in Europa.

Darum wächst der Druck aus der Industrie

Der VW-Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im vergangenen Monat die Ausweitung bestehender EU-Ausgleichszölle für E-Autos aus China auf chinesische Plug-in-Hybride gefordert. Dabei argumentierte er, dass China im Angesicht schwacher Absätze im Inland seinen Überschuss nach Europa exportieren würde.

Aktuelle Daten verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation: Im zweiten Quartal 2026 entfielen in der EU schließlich ganze 47,2 Prozent aller Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden auf Autos chinesischer Marken. Das ist ein neuer Rekordwert, wobei zwei der drei meistverkauften Modelle von BYD stammen, während der frühere Verkaufsschlager VW-Tiguan auf Rang drei zurückfiel.

Informationen des Handelsblatts zufolge wird derzeit sogar geprüft, neue Schutzmaßnahmen direkt so zu gestalten, dass sie neben Plug-in-Hybriden direkt auch andere hybride Antriebsformen abdecken. Sonst bestünde schließlich das Risiko, dass sich nach einer PHEV-Regelung „direkt das nächste Schlupfloch“ bilden könnte. So könnte China dann beispielsweise auf den Export von Voll- oder Mildhybriden ohne externe Lademöglichkeit wie dem MG3 Hybrid+ des SAIC-Konzerns setzen.

Der Marktanteil chinesischer Hersteller ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Von 0,5 Prozent im Jahr 2021 schoss er auf inzwischen knapp zehn Prozent in die Höhe. Dabei führt BYD in Sachen chinesischer Marktdominanz, gefolgt von Chery und MG.

Die Bundesregierung gerät in Zugzwang

Auch seitens der Bundesregierung wird bereits an einer aktualisierten China-Positionierung gearbeitet und die Bewegungen in der Autoindustrie werden genauestens beobachtet. Intern liegt man jedoch noch weit auseinander. Sollte sich der VDA in Zukunft ebenfalls klar chinakritisch positionieren, würde dies voraussichtlich auch für neue Bewegung in der Bundesregierung sorgen. Schließlich drängen auch die Stahl- und Maschinenbauindustrie auf mehr Schutz gegen die chinesische Konkurrenz.

Von der SPD wird letzteres schon seit längerem gefordert. Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU warnt vor einem potenziell unfairen Wettbewerb, verweist jedoch auch auf die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen, die von Peking als Reaktion verhängt werden könnten. Daher plädiert sie dafür, zunächst die Abhängigkeiten bei Rohstoffimporten und Co zu verringern.

Friedrich Merz verschärfte seine Position zuletzt. Er sprach unter anderem davon, dass die Unterbewertung der chinesischen Währung ein Problem für den europäischen Markt darstelle und erklärte weiterhin, wie wichtig es sei, den europäischen Binnenmarkt in Zukunft besser vor „marktverzerrenden Praktiken und Ungleichgewichten“ aus China zu schützen.

Im September wird es ein Treffen zwischen dem chinesischen Handelsminister und dem EU-Handelskommissar Maros Sefcovic geben, gefolgt von der Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen am 16. September. Zudem wird im Oktober die vom EU-Gipfel im Juni gesetzte Prüffrist für konkrete Handelsschutzmaßnahmen ablaufen. Sollte Deutschland Frankreich in seinem chinakritischen Kurs zeitnah folgen, könnte die EU dem Handelsblatt zufolge schon bald härtere Maßnahmen gegenüber China beschließen.

Quelle: Handelsblatt – Deutsche Autoindustrie prüft härteren Kurs gegen China

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Arun Niemann

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Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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