So können Elektromobilisten vom Internet of Things (IoT) profitieren

So können Elektromobilisten vom Internet of Things (IoT) profitieren

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Sicher, individuell, intuitiv, intelligent, kostensparend und komfortabel: Mit diesen Adjektiven lässt sich das Idealbild der zukünftigen Mobilität gut umschreiben. Eine Schlüsseltechnologie ist hierbei das Internet der Dinge (IoT). Diese Infrastruktur vernetzt smarte Fahrzeuge mit ihrer digitalisierten Umwelt – von Ampeln über Ladesäulen bis hin zu großen Gebäuden. Doch wie können Elektromobilisten und Unternehmen mit E-Flotten konkret vom IoT profitieren?

Die E-Mobilität der Zukunft ist vernetzt

Das Internet of Things schreitet in allen Bereichen voran. Zu den größten Profiteuren des IoT gehören laut einer aktuellen Studie von IoT Analytics unter anderem die Branchen Versicherung, Facility-Management, Energiewirtschaft und Handel. Auch in der Elektromobilität eröffnet es neue Möglichkeiten in puncto Komfort, Effizienz und Sicherheit. Mehr noch: Das IoT ist eine der wichtigsten Technologien, wenn es um zukünftige Mobilitätskonzepte geht.

Es sind mehrere Anwendungsgebiete, die das Internet of Things speziell für Besitzer von Elektroautos und auch für Unternehmen mit E-Flotten interessant machen. Greifen wir exemplarisch einige besonders vielversprechende Szenarien heraus:

• Optimierung von Fahrtstrecken
• Verbesserung von Service und Wartung
• Optimierung des Energiemanagements

Datenbasierte Optimierung von Fahrtstrecken

Jedem Autofahrer ist daran gelegen, sicher, schnell und komfortabel ans Ziel zu kommen. Das IoT kann in diesem Kontext einen erheblichen Beitrag leisten. So sammeln „Connected Cars“ während der Fahrt fortlaufend Daten zum Ladezustand der Akkus oder zu verfügbaren Ladestationen. Neben dem Verkehrsfluss können dies noch weitaus mehr Informationen aus verschiedenen Sensoren sein – etwa die Feuchtigkeit auf der Fahrbahn, der Zustand des Straßenbelags oder die Temperatur. Auch ein Unfall oder die Panne eines Fahrzeugs können über das Internet of Things in Echtzeit erfasst werden. Je mehr Daten dieser Art entstehen und via IoT zusammengeführt werden, desto intelligenter lassen sich Verkehrsinformationen, Stauprognosen, Gefahrenhinweise und Routenempfehlungen gestalten.

Auch Vermieter und Unternehmen mit einer E-Flotte profitieren von Daten dieser Art. So können sie nicht nur den Standort ihrer Fahrzeuge verfolgen, sondern den gesamten technischen Zustand. Welche Fahrzeuge brauchen ab wann wieder Strom? Wann ist die nächste Wartung fällig? Diese und viele weitere Fragen können sie sich ganz einfach mit einem Blick auf die Daten in ihrem Dashboard beantworten. Nebenbei lassen sich durch smarte Verknüpfungen auch noch Automatisierungen wie das automatische Öffnen des Garagentors durch das Überfahren einer unsichtbaren Linie („Geofencing“) realisieren.

Verbesserung von Service und Wartung

Auch im Service hat das IoT Potenzial für E-Autofahrer. Angesichts der grundsätzlich notwendigen Verbindung von E-Autos mit dem Internet, ist ein weiterer interessanter Ansatz in diesem Bereich die vorausschauende Wartung von Fahrzeugen – auch „Predictive Maintenance“ genannt. Hierbei erfassen verschiedene Sensoren im Fahrzeug fortlaufend den Zustand. Eine künstliche Intelligenz gleicht diese Daten dann mit einem definierten Sollzustand (Normalzustand) ab. Gibt es Abweichungen, die auf einen bevorstehenden Defekt oder eine Störung – etwa den Ausfall der Batterie – hinweisen, schlägt die Software umgehend Alarm. Auf dieser Basis lassen sich Wartungsarbeiten durchführen, noch bevor ein Schaden entsteht oder eine Panne eintritt. Der Fokus verschiebt sich also von der Reaktion zur Prävention. Dies erhöht einerseits die Zuverlässigkeit von E-Autos und senkt andererseits die Instandhaltungskosten. Attraktiv ist auch dieser zweite Ansatz für private E-Autobesitzer wie für Unternehmen mit einer E-Flotte.

Optimierung des Ladens durch flexible Stromtarife

Das wichtigste Thema der E-Mobilität ist die Stromversorgung der Fahrzeuge. Zugleich sind die Anforderungen hierbei auch besonders komplex: So möchten Fahrzeugbesitzer ihr E-Auto natürlich möglichst kostengünstig laden und im Bedarfsfall stets über genügend Energie für die bevorstehende Strecke verfügen. Die größte gesamtwirtschaftliche Herausforderung liegt jedoch darin, dass E-Mobilität naturgemäß sehr energieintensiv ist und regenerative Energien über die Tageszeit starken Schwankungen unterliegen. Es muss also gelingen, die vorhandene Energie intelligent zu nutzen, d.h. Angebot und Nachfrage möglichst in Übereinstimmung zu bringen. Dies geschieht in anderen Ländern bereits, meistens durch flexible Stromtarife.

Einen spannenden Weg verfolgt in diesem Zusammenhang der norwegische Energieversorger Fjordkraft. Das deutsche IoT-Unternehmen Conrad Connect hat für Fjordkraft einen neuartigen Service entwickelt, der über ein „Platform-as-a-Service“ (PaaS) Modell in die App des Partners integriert wurde. Die E-Autos, Ladestationen und andere große Stromverbraucher können so auf einer IoT-Plattform miteinander vernetzt und transparent dargestellt werden. Warum Norwegen? Eine norwegische Besonderheit besteht darin, dass sich der Strompreis stündlich ändert. Fjordkraft-Kunden nutzen deshalb eine App des Anbieters, mit der sie den gewünschten Ladezustand vorgeben (z. B. 90 Prozent bis 7 Uhr morgens). Eine intelligente Software sorgt dann im Hintergrund dafür, dass das E-Auto immer dann geladen wird, wenn der Strompreis besonders günstig ist. Zudem können Nutzer mit der App wichtige Daten wie den aktuellen Ladezustand und die Reichweite ihres Fahrzeugs in Echtzeit abrufen.

Fazit und Ausblick

Insbesondere der Ansatz von Fjordkraft zeigt: Das Internet of Things kann E-Autofahrern nicht nur helfen, günstig Strom zu tanken. Weitergedacht ist das Potenzial noch wesentlich größer. So lassen sich mithilfe von IoT-basierten Echtzeitdaten theoretisch ganze Energienetze optimieren. Vorstellbar ist es beispielsweise, vernetzte E-Autos immer dann zu laden, wenn gerade besonders viel Strom aus Solar- und Windkraftwerken zur Verfügung steht. Allein die Reduzierung von Stromspitzen durch intelligentes Laden könnte schon verhindern, dass Windkraftanlagen dann abgeschaltet werden müssen, wenn sie gerade besonders viel produzieren, nur weil das Stromnetz damit nicht umgehen kann. Sogar eine Nutzung von aktuell nicht benötigten E-Autos als Zwischenspeicher für regenerative Energie ist angedacht, aber wesentlich komplexer.

In Summe viele Lösungen, die Informationen aus den verschiedensten Sensoren nutzbar machen. An dieser Stelle haben sich bereits Aggregatoren herausgebildet, die den Zugang zu Daten von zum Teil tausenden verschiedenen Geräten anbieten. Ein unverzichtbarer Vorteil, je mehr Geräte in einer Anwendung integriert werden. Ein solcher Anbieter, der entsprechend der geltenden europäischen Datenschutzstandards agiert, ist die IoT-Plattform Conrad Connect, ein Tochterunternehmen der Conrad Gruppe. Conrad Connect bietet eine etablierte Cloud-Plattform, welche E-Autobesitzern und Unternehmen mit einer E-Flotte nach einem flexiblen Baukastenprinzip alle benötigten Komponenten aus einer einzigen Hand bereitstellt, in einem Platform-as-a-Service Modell. Solche Angebote reduzieren die technologischen Einstiegshürden bei der schnelleren Verbreitung der Schlüsseltechnologie des Internet of Things deutlich.


Über den Autor

Robert Erdmann ist General Manager bei Conrad Connect, einer führenden IoT-Plattform für Smart Energy, Smart Living und Smart Mobility mit Sitz in Berlin. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Aufbau digitaler und datengetriebener Geschäftsmodelle: Als Chief Digital Officer bei der fos4X entwickelte er neue Anwendungen zur Optimierung der Windindustrie. Davor war er Mitbegründer der Telefónica NEXT, einer strategischen Ausgründung mit Fokus auf Mobilitätsdaten und IoT.

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Es ist die Frage, mit welchem Aufwand erkaufe ich mir welchen Nutzen.

Für meinen täglichen Arbeitsweg brauche ich kein Navi, da kenne ich jede mögliche Variante und aktuelle Verkehrsinformationen sind auch jetzt schon erhältlich.
Für den Systemzustand (Reichweite, Störungen) des Fahrzeugs reichen mir Informationen auf dem Display.

Mir ist das mit „IoT“ noch zu diffus. Interessant wird es für mich erst, wenn dadurch tatsächlich die Verkehrssicherheit wesentlich und effektiv gesteigert werden kann.
Im Zusammenhang mit autonomen Fahren wird es sicher wichtig werden.
Bis dahin …

Die schöne neue Welt des Autofahrens? Hört sich in Ihrem Artikel so an. Kein Wort über Risiken und Nebenwirkungen. So fallen massenhaft Daten an, deren Verkauf für die Fahrzeughersteller zum lukrativen Geschäftsmodell werden soll. Wann bin ich wo wie lange gewesen? (Spezifische Werbung) – wie ist mein Fahrstil? (Versicherungs-Einstufung und Risikoprämien). In welchen Gegenden halte ich mich häufig auf? (Sozio-ökonomischer Status). Nicht zu vergessen die Auswertung zur juristischen Beweisführung. Last Not least können all diese Systeme gehackt werden – bis hin zur Manipulation durch Dritte! Solange der Aspekt der Datensicherheit (wer ist „Eigentümer“ der Daten, wer darf darüber verfügen, wie steht es um die Zugriffsrechte) nicht zuverlässig geklärt ist, scheinen mir die Nachteile des iot deutlich zu überwiegen.

Last edited 4 Monate zuvor by Norbert Seebach

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