Das chinesische Unternehmen Xiaomi, das mit elektrischen Modellen wie dem SU7 und YU7 auf dem Markt ist, wird neue Elektroautos unter dem Namen Skynomad in China rausbringen. Unklar ist bisher, ob es sich dabei um eine neue Marke oder eine Produktreihe handeln wird, wobei alles auf eine Tochtermarke mit eigenständigem Charakter hindeutet. Mit Einstiegspreisen von umgerechnet unter 26.000 Euro soll Skynomad ein kostengünstigeres Marktsegment für Familien-SUVs ansprechen. Lokale Medien berichten jedoch auch, dass die Preisspanne bis zu 57.000 Euro weit reichen könnte.
Das erste Modell, intern unter dem Codenamen ‚Kunlun N3‘ bekannt, soll Berichten zufolge in der zweiten Hälfte dieses Jahres offiziell auf den Markt kommen. Dabei handelt es sich um einen 5,3 Meter langen SUV mit 3,1 Meter langem Radstand sowie Range Extender. Die elektrische Reichweite wird also mit einem 1,5-Liter-Verbrennungsmotor erweitert, der das Elektroauto jedoch nicht direkt antreibt, sondern Strom für den Elektromotor generiert. Das Modell Kunlun soll über einen Akku mit mehr als 70 Kilowattstunden verfügen, der eine rein elektrische Reichweite von 400 bis 500 Kilometern ermöglicht. Die Gesamtreichweite mit Range Extender beträgt 1500 Kilometer.
Skynomad setzt auf neue Batteriezulieferer
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass bereits Batterielieferanten für Skynomad ausgesucht wurden: Künftig sollen Sunwoda 60 Prozent und CALB 40 Prozent der Batterien für das erste Modell liefern.
Die Marke Xiaomi, die bis Ende April 2026 fast 700.000 Elektroautos ausgeliefert hat, setzt mit 80 Prozent der Batterielieferungen bisher vor allem auf CATL als Zulieferer. Die Einführung neuer Batterieunternehmen bei Skynomad wird als strategische Anpassung im Lieferkettenmanagement gewertet, um Risiken zu senken und Kosten zu kontrollieren. Das Unternehmen verringert damit die Abhängigkeit von einzelnen, großen Lieferanten.
CALB und Sunwoda sind ebenfalls bedeutende Batteriehersteller. Sie belegten mit Marktanteilen von zirka 6,3 beziehungsweise 2,4 Prozent den vierten und neunten Platz. Zudem halten sie bedeutende Marktanteile im Bereich der Hybridbatterien. CATL hält hingegen die weltweite Führungsposition mit über 46 Prozent Marktanteil, gefolgt von BYD mit 16,8 Prozent.
550.000 Auslieferungen bis Jahresende
Die Marktleistung von Xiaomi ist solide. Während der durchschnittliche Rabatt in China bei über 19,4 Prozent lag, betrug der von Xiaomi Auto nur knapp 1,1 Prozent. Dies zeige, dass Xiaomi nach wie vor über eine starke Preisgestaltungsmacht verfügt, so Li Yanwei, Mitglied des Expertenausschusses des chinesischen Automobilhändlerverband. Andere Hersteller würden eher auf hohe Rabatte setzen, um den Absatz anzukurbeln.
Die Einführung neuer Modelle ist ein wesentlicher Bestandteil von Xiaomis Strategie für 2026. Die monatlichen Auslieferungen von Xiaomi-Elektroautos überstiegen im April 30.000 Einheiten und von Januar bis April 2026 lieferte Xiaomi 101.000 Elektroautos aus, was einem Anstieg von über 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Für 2026 hat das Unternehmen sein ambitioniertes Ziel auf 550.000 Einheiten festgelegt.
Sobald das Werk Yizhuang Phase III von Xiaomi in Betrieb geht, könnte seine maximale Jahreskapazität eine Million Fahrzeuge erreichen. Der Absatz konzentriert sich jedoch noch stark auf den heimischen Markt in China. Die Expansion nach Übersee ist ab 2027 geplant. Ob auch Skynomad dann nach Europa kommt, wird sich zeigen.
Skynomad wird strategisch positioniert
In seiner Größenordnung wird der Kunlun mit beliebten Familienmodellen wie dem Li L9, dem Aito M9 oder Leapmotor D19 konkurrieren. Dieses Segment ist derzeit das am härtesten umkämpfte für SUVs mit neuen Antriebstechnologien und Berichten zufolge eines der wenigen, das noch Wachstum verzeichnet. Die darunter liegende Preisklasse wird in China mit der Leapmotor C-Serie und dem Deepal S07 abgedeckt.
Während die Zulassungen von Personenkraftwagen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um über 17,3 Prozent zurückgingen, zeigte die Preisklasse des Kunlun ein positives Wachstum von über 7 Prozent: „Die Preisklasse von 250.000 bis 300.000 Yuan ist nach wie vor eines der wenigen Mainstream-Segmente mit Wachstumspotenzial auf dem Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben“, sagte Li Yanwei. Damit habe die Marktstruktur die Entscheidung für Xiaomi bereits teilweise getroffen.
Die Einführung und Positionierung von Skynomad wurde längerfristig geplant. Bereits im April 2023 hat Xiaomi Skynomad erstmals angemeldet. Der Grundstein wurde also bereits gelegt, als der Xiaomi SU7 offiziell auf den Markt kam.
Zugleich sollen sich die Fahrzeuge von der Kernmarke abheben. Während Xiaomi auf leistungsstarke Elektroautos setzt, die eine jüngere, technologieorientierte Kundschaft ansprechen, legt Skynomad den Schwerpunkt auf den Familiengebrauch, Langstreckenfahrten und Outdoornutzung. „Bei der Einführung einer eigenständigen Submarke durch Xiaomi geht es im Wesentlichen darum, die Marktabdeckung zu erweitern und durch Differenzierung in das breitere Familiensegment vorzudringen“, sagte Zhang Xiang, Generalsekretär der International Intelligent Transport Technology Association.
Daher sind neben dem ersten Elektroauto auch weitere Modelle unter den Namen Kunlun 10, 20 und 30 als SUVs mit erweiterter Reichweite geplant. Außerdem sei Berichten zufolge ein Outdoor-Freizeitfahrzeug mit Aufstelldach angedacht, dass den Codenamen ‚Isle of Man‘ trägt.
Absatz von Range Extendern pendelt sich ein
Elektroautos mit verlängerter Reichweite waren vor kurzem noch ein absoluter Verkaufsschlager in China. Inzwischen ist dieser Trend zurückgegangen. Zwar sind die Inlandsverkäufe von Fahrzeugen mit verlängerter Reichweite im Jahr 2025 auf über 1,2 Millionen gestiegen, jedoch ist das Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 71 Prozent auf 3 Prozent gesunken, wie Daten der China Passenger Car Association (CPCA) zeigen. Zugleich nimmt der Wettbewerb zu, mit Modellen wie dem ID.ERA 9X von SAIC Volkswagen und der Extended-Range-Version des NX8 von Dongfeng Nissan. Auch GAC Toyota plant, 2026 Extended-Range-Versionen des Highlander und des Sienna auf den Markt zu bringen.
Auch andere Marken arbeiten mit Submarken. Während der Volkswagen-Konzern unter anderem Audi, Porsche und Skoda bündelt, hat BYD die Marken Denza, Fangchengbao und Yangwang. Lexus gehört zu Toyota. Diese Doppelmarkenstrategie hat jedoch ganz eigene Herausforderungen, was Organisation und Ressourcenverteilung angeht. Ob Skynomad in das bestehende Vertriebssystem ‚Mi Home‘ von Xiaomi integriert wird oder ein eigenständiges Vertriebsnetz mit Verkaufsflächen bekommt, ist noch nicht bekannt. Mit einer Ausgliederung wären Aufwand und hohe Kosten verbunden.
Zugleich haben Elektroautos mit erweiterter Reichweite einen höheren Anspruch an Wartungsarbeiten, die nicht nur den elektrischen Antriebsstrang, sondern auch Motoren, Kraftstoffsysteme und andere komplexe mechanische Komponenten betreffen. Diese Leistung müssten Servicezentren von Xiaomi für Skynomad erbringen können, obwohl sie für reine Elektroautos konzipiert wurden.
Wie erfolgreich Xiaomi mit Skynomad wird, bleibt abzuwarten. Nachdem die bisherigen Einführungen jedoch absolute Nachfragerenner waren, könnte sich diese Entwicklung wiederholen. Nach der Markteinführung des SU7 sicherte sich Xiaomi innerhalb von 24 Stunden fast 90.000 Bestellungen. Außerdem punktet Xiaomi mit seinem Know-How in anderen Bereichen, denn im Gegensatz zu traditionellen Autoherstellern ist Xiaomi kein reines Automobilunternehmen. Mit Sparten wie Smartphones oder Smart Home hat das Unternehmen ein vernetztes ‚Human x Car x Home‘-Ökosystem geschaffen, in das auch die Automobilsparte integriert wird. Umgerechnet über 3,8 Milliarden Euro jährlich für Forschung und Entwicklung tragen dazu bei. Diese Dynamiken nimmt das Unternehmen mit.
Quellen: CnEVPost – Xiaomi EV reportedly taps new battery suppliers for second brand to target EREV market / Gasgoo – Xiaomi Skynomad, Whose Ceiling Will It Shatter?








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