Nach mehreren schweren Unfällen mit seiner Elektrolimousine SU7 reagiert der chinesische Technologiekonzern Xiaomi mit strukturellen und technischen Maßnahmen. Das Unternehmen kündigte an, ein extern besetztes Beraterkomitee einzurichten, das die Sicherheit der eigenen Autos prüfen und Empfehlungen ausarbeiten soll. Die Ankündigung erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Kritik in chinesischen Medien.
Hou Jinglei, Leiter der Abteilung für Sicherheit im Elektroauto-Bereich, erklärte während eines Livestreams aus dem Werk in Peking, das Gremium solle Fachleute einbinden und regelmäßig tagen. Ergänzend plane der Hersteller Gesprächsformate mit Autobesitzern, Medienvertretern und Experten, um Hinweise zur Fahrzeugsicherheit aufzunehmen. Die erste Runde sei für das erste Halbjahr vorgesehen.
Xiaomi verweist zugleich auf den Ausbau interner Kapazitäten. Mehr als 3500 Beschäftigte arbeiteten im Sicherheitsbereich, darunter ein eigenes Untersuchungszentrum zur Analyse von Unfällen. Diese Einheit prüft technische Abläufe und wertet Vorfälle systematisch aus, um mögliche Schwachstellen zu identifizieren.
Auslöser der aktuellen Debatte ist unter anderem ein tödlicher Unfall im Oktober. Nach Berichten chinesischer Medien, darunter Caixin, kollidierte ein SU7 mit einem anderen Auto. Infolge des Aufpralls sei es zu einem Stromausfall gekommen, wodurch sich die Türen nicht mehr öffnen ließen. Ein forensisches Gutachten, auf das sich die Berichterstattung stützt, kommt demnach zu dem Schluss, dass der Fahrer im Auto verbrannte. Eine offizielle Darstellung der Behörden liegt bislang nicht vor.
Auch der Nachrichtendienst Yicai griff die Ergebnisse auf und veröffentlichte einen Kommentar, in dem eine Rückrufaktion für sämtliche Modelle der ersten SU7-Generation gefordert wird. Ziel müsse es sein, potenzielle Risiken im Zusammenhang mit den Türgriffen vollständig auszuschließen. Auf Medienanfragen reagierte das Unternehmen nicht.
Ein weiterer schwerer Unfall betrifft ein Auto, das im Modus für assistiertes Fahren unterwegs war. Bei diesem Vorfall kamen drei Menschen ums Leben. Die Untersuchungen dauern an, offizielle Berichte wurden bislang nicht veröffentlicht. Die fehlenden behördlichen Stellungnahmen verstärken die öffentliche Aufmerksamkeit für beide Fälle.
Xiaomi SU7: Software-Update und neue Modellgeneration geplant
Bereits im September hatte Xiaomi ein Software-Update für mehr als 115.000 SU7 ausgeliefert. Die Aktualisierung bezog sich auf Funktionen des assistierten Fahrens. Inzwischen wurde die Produktion der ersten Generation eingestellt. Für April kündigte der Konzern eine überarbeitete Version der Limousine an. Nach Unternehmensangaben soll das neue Modell über eine zusätzliche Notstromversorgung verfügen, um die Funktion der Türen bei einem Stromausfall sicherzustellen.
Über das einzelne Modell hinaus haben die bekannt gewordenen Unfälle regulatorische Folgen. Chinesische Behörden verschärfen die Vorgaben für Werbung und Sicherheitsstandards im Zusammenhang mit assistierten Fahrfunktionen. Zudem wurde beschlossen, versenkbare Türgriffe ab 2027 schrittweise abzuschaffen. Ferner prüfen Regulierungsstellen mögliche Beschränkungen bei der Beschleunigung von Elektroautos.
Quelle: Reuters – Xiaomi launches safety advisory committee after EV accidents in China






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