Der europäische Markt für Elektroautos hat im Juni einen deutlichen Wachstumsschub verzeichnet. In den 18 wichtigsten westeuropäischen Märkten wurden rund 348.600 batterieelektrische Autos neu zugelassen, ein Plus von 51,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Elektro-Anteil an allen Neuzulassungen kletterte damit auf 15,1 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr summierten sich die Zulassungen auf 1,55 Millionen Einheiten, was einem Zuwachs von 35,1 Prozent entspricht. Das geht aus aktuellen Daten von Schmidt Automotive Research hervor.
Im Juni übernahm Tesla mit rund 49.300 verkauften E-Autos wieder die Position der meistverkauften Elektroautomarke in der Region. Der Hersteller kam auf einen Marktanteil von 14,1 Prozent und war damit laut den Analyst:innen die einzige Marke mit zweistelligem Anteil am Elektromarkt. Als Treiber gelten die „Standard“-Modellvarianten sowie eine aggressive Preis- und Finanzierungsstrategie, mit der Tesla insbesondere preissensible Käufer:innen zurückgewinnen konnte.
Über das gesamte erste Halbjahr betrachtet bleibt Tesla mit rund 163.000 Einheiten und einem Anteil von 10,5 Prozent zwar hinter dem VW-Konzern zurück, konnte den Vorjahreswert aber um 56,1 Prozent steigern und damit deutlich stärker wachsen als der Gesamtmarkt.
VW-Gruppe verteidigt die Halbjahres-Spitze, verliert aber an Tempo
Über das erste Halbjahr gerechnet führt der VW-Konzern mit rund 346.500 zugelassenen Elektroautos weiterhin die Statistik an, wenngleich der Zuwachs mit 6,2 Prozent deutlich hinter dem Marktdurchschnitt liegt. Innerhalb des Konzerns zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Kernmarke VW fiel im Halbjahr um 6,1 Prozent auf rund 128.000 Einheiten zurück, was unter anderem mit der Wartezeit auf die MEB-Plus-Modelle zusammenhängt, die erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen.
Škoda dagegen wuchs um 46,6 Prozent auf rund 96.700 Fahrzeuge, wenngleich sich das Tempo gegenüber dem Vorjahr spürbar verlangsamt hat, da der Elroq inzwischen seit über zwölf Monaten im Handel steht und die Vergleichsbasis entsprechend höher liegt. Cupra profitierte von der Markteinführung des Raval und legte im Juni um 59,7 Prozent auf rund 9700 Einheiten zu, wobei die Zahlen laut den Analyst:innen auch durch Vorratsbestände im Handel beeinflusst sein könnten und eine abschließende Bewertung noch zu früh sei. Porsche verzeichnete im Juni ein Plus von 22,2 Prozent, liegt im Halbjahresvergleich mit einem Rückgang von 20,3 Prozent auf rund 13.000 Einheiten aber weiterhin im Minus.
Stellantis wächst dank Leapmotor besonders kräftig
Die stärkste prozentuale Dynamik unter den großen Konzernen zeigte im Juni die Stellantis-Gruppe mit einem Zulassungsplus von 107 Prozent auf rund 40.900 Fahrzeuge. Wesentlicher Treiber ist die Marke Leapmotor, die ihre Verkäufe um 587 Prozent auf rund 10.600 Einheiten steigerte und im laufenden Jahr mit rund 49.300 Fahrzeugen nur noch etwa 3000 Einheiten hinter der bislang stärksten Stellantis-Elektromarke liegt. Fast die Hälfte des Leapmotor-Absatzes entfiel dabei auf Italien.
Nach Einschätzung der Studienautor:innen könnte sich das Wachstum künftig auch in Deutschland fortsetzen, da chinesische Modelle hierzulande für Förderungen infrage kommen. Auch die weiteren Stellantis-Marken legten kräftig zu: Peugeot verzeichnete im Juni ein Plus von 83,3 Prozent auf rund 9700 Einheiten, Citroën wuchs um 77,5 Prozent auf rund 7700 Fahrzeuge und Opel beziehungsweise Vauxhall steigerten sich um 50,1 Prozent auf rund 6600 Einheiten.
BMW und Mercedes profitieren von neuen Modellen
Die BMW-Gruppe steigerte ihre Juni-Zulassungen um 47,9 Prozent auf rund 32.700 Einheiten, angetrieben von der neuen Modellreihe iX3 auf Basis der Neue-Klasse-Plattform. Für das Modell liegen europaweit bereits 100.000 Bestellungen vor, von denen 50.000 Autos nach Unternehmensangaben schon produziert wurden. Im Halbjahresvergleich kommt die Konzernmarke BMW auf rund 100.700 Einheiten und ein Plus von 13,1 Prozent, während die Nebenmarke Mini im Juni um 62 Prozent auf rund 8100 Fahrzeuge zulegte.
Mercedes verzeichnete mit einem Plus von 94,3 Prozent auf rund 15.900 Fahrzeuge ebenfalls ein deutliches Wachstum, wenn auch von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangsniveau aus. Als Treiber gilt die CLA-Baureihe, die in der Basisversion mit einer LFP-Batterie ausgestattet ist. Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Analyst:innen zusätzliche Impulse durch die Modelle GLC und GLB.
Renault, Hyundai-Kia und Geely mit zweistelligen Zuwächsen
Auch die Renault-Gruppe wuchs im Juni deutlich um 94,5 Prozent auf rund 31.300 Einheiten, angeführt von der Kernmarke Renault, die dank des Twingo und des weiterhin starken R5 um 99,3 Prozent auf rund 25.900 Fahrzeuge zulegte. Dacia steigerte sich um 74,3 Prozent, wobei die Analyst:innen hier auch auf Vorzieheffekte im Handel vor der GSR-2-Typgenehmigungsänderung ab Juli verweisen.
Bei Hyundai-Kia wuchs vor allem die Marke Kia mit einem Plus von 108,8 Prozent auf rund 17.400 Einheiten, während Hyundai mit 22,7 Prozent langsamer zulegte, was die Studienautor:innen auf eine stärkere Priorisierung günstigerer, kleinerer Kia-Modelle zurückführen. Innerhalb der Geely-Gruppe verzeichnete Volvo ein Plus von 36,3 Prozent auf rund 12.400 Einheiten, während Polestar im Juni um 6,6 Prozent auf rund 6500 Fahrzeuge zurückfiel, was die Analyst:innen auch auf zunehmende Konkurrenz durch die Schwestermarke Zeekr zurückführen.
Chinesische Marken bauen ihren Anteil weiter aus
Chinesische Hersteller kamen im Juni gemeinsam auf rund 52.500 Zulassungen und einen Marktanteil von 15,1 Prozent, ein Zuwachs von 90,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Analyst:innen gehen davon aus, dass sich dieses Tempo im weiteren Jahresverlauf abschwächen könnte. BYD selbst wuchs im Juni um 51,0 Prozent auf rund 13.600 Einheiten, wobei der gleitende Zwölfmonatsanteil der Marke zuletzt bei rund vier Prozent stagnierte, auch weil der Hersteller stärker auf Plug-in-Hybride setzt, um Zölle zu umgehen.
Deutlich stärker legten kleinere chinesische Marken zu: Xpeng steigerte seine Zulassungen um 176,6 Prozent auf rund 4800 Einheiten, SAIC-MG wuchs um 64,6 Prozent auf rund 7500 Fahrzeuge. Auch Toyota profitierte im Juni mit einem Plus von 211,1 Prozent von der Markteinführung des C-HR+, wozu bei den japanischen Herstellern insgesamt zusätzlich das aus China verschiffte Modell Mazda 6e beitrug.
Quelle: Schmidt Automotive Research – The European Electric Car Study – 1 HJ. 2026









Wird geladen...