Tesla: Margen brechen trotz Q2-Rekord ein

Tesla: Margen brechen trotz Q2-Rekord ein
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Arun Niemann
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Der Druck auf Tesla hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht. Die wachsende Konkurrenz durch chinesische und europäische Hersteller macht Investoren unruhig. Gleichzeitig sorgen Elon Musks Involvierung in andere Großprojekte und seine politischen Auftritte immer wieder für Kritik.

Teslas Zahlen zum zweiten Quartal 2026 klangen nun zunächst nach Entlastung. Schließlich lieferte Tesla hier so viele Fahrzeuge aus wie noch nie zuvor in einem zweiten Quartal. Insgesamt wurden 480.126 E-Autos ausgeliefert, was die Erwartungen der Wall Street deutlich überstieg und ein massives Plus im Vergleich zu den 384.122 ausgelieferten E-Autos aus dem Q2 des Vorjahres darstellt.

Die tatsächlichen Auslieferungszahlen lagen damit auch 18 Prozent über dem von Tesla selbst veröffentlichten Analystenkonsens von rund 408.000 Fahrzeugen. So konnte der Umsatz im Q2 ebenfalls um 26 Prozent auf 28,24 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Auch dieser Wert lag deutlich über den Analystenerwartungen von 25,71 Milliarden US-Dollar. Der Absatzanstieg könnte Reuters zufolge unter anderem auf höhere Kraftstoffpreise bei Verbrennern als Folge des Iran-Kriegs zurückzuführen sein.

Darum stehen die Margen von Tesla trotzdem unter Druck

Gleichzeitig wurden die Gewinnerwartungen von Analysten jedoch deutlich verfehlt und die Margen schwinden immer weiter. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit nur 0,33 US-Dollar pro Aktie deutlich unter den erwarteten 0,51 US-Dollar. Nicht einmal an den Gewinn des eigentlich schwächeren Vorjahresquartals von 0,40 US-Dollar konnte angeknüpft werden.

Außerdem sank die automobile Bruttomarge auf 16,3 Prozent und blieb damit ebenfalls deutlich hinter den Analystenerwartungen zurück, welche hier einen Wert von 18,01 Prozent antizipiert hatten. Der Erlös pro verkauftem Tesla sank von 45.345 auf 42.730 US-Dollar, was den zunehmenden Preisdruck verdeutlicht, der inzwischen im EV-Markt herrscht.

Ein weiterer Belastungsfaktor kommt vom Einbruch des Verkaufs von Emissionszertifikaten an andere Autohersteller. Durch die Politikänderung der USA brachen die Einnahmen hier auf nur noch 146 Millionen US-Dollar ein. Schließlich ist auch der freie Cashflow von Tesla zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder ins Negative gerutscht. Die 1,1 Milliarden US-Dollar an Barmittelabflüssen sind dabei jedoch geringer als die 3,3 Milliarden US-Dollar, welche von Analysten befürchtet worden waren.

Um den Absatz weiter anzukurbeln, setzt Tesla derweil verstärkt auf günstige Ausstattungsvarianten seiner bewährten Modelle. So werden unter anderem abgespeckte Versionen vom Model 3 und Model Y beworben und in diesem Monat startet in den USA auch die neue Sechssitzer-Variante des Model Y.

Musks teure Wette auf KI und Robotaxis

Während die Margen schwinden und der Gewinn pro Aktie sinkt, investiert Tesla massiv in Sachanlagen. Mit 5,8 Milliarden US-Dollar wurde hier im Q2 dieses Jahres mehr als doppelt so viel ausgegeben wie im Vorjahreszeitraum. Musk hat bereits angekündigt, dass die Investitionen sich bis zum Jahresende auf über 25 Milliarden US-Dollar belaufen sollen. Die Verdreifachung der Vorjahresausgaben ist dabei vor allem in Investitionen in KI-gestütztes autonomes Fahren, Robotaxis und humanoide Roboter begründet.

Musk hatte auf einer Konferenz selbst von einem „massive capex year“ gesprochen, sich jedoch optimistisch gezeigt, dass diese Investitionen sich langfristig auszahlen werden. Viel Hoffnung für eine erneut steigende Profitabilität liegt dabei im Assistenzsystem Full Self-Driving Supervised. Hier konnte Tesla seine aktiven FSD-Abonnements im Vorjahresvergleich um 56 Prozent auf 1,5 Millionen steigern. Zudem erhielt das Assistenzsystem im April eine Zulassung in den Niederlanden und weitere europäische Länder könnten folgen.

Tesla wird zum KI-Unternehmen, Batteriespeicher bringen Lichtblick

Musks Restrukturierung von Tesla hin zu einem KI- und Robotikunternehmen ist also in vollem Gange, muss sich jedoch durch das unter Margendruck stehende Fahrzeuggeschäft finanzieren. Aktuell ist noch nicht absehbar, ob der steigende Absatz und steigende FSD-Abonnement-Zahlen den wachsenden Preisdruck abfedern können.

Ein weiterer Lichtblick besteht für Tesla jedoch in der eigenen Energie- und Speichersparte. Die entwickelt sich zunehmend als wichtiges Gegengewicht zum schwächelnden Autogeschäft. So stieg die Speicherkapazität der durch Tesla im Q2 in Betrieb gebrachten Energiespeicherprodukte auf 13,5 GWh an, was einem starken Plus im Gegensatz zu den 9,6 GWh vom Vorjahresquartal entspricht. Die Nachfrage nach großen Batteriespeichern steigt immer weiter, da diese für die effiziente Nutzung erneuerbarer Energien, neue Rechenzentren und eine Verbesserung der Netzstabilität benötigt werden.

Trotz des Wachstums in der Energie- und Speichersparte und des Q2-Rekords bei den Auslieferungen steht Tesla jedoch massiv unter Druck. Da Investoren ihren Blick vom klassischen E-Auto-Geschäft auf die neuen Geschäftsfelder in autonomer Fahrtechnologie und Robotik richten, wird Musks Unternehmen bald Beweise dafür liefern müssen, dass aus diesem Narrativ auch kommerzielle Realität werden kann.

Quellen: Reuters – As Musk pivots beyond cars, Tesla’s autos engine is under strain / Tesla – Tesla Second Quarter 2026 Production, Deliveries & Deployments / Tesla – Q2 2026 Delivery Consensus

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Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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