Der Elektroauto-Markt in Westeuropa hat in den ersten sechs Monaten 2026 deutlich an Fahrt gewonnen. Nach Daten von Schmidt Automotive Research wurden in den 18 wichtigsten westeuropäischen Märkten rund 1,55 Millionen batterieelektrische Autos neu zugelassen, ein Plus von 35,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 1,15 Millionen Einheiten. Der Anteil an allen Neuzulassungen kletterte damit von 18,9 auf 24,1 Prozent.
Im Juni allein fiel das Wachstum sogar noch stärker aus. Mit knapp 349.000 zugelassenen Elektroautos erreichte der Elektro-Anteil 27,9 Prozent, nach 20,7 Prozent im Juni 2025. Das entspricht einem Zuwachs von 51,7 Prozent und deutet auf eine weitere Beschleunigung im zweiten Halbjahr hin.
Deutschland und Frankreich treiben das Wachstum an
Größter Einzelmarkt bleibt Deutschland mit einem Anteil von 24,1 Prozent am westeuropäischen Juni-Volumen. Mit 84.057 neu zugelassenen Elektroautos und einer Elektro-Quote von 28,4 Prozent legte der Markt gegenüber dem Vorjahresmonat um 78,2 Prozent zu. Im Halbjahresvergleich stehen 368.006 Einheiten und ein Plus von 48,0 Prozent zu Buche. Hintergrund ist die rückwirkende Kaufprämie, die im Juni 2026 eingeführt wurde und rückwirkend zum 1. Januar 2026 gilt. Viele Modelle haben den Preisvorteil bereits eingepreist, weshalb ein weiterer Schub für die zweite Jahreshälfte erwartet wird, sobald durch die Förderung ausgelöste Bestellungen in Auslieferungen münden.
Auch Frankreich zeigt kräftiges Wachstum. Im Juni stieg der Absatz um 95,3 Prozent auf 56.365 Elektroautos, was einer Marktdurchdringung von 29,9 Prozent entspricht. Über das erste Halbjahr summieren sich 243.460 Einheiten und ein Zuwachs von 64,1 Prozent. Die Zahlen erklären sich zum einen durch eine niedrige Vergleichsbasis aus dem Vorjahr, zum anderen durch anhaltende Kaufanreize und verzögerte Bestellungen aus dem vierten Quartal 2025, die erst jetzt in den Zulassungszahlen ankommen. Die ab Juli 2026 wieder verfügbare Sozialleasing-Regelung soll zusätzlich dafür sorgen, dass das Wachstum auch über die sonst schwächeren Sommermonate anhält.
Dänemark setzt seinen überdurchschnittlichen Kurs fort. Die Elektro-Quote lag im Juni bei 79,1 Prozent, im Halbjahr bei 79,9 Prozent, bei einem Zuwachs von 41,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Steuerliche Vorteile gegenüber Verbrennern gelten als zentraler Treiber der hohen Marktdurchdringung.
Norwegen und die Niederlande verlieren an Schwung
In Norwegen zeigt sich hingegen ein anderes Bild. Mit einer E-Quote von 96,5 Prozent im Juni und 97,6 Prozent im Halbjahr ist der Markt weitgehend gesättigt, das Wachstum lag im ersten Halbjahr nur noch bei 1,3 Prozent. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Mehrwertsteuerbefreiung für Elektroautos nur noch bis zu einem Kaufpreis von 300.000 norwegischen Kronen, zuvor lag die Grenze bei 500.000 Kronen. Beträge darüber werden mit dem regulären Satz von 25 Prozent besteuert. Hinzu kommt eine gewichtsbasierte Abgabe, die sogenannte Vektavgift, von 12,71 norwegischen Kronen je Kilogramm oberhalb von 500 Kilogramm Fahrzeuggewicht.
Auch die Niederlande stagnieren. Mit 64.320 Elektroautos im ersten Halbjahr und einer Quote von 36,8 Prozent liegt der Zuwachs bei lediglich 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Effekt geht auf einen Vorzieheffekt ins Jahr 2025 zurück, als die letzten steuerlichen Vergünstigungen für Elektro-Dienstwagen im Dezember noch galten. Der vollständige Wegfall dieser Vorteile wurde inzwischen verschoben.
Italien und Spanien wachsen von einer niedrigen Basis aus zwar prozentual stark, mit einem Halbjahresplus von 77,2 beziehungsweise 36,6 Prozent, bleiben mit einer Marktdurchdringung von 8,5 und 9,8 Prozent im ersten Halbjahr aber weiterhin unter der Zehn-Prozent-Marke und drücken damit den westeuropäischen Durchschnitt. In Italien tragen zudem noch aus Förderprogrammen finanzierte Modelle zur leichten Aufblähung der Quote bei. Das Vereinigte Königreich verzeichnete im Juni 63.950 Neuzulassungen bei einem Anteil von 30,0 Prozent und ist damit nach Deutschland der zweitgrößte Einzelmarkt der Region.
Quelle: Schmidt Automotive Research – The European Electric Car Study – 1. Halbjahr 2026









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