Europas Batterieindustrie könnte mit den geplanten Lokalisierungsvorgaben der Europäischen Union zunächst nicht Schritt halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Mobility Global im Auftrag des europäischen Automobilverbands ACEA. Demnach dürfte das Angebot an in Europa produzierten Batteriezellen trotz eines deutlichen Kapazitätsausbaus über Jahre hinter der Nachfrage zurückbleiben, heißt es in einer dazugehörigen Pressemitteilung.
Hintergrund ist der von der EU-Kommission im März vorgeschlagene Industrial Accelerator Act (IAA), der unter anderem die europäische Produktion strategisch wichtiger Komponenten stärken soll. Dazu sollen bei öffentlichen Förderungen und Beschaffungen verstärkt Anforderungen an die Produktion innerhalb der EU gestellt werden.
Bei Batterien könnten die Vorgaben laut ACEA in zwei Stufen eingeführt werden. Etwa sechs Monate nach Inkrafttreten – voraussichtlich 2027 oder 2028 – müssten Batterien drei Komponenten aus EU-Produktion enthalten, darunter die Batteriezellen. Drei Jahre später wären fünf europäische Komponenten erforderlich. Neben den Zellen sollen dann unter anderem das Batteriemanagementsystem sowie das aktive Kathodenmaterial aus Europa stammen.
Mobility Global hat drei Szenarien mit unterschiedlich hoher Nachfrage nach europäischen Batterien untersucht. Selbst im Szenario mit den geringsten Anforderungen könne die Produktion den Bedarf nicht vollständig decken. Zwar soll die europäische Zellfertigung bis 2032 auf 306 GWh jährlich wachsen, dennoch bleibe eine Angebotslücke bestehen.
Erhebliche Lücken zu erwarten
Sollte der IAA 2028 in Kraft treten, könnten laut Studie allein wegen fehlender europäischer Batterien rund drei Millionen Elektroautos die Voraussetzungen für entsprechende „Made in EU“-Förderungen nicht erfüllen. Noch deutlicher sei die Lücke bei mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen wie E-Lkw: 2032 könnte der Bedarf dort rund viermal so groß sein wie das verfügbare europäische Angebot. Die Differenz wird auf 23 GWh beziffert.
Hinzu kommen strukturelle Probleme. Viele geplante europäische Zellfabriken sind auf die NMC-Chemie ausgelegt, während insbesondere bei günstigeren Elektroautos die Nachfrage nach LFP-Zellen wächst. In diesem Bereich dominiert bislang China. Zudem seien europäische Batteriezellen weiterhin deutlich teurer als Importe. Bei angekündigten Fabriken bestehen darüber hinaus Risiken hinsichtlich Finanzierung, Genehmigung und tatsächlicher Umsetzung. Auch bei Kathoden- und Anodenmaterialien erwartet die Studie noch lange Engpässe.
Die Untersuchung ist allerdings auch vor dem Hintergrund zu lesen, dass sie vom Automobilverband ACEA beauftragt wurde, der vor zu strengen Lokalisierungsvorgaben warnt. Das grundsätzliche Problem ist dennoch offensichtlich: Politische Vorgaben allein schaffen noch keine wettbewerbsfähige europäische Batterieindustrie. Parallel dazu versucht die EU bereits gegenzusteuern, unter anderem mit einer Battery Booster Facility über bis zu 1,5 Milliarden Euro für den Hochlauf europäischer Zellfabriken. Doch die Zeit drängt.
Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 22. September 2026</small









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