Volkswagen steckt wirtschaftlich in der Krise und könne dem Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume zufolge nur mit drastischen Einschnitten und Kosteneinsparungen weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. Die Gemeinkosten, so Blume, lägen weiterhin mehr als 30 Prozent über denen vergleichbarer Unternehmen, wie Reuters berichtet.
Er prognostizierte in einer internen Unternehmensmemo außerdem, dass sich die Probleme der Automobilindustrie in den kommenden Jahren nur noch verschärfen würden. Zu den größten Herausforderungen für die Branche zählen derzeit die Konkurrenz aus China, sinkende Gewinne auf dem weltweit größten Absatzmarkt selbst sowie die Einfuhrzölle in den Vereinigten Staaten. Im ersten Halbjahr 2026 ging der VW-Absatz in China und den USA spürbar zurück.
Dopplung der Stellenstreichungen denkbar
Als Europas größter Automobilhersteller liegt eine große Last auf dem Volkswagen-Konzern, zu dem auch Marken wie Škoda, Audi oder Porsche gehören. Rückläufige Gewinne und teure Überkapazitäten prägen die Geschäfte in Europa. Reuters zufolge seien verschiedene Szenarien denkbar, darunter weitere 50.000 Stellenstreichungen und damit eine Dopplung der geplanten Entlassungen oder die Ausgliederung einiger Geschäftsbereiche.
Die Gespräche über eine geplante Umstrukturierung dauern bereits lange an, wobei Blume von Volkswagens größter Umstrukturierung der Geschichte spricht. Im Juli stellte Volkswagen Pläne vor, seine Modellpalette drastisch zu verschlanken und die Kapazitäten weiter abzubauen.
Die hinter VW stehenden Eigentümerfamilien hatten Anfang des Monats außerdem den Druck auf alle Beteiligten erhöht und drastische Umstrukturierungsmaßnahmen gefordert. Sie sind Teil der historisch gewachsenen Führungsstruktur bei Volkswagen. Einen Anteil von 31,9 Prozent und damit den größten Anteil an Stamm- und Vorzugsaktien von Volkswagen hält die Holdinggesellschaft Porsche SE der Familien Porsche und Piëch.
Vier Standorte in Deutschland bedroht
„Die Lage ist mehr als kritisch“, schrieb Blume in der Memo, und die aktuellen Margen von weniger als 4 Prozent seien keineswegs ausreichend, um langfristig genügend Mittel für neue Technologien, neue Produkte und die Standorte zu generieren.
Reuters zufolge werde der Volkswagen-Aufsichtsrat am 4. September zu den Sanierungsplänen tagen. Blume selbst besucht in der nächsten Woche die gefährdeten Volkswagen-Werke. Die vier deutschen Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm werden in den 2030er Jahren voraussichtlich keine wettbewerbsfähige Auslastung erreichen. Spekulationen darüber, welche VW-Werke in Deutschland Bestand haben werden, gibt es schon länger. Die Standorte hätten in einigen Bereichen Fortschritte gemacht, so Blume, doch reiche dies noch nicht aus.
Quelle: Reuters – Volkswagen needs deep cuts to remain competitive, CEO says ahead of crunch talks









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