Der chinesische Automobilhersteller XPeng wird in den kommenden beiden Jahren von einer Regelung profitieren, die bislang innerhalb des Volkswagen-Konzerns abgewickelt wurde: Porsche verlässt den konzerninternen CO2-Pool und schließt sich stattdessen mit XPeng zu einem offenen Pool zusammen. Für den Newcomer aus Guangzhou bedeutet das planbare Einnahmen aus regulatorischen Gutschriften, für Porsche zusätzliche Kosten, um die eigene Flottenbilanz auszugleichen.
Hinterlegt ist der Schritt in einer offiziellen EU-Meldung vom 5. August. Bis dahin konnten die vergleichsweise hohen CO2-Werte der Porsche-Neuzulassungen über sämtliche Marken des Volkswagen-Konzerns gemittelt werden, um die europäischen Flottenzielwerte zu erreichen. Diese Verrechnung entfällt nun. Die neue Konstellation gilt für die Jahre 2026 und 2027.
Bemerkenswert ist dabei die Eigentümerstruktur im Hintergrund. Volkswagen hält fünf Prozent an XPeng, sodass der Konzern indirekt an einem Partner beteiligt ist, mit dem eine seiner eigenen Marken künftig rechnet. XPeng baut seine Präsenz in Europa derzeit spürbar aus. Nach Daten von Schmidt Automotive Research lieferte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres knapp 20.000 Autos in Westeuropa aus.
Für das Gesamtjahr zeichnet sich eine Größenordnung von rund 50.000 Auslieferungen in der Region ab. Getragen wird diese Entwicklung vom Volumenmodell L03, dessen Auslieferungen im Jahresverlauf anlaufen sollen. Damit dürfte XPeng noch in diesem Jahr an Polestar vorbeiziehen und zur führenden chinesischen Premiummarke in Westeuropa aufsteigen.
Warum Volkswagen den Spielraum jetzt braucht
Der Zeitpunkt der Trennung ist kein Zufall. Der Volkswagen-Konzern verfehlte im Jahr 2025 den europäischen Flottenzielwert von 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer und kam nach eigenen Angaben auf 100 Gramm. Daraus ergibt sich eine Übererfüllung, die in den Jahren 2026 und 2027 nötig wird, um wieder auf eine realistische Linie für den Dreijahresdurchschnitt zu kommen. Diese Flexibilitätsregel war 2025 eingeführt worden.
Diesen Kraftakt stemmt der Konzern nun ohne Porsche. Die Sportwagenmarke gilt in der Rechnung als Belastung, seit sie ihre Strategie zurückjustiert und wieder einen höheren Verbrenneranteil im Absatz anstrebt. Die Elektromodelle kommen im laufenden Jahr nicht wie geplant voran: Nach den Monatsdaten von Schmidt Automotive Research liegen die Auslieferungen batterieelektrischer Porsche in Westeuropa um annähernd 30 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der Elektro-Anteil am regionalen Neugeschäft der Marke liegt entsprechend bei rund 30 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch knapp 40 Prozent. Wie stark die Poolvereinbarung die Ergebnisse in Zuffenhausen 2026 und 2027 belastet, hängt damit unmittelbar davon ab, wie gut der Hochlauf der E-Modelle im weiteren Verlauf gelingt.
Ein Blick auf die Produktseite zeigt, dass eine schnelle Korrektur der Bilanz nicht angelegt ist. Porsche bringt eine Verbrennervariante des Macan zurück, die zwei Jahre lang nicht angeboten wurde. Grund für den Wegfall war eine 2024 wirksam gewordene Aktualisierung der Typgenehmigungsvorschriften im Bereich Cybersicherheit. Für die Flottenwerte der Marke dürfte die Rückkehr dieses Modells wenig hilfreich sein.
Ein Konzern ordnet seine Rechnung neu
Für den Rest des Volkswagen-Konzerns fällt die Rechnung günstiger aus. Ohne Porsche stehen die Chancen besser, die regulatorischen Vorgaben im Dreijahresmittel einzuhalten, weil der geplante Modellfahrplan im Elektrobereich in den kommenden Monaten greift. Damit ließen sich Strafzahlungen wegen Nichteinhaltung ebenso vermeiden wie zusätzliche Kosten für ein Pooling zum Stichtag Ende 2027.
Offen bleibt, wie sich die Konditionen der Vereinbarung zwischen Porsche und XPeng im Detail gestalten. Fest steht bislang lediglich der formale Rahmen: zwei Jahre, ein offener Pool, und ein Partner, an dem der bisherige Poolführer selbst beteiligt ist.
Quelle: Schmidt Automotive Research – Porsche exit VW regulatory EU CO₂ pool to join China’s XPeng









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