VW trennt sich vom größten CO2-Problem im Konzern

VW trennt sich vom größten CO2-Problem im Konzern
Copyright:

Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der chinesische Automobilhersteller XPeng wird in den kommenden beiden Jahren von einer Regelung profitieren, die bislang innerhalb des Volkswagen-Konzerns abgewickelt wurde: Porsche verlässt den konzerninternen CO2-Pool und schließt sich stattdessen mit XPeng zu einem offenen Pool zusammen. Für den Newcomer aus Guangzhou bedeutet das planbare Einnahmen aus regulatorischen Gutschriften, für Porsche zusätzliche Kosten, um die eigene Flottenbilanz auszugleichen.

Hinterlegt ist der Schritt in einer offiziellen EU-Meldung vom 5. August. Bis dahin konnten die vergleichsweise hohen CO2-Werte der Porsche-Neuzulassungen über sämtliche Marken des Volkswagen-Konzerns gemittelt werden, um die europäischen Flottenzielwerte zu erreichen. Diese Verrechnung entfällt nun. Die neue Konstellation gilt für die Jahre 2026 und 2027.

Bemerkenswert ist dabei die Eigentümerstruktur im Hintergrund. Volkswagen hält fünf Prozent an XPeng, sodass der Konzern indirekt an einem Partner beteiligt ist, mit dem eine seiner eigenen Marken künftig rechnet. XPeng baut seine Präsenz in Europa derzeit spürbar aus. Nach Daten von Schmidt Automotive Research lieferte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres knapp 20.000 Autos in Westeuropa aus.

Für das Gesamtjahr zeichnet sich eine Größenordnung von rund 50.000 Auslieferungen in der Region ab. Getragen wird diese Entwicklung vom Volumenmodell L03, dessen Auslieferungen im Jahresverlauf anlaufen sollen. Damit dürfte XPeng noch in diesem Jahr an Polestar vorbeiziehen und zur führenden chinesischen Premiummarke in Westeuropa aufsteigen.

Warum Volkswagen den Spielraum jetzt braucht

Der Zeitpunkt der Trennung ist kein Zufall. Der Volkswagen-Konzern verfehlte im Jahr 2025 den europäischen Flottenzielwert von 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer und kam nach eigenen Angaben auf 100 Gramm. Daraus ergibt sich eine Übererfüllung, die in den Jahren 2026 und 2027 nötig wird, um wieder auf eine realistische Linie für den Dreijahresdurchschnitt zu kommen. Diese Flexibilitätsregel war 2025 eingeführt worden.

Diesen Kraftakt stemmt der Konzern nun ohne Porsche. Die Sportwagenmarke gilt in der Rechnung als Belastung, seit sie ihre Strategie zurückjustiert und wieder einen höheren Verbrenneranteil im Absatz anstrebt. Die Elektromodelle kommen im laufenden Jahr nicht wie geplant voran: Nach den Monatsdaten von Schmidt Automotive Research liegen die Auslieferungen batterieelektrischer Porsche in Westeuropa um annähernd 30 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der Elektro-Anteil am regionalen Neugeschäft der Marke liegt entsprechend bei rund 30 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch knapp 40 Prozent. Wie stark die Poolvereinbarung die Ergebnisse in Zuffenhausen 2026 und 2027 belastet, hängt damit unmittelbar davon ab, wie gut der Hochlauf der E-Modelle im weiteren Verlauf gelingt.

Ein Blick auf die Produktseite zeigt, dass eine schnelle Korrektur der Bilanz nicht angelegt ist. Porsche bringt eine Verbrennervariante des Macan zurück, die zwei Jahre lang nicht angeboten wurde. Grund für den Wegfall war eine 2024 wirksam gewordene Aktualisierung der Typgenehmigungsvorschriften im Bereich Cybersicherheit. Für die Flottenwerte der Marke dürfte die Rückkehr dieses Modells wenig hilfreich sein.

Ein Konzern ordnet seine Rechnung neu

Für den Rest des Volkswagen-Konzerns fällt die Rechnung günstiger aus. Ohne Porsche stehen die Chancen besser, die regulatorischen Vorgaben im Dreijahresmittel einzuhalten, weil der geplante Modellfahrplan im Elektrobereich in den kommenden Monaten greift. Damit ließen sich Strafzahlungen wegen Nichteinhaltung ebenso vermeiden wie zusätzliche Kosten für ein Pooling zum Stichtag Ende 2027.

Offen bleibt, wie sich die Konditionen der Vereinbarung zwischen Porsche und XPeng im Detail gestalten. Fest steht bislang lediglich der formale Rahmen: zwei Jahre, ein offener Pool, und ein Partner, an dem der bisherige Poolführer selbst beteiligt ist.

Quelle: Schmidt Automotive Research – Porsche exit VW regulatory EU CO₂ pool to join China’s XPeng

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Porsche Elektroautos

Porsche SE sieht VW an historischem Wendepunkt

Porsche SE sieht VW an historischem Wendepunkt

Sebastian Henßler  —  

Die Porsche SE weist für das erste Halbjahr 2026 einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro aus. Wertberichtigungen auf Volkswagen und Porsche AG belasten.

Leiters: „Porsche kann allein nicht überleben“

Leiters: „Porsche kann allein nicht überleben“

Sebastian Henßler  —  

Porsche-Chef Michael Leiters räumt ein, dass sein Unternehmen allein in der heutigen Form nicht überleben könnte und auf den VW-Konzern angewiesen bleibt.

Porsche-Experte: Rennsport treibt Nachhaltigkeit an

Porsche-Experte: Rennsport treibt Nachhaltigkeit an

Sebastian Henßler  —  

Dr. Florian Bach erklärt bei Porsche Motorsport, wie recycelte Karbonfasern, Naturfasern und Datenauswertungen den Rennsport nachhaltiger gestalten sollen.

Warum der Porsche Cayenne Electric überzeugt – aber nicht ganz

Warum der Porsche Cayenne Electric überzeugt – aber nicht ganz

Sebastian Henßler  —  

Der Porsche Cayenne Electric überzeugt im Test mit effizientem Verbrauch und starker Ladeleistung, patzt aber an anderer Stelle.

Warum Porsche trotz Absatzeinbruch mehr verdient

Warum Porsche trotz Absatzeinbruch mehr verdient

Sebastian Henßler  —  

Trotz sinkender Umsätze verbessert Porsche seine operative Umsatzrendite deutlich und verweist auf Kostenmanagement und Preisdisziplin.

Porsches Zukunftspaket: Sparkurs trifft E-Auto-Flaute

Porsches Zukunftspaket: Sparkurs trifft E-Auto-Flaute

Sebastian Henßler  —  

Für die milliardenschwere Standortinvestition verzichten Beschäftigte auf Teile der Tariferhöhung, während 5000 Stellen sozialverträglich abgebaut werden.