Wie Volkswagen künftig mit weniger Geld auskommen will

Wie Volkswagen künftig mit weniger Geld auskommen will
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen will mit deutlich weniger Kapital auch künftig zu den technologisch führenden Automobilherstellern der Welt zählen. Wie aus einem internen Schreiben hervorgeht, das der Automobilwoche vorliegt, sehen Finanzchef Arno Antlitz und Entwicklungsvorstand Werner Tietz genau in der Reduzierung von Komplexität die Voraussetzung dafür, dass sinkende Investitionen nicht zu Lasten der Innovationskraft gehen. Für Kund:innen bedeutet das künftig ein schlankeres Modellangebot, das dafür schneller mit neuer Technik ausgestattet werden soll.

„Der Volkswagen Konzern zählt weltweit zu den innovativsten Automobilherstellern, investiert aber auch mehr als alle seine Wettbewerber. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir den Aufwand pro Auto senken“, erklärt Antlitz laut dem Schreiben. Erreicht werden soll dies durch weniger Komplexität, einfachere Strukturen und Prozesse sowie eine Ausrichtung des Angebots an Autos und Ausstattungen auf die Wünsche der Kundschaft.

2025 investierte Volkswagen 34,4 Milliarden Euro, davon 19,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Die Investitionsquote lag damit bei 11,8 Prozent des Umsatzes und damit deutlich über dem Niveau vieler Wettbewerber. Für den Fünfjahreszeitraum von 2024 bis 2028 rechnete der Konzern ursprünglich noch mit 180 Milliarden Euro an Investitionen. Diese Summe wurde inzwischen schrittweise nach unten korrigiert. Zuletzt war für die Jahre 2026 bis 2030 von rund 160 Milliarden Euro die Rede, perspektivisch könnten die Investitionen für jeweils fünf Jahre auf gut 130 Milliarden Euro sinken. Genaue Zahlen nennt der Konzern bislang nicht.

Weniger Komplexität soll Spielräume schaffen

Als Gründe für die sinkenden Summen nennt Volkswagen die Entwicklungen auf den globalen Kernmärkten, allen voran China, sowie Zölle und geopolitische Spannungen, die das Finanzergebnis belastet hätten. „Kapital wird noch gezielter eingesetzt, dort, wo es den größten Beitrag zu Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Kundennutzen leistet“, heißt es in dem Intranet-Artikel.

Um diesen fokussierten Kapitaleinsatz zu ermöglichen, will der Konzern die Modellpalette um bis zu 50 Prozent straffen und die Angebotsvielfalt bei Varianten und Ausstattungen um bis zu 75 Prozent eindampfen. Nicht jedes Modell und nicht jede Variante rechtfertige demnach künftig noch den notwendigen Entwicklungsaufwand.

Die verbleibenden Baureihen sollen im Gegenzug von höheren Investitionen pro Modell profitieren und dadurch schneller technologisch vorangetrieben werden, als es aktuell möglich ist. Entwicklungsvorstand Tietz setzt dabei auf eine stärkere Standardisierung von Plattformen und Modulen sowie auf den Einsatz von KI entlang der gesamten Entwicklungskette. „Wir richten unsere Entwicklung noch konsequenter auf den Kundennutzen aus. Weniger Komplexität bei Plattformen und Modulen, ein stärkerer Einsatz von Künstlicher Intelligenz entlang der gesamten Entwicklungskette und schnellere Prozesse helfen uns dabei, mit weniger Mitteleinsatz mehr Innovationen auf die Straße zu bringen“, so Tietz.

Standortfragen bleiben weiter offen

Der Umbau ist Teil des Zukunftsbilds 2030, mit dem der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume einen tiefgreifenden Wandel des Unternehmens eingeleitet hat. Neben der Straffung von Modellangebot und Variantenvielfalt sollen die Produktionskapazitäten des Konzerns auf eine Jahresproduktion von neun Millionen Autos ausgerichtet, Strukturen vereinfacht und die Entwicklung stärker regionalisiert werden.

Welche konkreten Folgen dieser Umbau für einzelne Werke hat, ist bislang nicht entschieden. Über die Zukunft schwach ausgelasteter Standorte wie Emden, Hannover, Zwickau oder Neckarsulm liegen ebenso wenig Beschlüsse vor wie über mögliche zusätzliche Personalmaßnahmen. Laut Automobilwoche werden im Konzern weiterhin verschiedene Szenarien für die Auslastung einzelner Standorte diskutiert, darunter die Ansiedlung neuer Modelle aus China, zusätzliche Lokalisierungsprojekte innerhalb Europas oder alternative industrielle Nutzungen.

Quelle: Automobilwoche – Weniger Investitionen: Volkswagen will sich die Nische nicht mehr leisten

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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