Der Absatzrückgang deutscher Automobilhersteller in China schlägt zunehmend auf die dortigen Fabriken durch. Laut Daten von Mobility Global, über die die Automobilwoche berichtet, könnten die chinesischen Werke von Volkswagen, Audi, Mercedes-Benz und BMW im Jahr 2030 durchschnittlich nur noch zu 44 Prozent ausgelastet sein. Damit wird aus dem Absatzproblem ein handfestes Produktionsproblem.
Erste Konsequenzen sind bereits sichtbar. Volkswagen schließt das gemeinsam mit SAIC betriebene Werk in Nanjing. Auch Mercedes-Benz und BMW prüfen laut Bericht „operative Anpassungen“. Die über Jahrzehnte erfolgreiche Strategie, den chinesischen Markt über lokale Gemeinschaftsunternehmen zu bedienen, gerät damit stärker unter Druck.
Der Grund liegt nicht nur in einer schwächeren Gesamtnachfrage. Vor allem chinesische Marken gewinnen mit preislich aggressiven und digital stark auf den Heimatmarkt zugeschnittenen Elektroautos Marktanteile. Im zweiten Quartal 2026 brachen die ohnehin in den vergangenen Jahren bereits stark geschrumpften China-Verkäufe von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW jeweils um weitere mehr als 30 Prozent ein. Bei Volkswagen fiel der Rückgang mit 36,6 Prozent besonders deutlich aus.
Wie schwer sich selbst technisch moderne deutsche Elektroautos tun, zeigt der Mercedes CLA L. Trotz 800-Volt-Technik, hoher Reichweite und lokaler Anpassungen sollen im ersten Halbjahr lediglich 627 Exemplare verkauft worden sein. Der Preisabstand zu heimischen Wettbewerbern bleibt offenbar ein entscheidendes Hindernis.
Rollenverteilung ändert sich grundlegend
Zugleich wächst der Druck von der anderen Seite. Chinesische Hersteller reagieren auf unausgelastete Kapazitäten mit steigenden Exporten und bauen verstärkt Produktionsstandorte im Ausland auf. Geely geht bereits weiter und bietet internationalen Partnern Plattformen, Entwicklung, Lieferketten und Fertigung als Gesamtpaket an. China entwickelt sich damit vom wichtigsten Absatzmarkt zunehmend zum Technologie- und Produktionszentrum der globalen Automobilindustrie.
Für deutsche Hersteller reicht es deshalb nicht, lediglich neue Elektroautos nachzureichen. Sie müssen Entwicklungszeiten verkürzen, Software und digitale Funktionen stärker an lokale Erwartungen anpassen und ihre Kosten deutlich senken. Kooperationen mit chinesischen Partnern, wie sie Volkswagen mit Xpeng und SAIC verfolgt, dürften dabei wichtiger werden.
Die Ironie der Entwicklung: Während deutsche Hersteller ihre chinesischen Werke nicht mehr füllen können, wird gleichzeitig diskutiert, in China entwickelte Fahrzeuge künftig auch in europäischen VW-Werken zu bauen. Die Produktionskrise ist damit längst kein regionales Problem mehr, sondern Beleg für eine grundlegend in Verschiebung befindliche industrielle Rollenverteilung.
Quelle: Automobilwoche – Produktion deutscher Autobauer in China stürzt auf Tiefstand









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