Umweltbonus: So reagieren Hersteller

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Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 5 min

Der am Wochenende eilig kommunizierte Ausstieg aus dem Umweltbonus für Elektroautos sorgte nicht nur in der Autoszene für ein heftiges Erdbeben. Die Antwort von VDA und Autoindustrie ließ nicht lange auf sich warten. Der Kampf um die Verkehrswende beginnt – härter denn je.

Zwei Nachrichten bestimmten das vergangene Wochenende. Zum einen soll das Steuerprivileg der Bauern auf den Dieselkraftstoff entfallen und was die öffentliche Meinung deutlich mehr in Wallung brachte: Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte am Samstag kurzerhand mitteilen lassen, dass der von den meisten erst einmal sicher gewähnte Umweltbonus auf Elektroautos noch am gleichen Wochenende auslaufen würde. Die potenziellen Käufer eines Elektroautos liefen Sturm und auch bei den Autoherstellern gab es bestürzte Gesichter. Doch viele Autohersteller beabsichtigen den Steuerschock auf eigene Kappe abzufangen – zumindest kurzfristig.

VDA macht sich für Fortführung des Umweltbonus stark

„Die Regierung hat den Verbrauchern ein Versprechen gegeben, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen beim Kauf eines E-Pkw unterstützt werden. Aufgrund der finanziell angespannten Situation ist der Umweltbonus bei vielen Betroffenen – gerade in diesen herausfordernden Zeiten – ganz entscheidend“, zeigte sich VDA-Präsidentin Hildegard Müller überraschend deutlich, „diesen Menschen jetzt den Zuspruch zu verwehren, weil man weiterhin am Zulassungs- statt am Kaufdatum eines E-Autos festhalten will, untergräbt das Vertrauen der Verbraucher in die Verlässlichkeit der Politik. Dass man zudem noch den Stichtag für die Förderung auf den gestrigen Sonntag gesetzt hat, ist unverhältnismäßig. Wir plädieren mit Nachdruck an die Bundesregierung und den Bundestag, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, die den Kunden ihren beim Kauf des Autos fest eingeplanten Bonus garantiert.“

Stellantis schreitet voran und übernimmt Umweltbonus auf eigene Kappe

Der Stellantis-Konzern, zu dem Marken wie Opel, Peugeot, Jeep, Fiat oder Citroën gehören, war einer der ersten, der noch am Montagmorgen aus der Deckung kroch. „Gemeinsam mit unseren Handelspartnern lassen wir unsere Kunden nicht im Regen stehen“, unterstrich Stellantis Deutschland-Chef Lars Bialkowski, „wir haben die Entscheidung, den Umweltbonus mit weit weniger als 48 Stunden Vorlauf zu beenden, mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen.“ Stellantis Deutschland garantiert demnach zumindest bis einschließlich 31. Dezember 2023 für Elektroautos, die nach den bisherigen Bafa-Richtlinien bonusberechtigt sind, den vollen Umweltbonus.

Das gilt für Privatkunden, die ihr bereits bestelltes vollelektrisches Fahrzeug der Marken Abarth, Citroën, DS Automobiles, Fiat, Jeep, Opel und Peugeot bis zum Jahresende zulassen. Aktuell hat Stellantis unter seinen verschiedenen Marken 24 batterieelektrische Fahrzeuge im Portfolio. Im nächsten Jahr soll sich diese Anzahl verdoppeln. Mit Fiat 500 Elektro und Opel Corsa Electric sind zwei der Elektrobesteller unter dem Stellantis-Dach unterwegs.

Mercedes springt ebenfalls ein bei Umweltbonus-Zahlung

Auch Mercedes ließ mit seiner Antwort nicht lange auf sich warten. Die Schwaben setzen ihre Förderung nach dem von der Bundesregierung beschlossenen Auslaufen des Umweltbonus für vollelektrische Fahrzeuge fort. Kunden eines Mercedes erhalten weiterhin den Herstelleranteil des bisherigen Umweltbonus. Für Lieferungen und Zulassungen bis zum 31. Dezember 2023 übernimmt Mercedes zudem den staatlichen Förderanteil für die Fälle, in denen der Kunde diesen nun nicht mehr vom Staat erhält.

„Das Auto ist nach dem Haus oder der Wohnung meist die zweitgrößte Investitionsentscheidung für Haushalte in Deutschland. Planungssicherheit ist dabei für die Menschen ein sehr hohes Gut; das vorzeitige Ende des Umweltbonus erachten wir daher als verfrüht. Vor dem Hintergrund dieser Planungssicherheit haben wir uns daher dazu entschieden, den vollen Umweltbonus auf Kosten von Mercedes-Benz bis Ende 2023 zu gewährleisten“, so Jörg Heinermann, Leiter des Mercedes-Vertriebs Deutschland.

VW, Toyota und Smart wollen Kunden nicht alleine lassen

Ähnliche Regelungen gibt es bei den beiden größten Autoherstellern der Welt, Volkswagen und Toyota. Alle Kunden, die ein förderungsfähiges Elektroauto bestellt haben, erhalten von Toyota und Lexus eine Prämie von bis zu 6750 Euro, entsprechend den bisherigen Regelungen der staatlichen Förderung. Ferner bietet Toyota und Lexus allen Kunden, die bis einschließlich 31. Dezember 2023 ein E-Auto aus dem verfügbaren Bestand kaufen, die Prämie an.

Mario Köhler, Vertriebschef Toyota Deutschland: „Wir haben uns kurzfristig entschieden unseren Kunden den Umweltbonus in voller Höhe zu gewähren. Diese Aktion führen wir gemeinsam mit unserem Handelsnetz durch, denn für uns ist die Elektrifizierung ein wichtiger Baustein für den Weg in eine CO₂-neutrale Mobilität.“ Ähnlich sind die Regelungen bei Volkswagen und den verschiedenen Konzernmarken. Auch hier sollen zumindest jene Kunden den Bonus erhalten, die ihren Wagen bis zum Ende des Jahres zulassen.

Smart übernimmt bei Privatkundenfahrzeugen mit Zulassung bis zum 31. Dezember die bis zum 17. Dezember gültige volle Förderung bestehend aus Hersteller- und Bundesanteil. Privatkunden, die bis zum Jahresende einen Smart #1 oder #3 bestellen oder bereits bestellt, haben und deren Zulassung im kommenden Jahr ansteht, gleicht Smart den ursprünglich ab 1. Januar 2024 geltenden reduzierten Umweltbonus inklusive Herstelleranteil aus. Wolfgang Ufer, CEO von Smart Deutschland: „Das plötzliche Ende der Umweltprämie für Elektroautos haben wir mit Verwunderung zu Kenntnis genommen und halten die Kurzfristigkeit für unsere Kunden für unzumutbar. Wir wollen weiterhin nachhaltige Mobilität ermöglichen. Daher haben wir uns zur Übernahme des Umweltbonus für Bestellungen bis zum Jahresende entschieden und bieten unseren privaten Kunden daher die finanzielle Unterstützung, mit der sie bisher gerechnet haben.“

Bei den genannten Autoherstellern dürfte es kaum bleiben, denn auch jene, die sich bisher nicht offiziell geäußert haben, dürften um eine Übernahme der Förderung zumindest bis zum Jahresende kaum herumkommen. Doch ab Januar 2024 werden die Karten neu gemischt und dann ist zu erwarten, dass die Neuverkäufe ohne den stattlichen Umweltbonus mächtig unter Druck geraten. Denn für viele Interessenten war der stattliche Bonus einer der Hauptgründe für den Umstieg auf ein neues Modell mit Stecker.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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rotzlöffel:

Das lässt für mich nur einen Schluss zu: Der Umwelt-Bonus wurde von den Herstellern zuvor „einfach mal so“ eingepreist.Dieser staatliche Zuschuß wäre ergo unmittelbar am Käufer vorbei in die Herstellerkasse geflossen. Das ist nichts neues.War bei der „Förderung“ der Solaranlagen genau dasselbe wie bei den PV-Anlagen. Vielleicht sollte der Gesetzgeber dem mal einen Riegel vorschieben.

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