Renault-Werk in Slowenien: Der leise Wandel zur E-Fabrik

Renault-Werk in Slowenien: Der leise Wandel zur E-Fabrik
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Wolfgang Plank
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Seit mehr als 50 Jahren rollen im slowenischen Novo Mesto Autos der Marke Renault vom Band – über fünf Millionen Fahrzeuge insgesamt. Das Werk Revoz, 1988 als Joint Venture gegründet und heute vollständig im Besitz der Franzosen, ist der einzige verbliebene Automobilproduktionsstandort Sloweniens. Lange stand der Standort vor allem für den Clio, eines der meistverkauften Kompaktautos Europas. Nun steht ein Wandel an.

Aktuell laufen im Werk zwei Modelle parallel vom Band: die fünfte Generation des Clio sowie der neue Twingo E-Tech – eines der wenigen in Europa produzierten Elektroautos unter 20.000 Euro. Für Revoz ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gezielten Transformation. Schon von 2016 bis 2021 baute das Werk den elektrischen Smart und sammelte damit früh Erfahrung mit der E-Auto-Produktion. Dieses Wissen fließt nun in den Twingo-Anlauf ein, der es in lediglich 21 Monaten zur Serienreife gebracht hat.

Ende Juni läuft der Clio in Novo Mesto aus – der Nachfolger wird künftig in der Türkei gefertigt. Zum Jahresende soll ein Dacia-Modell auf derselben Plattform wie der Twingo den Produktionsbetrieb aufnehmen, ein Nissan-Modell ist ebenfalls geplant. Das Werk, das bis zu 150.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen kann, richtet sich damit konsequent auf eine elektrische Zukunft aus. Werkleiter Jože Bele spricht im Interview über die Herausforderungen dieser Transformation, die Rolle des Standorts im Renault-Konzern – und darüber, was es bedeutet, ein günstiges Elektroauto auf höchstem Qualitätsniveau zu bauen.

Wolfgang Plank, Elektroauto-News: Der Twingo E-Tech hat es in gerade mal 21 Monaten zur Serienreife gebracht. Was waren die größten Hürden bei der Transformation des Werks zur Elektroauto-Produktion?

Jože Bele, Renault: Wir haben von 2016 bis 2021 auch schon den elektrischen Smart hier gebaut und insoweit viel Erfahrung mit E-Autos. Die Roboter für die Fertigung müssen selbstverständlich angepasst werden. Davon abgesehen aber sind die Herausforderungen am Band gar nicht besonders groß, zumal E-Autos beim Antrieb deutlich weniger Teile haben. Und bei der Endfertigung etwa von Innenraum und Türen gibt es ohnehin kaum Unterschiede.

Der Twingo E-Tech ist eines der wenigen in Europa produzierten E-Autos unter 20.000 Euro für das Basismodell. Welche Rolle spielt das Werk in Novo Mesto konkret bei der Erreichung dieser Marke?

Die Preisgestaltung liegt allein bei Renault und wird auch zentral von Frankreich aus gesteuert. Wir in Revoz sind aber ein extrem effizienter Produktionsstandort.

Das Werk ist für bis zu 150.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt. Neben dem Twingo kommen auch ein Dacia- und ein Nissan-Modell auf derselben Plattform. Wie weit ist die Planung für diese Modelle, und wann ist mit dem Anlauf zu rechnen?

Wir produzieren im Werk Revoz im Ein-Schicht-Betrieb aktuell etwa 300 Fahrzeuge pro Tag. Falls notwendig, könnten wir – mit einigen Investitionen – auf zwei oder drei Schichten umstellen. Ende Juni läuft der Clio hier aus, weil der Nachfolger in der Türkei gebaut wird. Der Produktionsanlauf eines Dacia-Modells startet zum Jahresende. Unsere mittelfristige Zukunft bei Revoz ist elektrisch.

Renault und die slowenische Regierung haben viel in dieses Projekt investiert. Wie stellt das Werk sicher, dass die Qualitätsstandards bei einem Fahrzeug nicht leiden, das bewusst auf Kosteneffizienz ausgelegt ist?

An jedem Fahrzeug werden Hunderte Messpunkte erfasst. Laser, Ultraschall und Kameras überwachen exakt jeden Produktionsschritt. All diese Daten werden zusammengefasst und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ausgewertet. Wir arbeiten da auf höchstem Niveau – völlig unabhängig vom Preis des Fahrzeugs.

Die Dekarbonisierung des Werks ist Teil des Twingo-Projekts. Was bedeutet das konkret in Sachen Energie und CO₂-Bilanz?

Für alle diese Bereiche sind feste Fahrpläne vereinbart. Viel Energie haben wir in der Lackiererei eingespart. Zudem elektrisieren wir die Abläufe wo immer möglich oder stellen auf Biogas um, um so viel wie möglich an fossilen Brennstoffen zu sparen. Ein nächster großer Schritt wird die Photovoltaik-Anlage sein, die wir nach aktueller Lage im kommenden Jahr in Betrieb nehmen können.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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