VinFast steht gleich auf mehreren Fronten unter Druck. Der vietnamesische Elektroautohersteller hat in der vergangenen Woche angekündigt, sein Produktionsgeschäft in Vietnam zu verkaufen – und sieht sich zeitgleich mit einer Klage des US-Bundesstaates North Carolina konfrontiert. Beides zusammen wirft Fragen auf, die über operative Schwierigkeiten hinausgehen.
Den Anfang macht die Transaktion in Vietnam: VinFast will seine beiden Hauptwerke für umgerechnet rund 430 Millionen Euro an eine Investorengruppe veräußern. Die Käufer übernehmen dabei auch Schulden in Höhe von umgerechnet knapp 5,9 Milliarden Euro – ein Schritt, den das Unternehmen als strategische Entlastung der eigenen Bilanz darstellt. VinFast behält demnach seine Montagewerke in Indonesien und Indien sowie die Patente der neuesten Fahrzeuggeneration. Die neuen Eigentümer dürfen die Werke künftig auch für die Fertigung von Fahrzeugen und Batterien im Auftrag Dritter nutzen.
VinFast: Komplexe Struktur weckt Skepsis bei Analyst:innen
Doch die Transaktion ist komplex strukturiert – und genau das sorgt für Unbehagen. Mehdi Jaouadi, Autoanalyst und Partner bei der Singapurer Beratung YCP, sieht zwar eine strategische Logik hinter dem Schritt, formuliert aber deutliche Vorbehalte: „Aus Governance-Perspektive gibt es einige rote Flaggen und Fragezeichen.“ Konkret stört ihn unter anderem die Rolle des Immobilienunternehmers Nguyen Hoai Nam, der kurz vor Bekanntgabe des Deals die Mehrheit an der Gesellschaft FIRD übernommen hat – jener Einheit, die künftig 95,5 Prozent des Produktionsgeschäfts halten soll. FIRD war bis Januar noch im Besitz von Vingroup und Gründer Pham Nhat Vuong.
Warum die Eigentumsstruktur so kurzfristig vor dem Abschluss geändert wurde, blieb offen. Auch die Rolle eines weiteren Zwischenkäufers, der am Ende keine Anteile halten wird, wirft laut Jaouadi Fragen auf. Vuong selbst tritt bei der Transaktion sowohl als Käufer als auch als Verkäufer auf.
Vingroup äußerte sich auf Anfrage nicht, VinFast erklärte, an den Transaktionen nicht beteiligt gewesen zu sein. Dragon Capital, einer der wenigen ausländischen Investoren in Vingroup, bezeichnete den Schritt als „positive strukturelle Entwicklung“, da er Schulden und Kosten reduziere. Die Aktien von VinFast sind seit Bekanntgabe der Transaktion am 12. Mai um rund zwölf Prozent gefallen.
North Carolina zieht vor Gericht
Parallel dazu hat der US-Bundesstaat North Carolina Klage gegen VinFast eingereicht. Generalstaatsanwalt Jeff Jackson wirft dem Unternehmen vor, seine vertraglichen Zusagen nicht erfüllt zu haben. VinFast hatte sich verpflichtet, in Chatham County auf einem rund 712 Hektar großen Gelände ein Elektroauto- und Batteriewerk zu errichten, 7500 Arbeitsplätze zu schaffen und mehr als 2,55 Milliarden Euro zu investieren. Laut der Klageschrift ruhen die Arbeiten auf dem Gelände seit über einem Jahr. North Carolina fordert die Rückzahlung von rund 68 Millionen Euro, die für die Standortvorbereitung bereitgestellt wurden, sowie das Recht, das Grundstück für einen künftigen Investor zurückzukaufen.
VinFast erklärte, noch keine offizielle Klagedokumentation erhalten zu haben, und verwies darauf, dass Verträge mit Baufirmen bereits unterzeichnet seien. Die Verzögerung begründete das Unternehmen mit veränderten US-Rahmenbedingungen für die Elektromobilität, die eine erneute Prüfung der Umsetzungsbedingungen erfordert hätten. Ursprünglich sollte das Werk bis Juli 2025 in Betrieb gehen; zuletzt hatte VinFast den Start auf 2028 verschoben.
Quelle: Reuters – Vietnamese EV maker VinFast’s move to shift $7 billion in debt raises ‚red flags‘ / Reuters – North Carolina sues Vietnam’s VinFast over delayed EV project









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