Robotik: Zukunft der Fertigungshalle

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Maria Glaser
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  —  Lesedauer 5 min

In einem Interview mit Automotive News Europe gab der Leiter der Robotikabteilung von ABB, Jörg Reger, ausführliche Informationen zur Entwicklung der Branche unter dem Einfluss von Elektroautos und ihrer Herstellung.

Das Schweizer Unternehmen ABB, das sein Forschungs- und Entwicklungszentrum im hessischen Friedberg hat, ist einer der führenden Anbieter für Robotik und erlebt derzeit einen Investitionsschub von europäischen Automobilherstellern. Die Umstellung auf Elektroautos sei dafür verantwortlich und habe in der Branche alles verändert, so Reger.

Das liege daran, dass Automobilhersteller in der Transformation zu emissionsfreien Fahrzeugen die Produktion bei sinkenden Kosten steigern wollen, denn das größte Problem der Elektroautobranche sei die Erschwinglichkeit der neuen, nachhaltigen Technologien. Günstigere Preise können durch die Automatisierung der Produktionsprozesse mit autonomen Robotern erreicht werden, die beispielsweise von ABB angeboten werden.

Im Bereich der E-Mobilität ist ABB durch fortschrittliche Technologien zum Schweißen vor allem für Batterieträger und -abdeckungen führend. Außerdem montiert das Unternehmen seit wenigen Jahren Elektromotoren und Rotoren für Renault, Ford und Zuliefer-Unternehmen wie ZF. Der Bereich um Elektromobilität macht im Unternehmensumsatz knapp 20 Prozent aus.

Für die Endmontage bietet ABB ein fortschrittliches Verfahren an, um das Cockpit mit einer Roboteranlage in die fahrende Karosserie einzubauen. Zudem ist die Überholung der verkauften Roboter ein Teil des Kerngeschäfts, der den Lebenszyklus der Roboter um weitere acht bis neun Jahre verlängern kann.

Optimierter Produktionsprozess für alle Fahrzeugtypen

Derzeit befindet sich die Mobilität im Umbruch, was zu Unsicherheiten bei Kundschaft sowie Fahrzeugherstellern sorgt. Während die Endkund:innen nicht sicher sind, ob sie in Elektroautos oder herkömmliche Verbrennungsmotoren investieren sollen, ist auch die Automobilbranche unsicher, wie die Fertigungsanlagen in Zukunft aussehen können und sollen. Während Ford beispielsweise das Kölner Werk auf die Produktion von Elektroautos umgestellt hat und das Volkswagenwerk in Emden nur E-Autos herstellt, haben andere, wie BMW gemischte Linien.

„Die größte Herausforderung für unsere Kunden ist das Management einer breiten Palette von Varianten. Die Autohersteller bieten alle verschiedenen Verbrennungsarten an und müssen nun entscheiden, ob sie Anlagen nur für Elektroautos oder für alle Verbrennungsarten bauen. Alle müssen sehr, sehr flexibel sein.“ – Jörg Reger, Leiter der Roboterabteilung von ABB

Daher biete ABB eine optimierte, flexible Lösung für verschiedene Produktionslinien an. In Anlagen für standardisierte Designs können mehrere Produktionsschritte durch autonome mobile Roboter (= AMR) automatisiert werden, von Kleben über Versiegeln und Schweißen bis zur Montage. Im Vergleich zu alten Fabriken, wo Fördertechnik oft noch fest sei, könne die Arbeit durch Anlagen von ABB ohne Werkzeugwechsel erledigt werden und ohne die Produktion unterbrechen zu müssen, so Reger.

Damit wird die Produktion optimiert und die Kosten sinken. Außerdem kann die Automobilbranche damit der Unsicherheit begegnen, die der Markt für Elektroautos mit sich bringt. Weil die Verkaufszahlen für E-Autos manchmal gut und manchmal rückläufig sind, sind fixe Fertigungsziele für Autohersteller überholt. Diese Entwicklung scheint die Fertigungshallen der Zukunft zu bestimmen:

„Der Trend geht eindeutig in Richtung flexible Automatisierung. Eine Kombination von standardisierten, flexiblen Produktionszellen mit AMRs ist der Weg in die Zukunft. Immer mehr Kunden fragen danach. Bei Ford haben wir eine große Anzahl von AMRs. Jaguar Land Rover und BYD sind mit uns in Gesprächen darüber.“ – Jörg Reger

Vereinfachte Fertigungsverfahren

Von der automatisierten Produktion einmal abgesehen befindet sich die Automobilindustrie in einem generellen Entwicklungsprozess hin zu vereinfachter Produktion. Dazu haben einige Hersteller wie Tesla, Xpeng und BYD bereits bei ihren Modellen angesetzt, denn mit weniger komplexen Fahrzeugen ist auch die Herstellung einfacher. Bei Tesla, so Reger, dauere die Konfiguration eines Fahrzeugs fünf bis zehn Minuten.

Zudem ist die Gießtechnik des Megacastings für die Karosserien in der Produktion mittlerweile angekommen und etabliert. Obwohl der Einsatz von Robotern in der Karosserieproduktion damit geringer wird, unterstütze ABB die Entwicklung und spezialisiere die eigenen Roboter auf andere Arbeiten, wie Bohren und Fräsen, so Reger.

Roboter gegen den Arbeitskräftemangel

Vernichtet die Automatisierung von Arbeitsprozessen Arbeitsplätze oder führt sie vielmehr dazu, fehlendes Personal auszugleichen? Für Reger ist klar: „Für alle sich wiederholenden und langweiligen Aufgaben sollten wir Roboter einsetzen.“ Dazu gehöre auch das Heben schwerer Dinge. Durch die Automatisierung könnte sich die von Menschen ausgeführte Arbeit erleichtern und verbessern, sie wäre weniger körperlich, dafür aber geistig fordernder – auf einem höheren Niveau also, so Reger.

Anstelle von klassischer Bandarbeit bedarf es künftig beispielsweise eher Mechaniker:innen und Elektriker:innen, die die Maschinen warten und reparieren können. Digitalisierung und Prozessoptimierung verschieben die Anforderungen an Arbeitnehmende, die höhere Qualifikationen benötigen werden. Auch Spezialist:innen werden in diesem Prozess zunehmend gebraucht. Insbesondere in Europa treibe der Arbeitskräftemangel die Automatisierung voran, so Reger.

Ihm zufolge vollziehe sich derzeit nicht nur ein technologischer, sondern auch ein gesellschaftlicher Wandel. Automobilunternehmen müssten daher ihre Angestellten auf die neuen Anforderungen vorbereiten. Für die Herstellung von Elektroautos umfasst das vor allem die Batteriemontage und Herstellung von Motoren.

Europäische Investitionen überholen chinesische Kundschaft

Die Robotik-Abteilung von ABB verzeichnete im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum, vor allem auf dem chinesischen Markt, gefolgt von den USA und Europa. Während der chinesische Markt jedoch an Bewegung verliere, hole Europa mit hohen Investitionen auf, so Reger. Die treibende Kraft in Europa und den USA sei dabei die E-Mobilität, denn Unternehmen investieren aufgrund des wachsenden Absatzes von Elektroautos mehr in Robotik.

Chinesische Investor:innen hingegen „gehen mehr nach Übersee. Zuerst nach Südostasien, also Thailand und Vietnam, und dann nach Europa. Sie gehen ins Ausland, weil sich ihre eigene Wirtschaft verlangsamt“, so Reger.

Effiziente Produktion für nachhaltige Fahrzeuge

Anstatt dem Produktionsstandard westlicher Unternehmen zu folgen, wie es in der Vergangenheit üblich gewesen sei, suchen nun Reger zufolge alle Autohersteller nach der besten Technologie und neuen Lösungen. Elektrofahrzeuge sind noch immer sehr teuer, der Preiskampf regiert die Fertigung und auch ABB muss sich daher dem Druck seiner Kundschaft nach gesenkten Kosten stellen:

„Das ist der Grund, warum die Automatisierung jetzt bei allen Unternehmen ganz oben auf der Tagesordnung steht. Die treibende Kraft hinter der Automatisierung ist jetzt: Wie können wir intelligentere Lösungen für die Produktion finden?“ – Jörg Reger

In den digitalisierten Fertigungshallen von morgen und zwischen den Problemen der Zukunft – von Cybersecurity bis Personalmangel – bietet ABB also neue, automatisierte Lösungen, um eine nachhaltige Mobilität bald noch erschwinglicher zu ermöglichen.

Quelle: Automotive News Europe – Why robot leader ABB says the EV shift ‚changed everything‘

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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