Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

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Sebastian Henßler
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Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat zum Auftakt seines 26. Mittelstandstages in Bonn aktuelle Umfrageergebnisse vorgelegt, die ein angespanntes Bild der wirtschaftlichen Lage im automobilen Mittelstand zeichnen. Befragt wurden Automobilzulieferer sowie mittelständisch geprägte Hersteller von Anhängern, Aufbauten und Bussen. Insgesamt beteiligten sich 116 Unternehmen an der Erhebung. Der VDA führt die Befragung seit dem Frühjahr 2020 regelmäßig durch, wodurch sich auch Entwicklungen über mehrere Erhebungszeiträume hinweg vergleichen lassen.

Die aktuelle Geschäftslage bewerten 41 Prozent der teilnehmenden Unternehmen als schlecht oder sehr schlecht, lediglich 22 Prozent sehen ihre Situation positiv. Auch der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate fällt verhalten aus. Jedes dritte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung, nur 25 Prozent erwarten eine Verbesserung. Im Vergleich zur vorherigen Umfrage im Januar hat sich die Stimmung damit eingetrübt: Damals überwog noch der Anteil optimistischer Einschätzungen.

Besonders deutlich zeigt sich der Druck bei den Investitionen. 67 Prozent der Unternehmen gaben an, geplante Investitionen am Standort Deutschland zu verschieben, ins Ausland zu verlagern oder vollständig zu streichen. Nur 2 Prozent planen, ihre Investitionen hierzulande zu erhöhen. Parallel dazu setzt sich der Beschäftigungsabbau fort. Während 54 Prozent der Unternehmen derzeit Stellen in Deutschland abbauen, bauen lediglich drei Prozent Beschäftigung auf, der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Bemerkenswert ist zudem, dass 44 Prozent jener Unternehmen, die in Deutschland Stellen abbauen, gleichzeitig im Ausland neue Beschäftigung schaffen.

Innovationsnahe Bereiche zunehmend betroffen

Der Stellenabbau verteilt sich nach Angaben der Befragten auf verschiedene Unternehmensbereiche. 64 Prozent der betroffenen Unternehmen reduzieren Verwaltungs- und Overheadfunktionen, 54 Prozent bauen produktionsnahe Tätigkeiten ab. Auch Forschung und Entwicklung bleibt nicht ausgenommen: 36 Prozent der betroffenen Unternehmen bauen entwicklungs- und innovationsnahe Tätigkeiten ab. Nur knapp ein Drittel der Befragten plant, die eigenen F&E-Investitionen in Deutschland zu erhöhen, während zwei Drittel mit sinkenden Ausgaben rechnen und rund die Hälfte stattdessen die F&E-Ausgaben im Ausland ausweiten will.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller ordnete die Zahlen als Ausdruck einer Standortkrise ein. Die Bedingungen in Deutschland würden die Industrie, insbesondere den automobilen Mittelstand, zunehmend unter Druck setzen, da die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nicht mehr gegeben sei. Mit Verweis auf frühere Berechnungen des Verbands erklärte Müller, ein höherer Anteil von Plug-in-Hybriden, Range Extendern und Verbrennern mit erneuerbaren Kraftstoffen könnte gegenüber der aktuellen CO2-Regulierung etwa 50.000 Arbeitsplätze am Standort Deutschland erhalten. Dies darf man durchaus kritisch sehen.

Bürokratie und Energiepreise als zentrale Belastung

Als größte Belastung benennen die Unternehmen Bürokratie: 84 Prozent fühlen sich durch entsprechende Anforderungen stark oder sehr stark belastet. 71 Prozent erwarten von der Bundesregierung in den kommenden Monaten vorrangig einen Abbau bürokratischer Hürden. Daneben nennen 63 Prozent Steuern und Abgaben als erhebliche Belastung, 53 Prozent hohe Strompreise und 43 Prozent hohe Gaspreise.

Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich nach Angaben von 46 Prozent der Unternehmen bereits auf das eigene Geschäft aus, vor allem über gestiegene Kraftstoffpreise, teurere Vorprodukte und höhere Energiekosten. Weitere 34 Prozent der Befragten sehen bislang keine Auswirkungen, rechnen jedoch künftig damit. Trotz der angespannten Lage benennen die Unternehmen auch Stärken des Standortes: 66 Prozent verweisen auf das industrielle Netzwerk in Deutschland, 53 Prozent auf die Verfügbarkeit von Fachkräften.

Isabelle Kirschbaum-Rupf, VDA-Vorständin und Sprecherin des VDA-Mittelstandsforums, betonte die Bedeutung der bestehenden Strukturen für die Branche. Das industrielle Netzwerk aus Herstellern und Zulieferern zähle weiterhin zu den Stärken des Produktionsstandortes, der automobile Mittelstand sei „tief verwurzelt in den Regionen im ganzen Land“. Gleichzeitig verwies sie auf hohe Arbeitskosten und mangelnde Flexibilität im Arbeitsrecht als zusätzliche Herausforderungen für den Standort.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 17.06.2026

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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