Die Porsche SE baut keine Autos und betreibt keine Werke. Sie hält Anteile: 31,9 Prozent an der Volkswagen AG und 12,5 Prozent an der Porsche AG, und genau diese Anteile sind im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger wert geworden. Unter dem Strich steht bei der Beteiligungsholding ein Konzernergebnis nach Steuern von minus 2,2 Milliarden Euro, nach einem Plus von rund 0,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Für die Eigentümerfamilien um Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch ist das die bisher deutlichste Quittung für eine Transformation, die bei beiden Beteiligungen langsamer vorankommt als geplant.
Ausgelöst wurde der Verlust durch nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen. Die Beteiligungsbuchwerte an Volkswagen korrigierte die Holding um drei Milliarden Euro nach unten, jene an der Porsche AG um 0,2 Milliarden Euro. Solche Abschreibungen kosten kein Geld, sie sind eine Neubewertung: Der Kapitalmarkt und das eigene Bewertungsmodell trauen den beiden Kernbeteiligungen weniger künftige Erträge zu als bisher unterstellt.
Das angepasste Konzernergebnis nach Steuern, das die Holding selbst als Steuerungsgröße heranzieht, fiel um 14,5 Prozent auf 949 Millionen Euro. Getragen wird es vom laufenden Ergebnis aus den Equity bewerteten Anteilen an Volkswagen (0,8 Milliarden Euro) und an der Porsche AG (0,1 Milliarden Euro). Die Konzern-Nettoverschuldung sank leicht auf fünf Milliarden Euro. An der Jahresprognose hält die Porsche SE fest: 1,5 bis 3,5 Milliarden Euro angepasstes Ergebnis, 4,7 bis 5,2 Milliarden Euro Nettoverschuldung zum Jahresende. Die Aktie gab nach der Veröffentlichung zeitweise um bis zu 1,7 Prozent nach.
Ein Sparplan, der im Aufsichtsrat feststeckt
Der größere Hebel liegt in Wolfsburg. Bei Volkswagen brach der Nettogewinn im ersten Halbjahr fast um ein Drittel ein, der Umsatz stagnierte. Konzernchef Oliver Blume hat einen Umbauplan vorgelegt, der nach bereits gestrichenen 50.000 Stellen weltweit weitere rund 50.000 Arbeitsplätze und vier Werke in Deutschland infrage stellt. Beschlossen ist davon nichts. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen, das über eine Sperrminorität von 20 Prozent verfügt, stimmten im Juli im Aufsichtsrat dagegen. Die nächste Sitzung wird für Anfang September erwartet.
Vorstandschef Hans Dieter Pötsch drängt entsprechend auf Tempo. „Der Volkswagen Konzern steht an einem historischen Wendepunkt“, erklärte er, und weiter: „Je länger sich die Entscheidungen hinziehen, desto größer werden die Probleme.“ Finanzvorstand Johannes Lattwein forderte, Überkapazitäten abzubauen, Kostenstrukturen substanziell zurückzufahren und die Entscheidungsfähigkeit des Konzerns strukturell zu verbessern. Auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit dürfe es keine Denkverbote geben, andernfalls drohe Volkswagen dauerhaft ins Hintertreffen zu geraten.
Widerspruch kommt von der Gewerkschaftsseite. Die IG Metall, die im Aufsichtsrat neben Vertretern der Porsche SE, des Betriebsrats und des Landes sitzt, will Werksschließungen weiter blockieren. Um ihre Dividenden zu sichern, schienen die Eigentümerfamilien bereit, die Lebensgrundlagen derjenigen aufs Spiel zu setzen, die diese Gewinne über viele Jahre erst erwirtschaftet hätten, so ein Sprecher. Wettbewerbsfähigkeit entstehe nicht durch harte Einschnitte, sondern durch attraktive Produkte, Innovation und eine klare Strategie nach vorn.
Porsche: Weniger Elektroautos, mehr Marge
Bei der zweiten Kernbeteiligung sieht die Ertragslage auf den ersten Blick besser aus. Die Porsche AG steigerte ihr operatives Ergebnis um knapp 34 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, die Umsatzrendite kletterte von 5,5 auf 7,8 Prozent. Der Umsatz sank dabei um 5,1 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, die Auslieferungen fielen um 16,5 Prozent auf 122.306 Autos. Der Erlös je verkauftem Auto stieg von 119.000 auf 126.000 Euro. Weniger verkaufen, teurer verkaufen: Das funktioniert kurzfristig, verschiebt den Absatzmix aber weg von der Elektromobilität.
Genau das zeigen die Zahlen. Der Elektro-Anteil an allen Auslieferungen sank auf 19,4 Prozent, nach 23,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. Vom Taycan gingen 6219 Autos an Kund:innen, ein Minus von 25,1 Prozent. Beim Macan entfielen 15.620 der 35.315 Auslieferungen auf die vollelektrische Variante, im Vorjahr waren es 25.884 gewesen. Parallel wurden 19.695 Macan mit Verbrennungsmotor übergeben, die außerhalb der Europäischen Union weiterhin angeboten werden. Der vollelektrische Cayenne startete erst Ende Juni in die Auslieferung. Deutlich zulegen konnte dagegen der 911 mit 30.534 Autos, ein Plus von 19,2 Prozent.
Der langsamer als erwartet verlaufende Elektro-Hochlauf schlägt auch auf die Kosten durch. Porsche nennt Ausgleichszahlungen in diesem Zusammenhang neben US-Importzöllen sowie höheren Material- und Lieferantenkosten als Belastung. Zum Halbjahr beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat zudem, die operative Tätigkeit der Batteriezelltochter Cellforce Group nicht fortzuführen, verbunden mit außerplanmäßigen Abschreibungen von 18 Millionen Euro. Für die ebenfalls eingestellte Porsche eBike Performance GmbH kamen 43 Millionen Euro hinzu. Gleichzeitig stuft der Automobilhersteller seine Rohstoffrisiken höher ein als zum Jahresende, ausgelöst durch Preisanstiege bei Aluminium, Kupfer, Nickel, Kobalt und Lithium-Hydroxid.
Regional zeigt sich, wie stark politische Rahmenbedingungen wirken. In Nordamerika, weiterhin die größte Vertriebsregion, sanken die Auslieferungen um 13,5 Prozent auf 37.712 Autos, unter anderem wegen des Auslaufs der steuerlichen Förderung für elektrische und hybride Autos in den USA. In China inklusive Hongkong ging der Absatz um 31,9 Prozent auf 14.501 Autos zurück, was Porsche auf das Luxussegment und die Wettbewerbsintensität vor allem im vollelektrischen Bereich zurückführt. Im Heimatmarkt Deutschland lagen die Neuzulassungen aller Hersteller moderat über dem Vorjahr, wobei die Nachfrage nach vollelektrischen Autos nach Einschätzung des Unternehmens sehr stark zunahm. Die eigenen Auslieferungen sanken hier um 6,5 Prozent auf 14.938 Autos.
Quantum Systems statt dritter Kernbeteiligung
Die Porsche SE arbeitet daran, ihre Abhängigkeit von den beiden Autoherstellern zu verringern. Im Segment Portfoliobeteiligungen stieg das Ergebnis nach Steuern auf 148 Millionen Euro, nach 29 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Allein die Neubewertung der Anteile an Quantum Systems nach einer weiteren Finanzierungsrunde steuerte 111 Millionen Euro bei. Der Buchwert der Beteiligungen liegt nach Unternehmensangaben bei über 630 Millionen Euro. Von einer dritten Kernbeteiligung, etwa im Rüstungsbereich, ist inzwischen nicht mehr die Rede.
Quelle: Porsche AG – Halbjahresfinanzbericht Januar bis Juni 2026 / Porsche AG – Analyst & Investor Call H1 2026 / Automobilwoche – Porsche SE mit Milliardenverlust / Reuters – Volkswagen’s controlling families back restructuring / Manager Magazin – Milliardenabschreibung zieht Porsche SE in die Verlustzone









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